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Splashdiving: Marcel Ledwon bei der WM dabei!

Wasserburger (31) war vor sechs Jahren bereits Vize-Weltmeister - Unser Porträt

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1Wenn in einigen Tagen – am 29. und 30. August 2015 – das Freibad in Sindelfingen der Austragungsort einer spektakulären Weltmeisterschaft sein wird, dann ist ein Wasserburger mit dabei: Marcel Ledwon, 31 Jahre alt und bereits vor sechs Jahren der Vize-Weltmeister in dieser Disziplin – dem Splashdiving! Bei dieser Sportart führen 50 Stufen zum Glück – hoch oben in zehn Metern Höhe mit dem festen Blick nach unten ins Schwimmbecken! Es ist die Freestyle-Art des Turmspringens. Im Alter von zehn Jahren begann sie schon bei Marcel Ledwon – die Faszination, sich gekonnt in die Tiefe zu stürzen …

Nein, wirklich leicht sei es nicht, Schwimmbäder zu finden, die Zehn-Meter-Türme haben hier in der Region. Nach Trostberg fährt er oder nach Waldkraiburg und Taufkirchen bei Erding. Aber das war’s dann schon. Alle Bäder sind im Freien – das heißt wirkliches Training ist erst seit Juni möglich. Und trainieren muss er viel zur Zeit. Nach sechs Jahren, wo er als Newcomer in der großen internationalen Szene überraschend Vizeweltmeister wurde, will es Marcel noch mal wissen.

Vor drei Jahren war der Münchner nach Wasserburg gezogen. Die WM in Sindelfingen ist in diesem Jahr sein großes Ziel. „Ich möchte dabei sein, auch wenn ich vielleicht nicht vorne mitmische“, sagt er bescheiden, als wir in Wasserburg gemeinsam einen Kaffee trinken. Mit dabei: Sportler unter anderem aus Jamaika und Indien, aus Polen, der Schweiz, Russland oder der Türkei.

marcelVor über 20 Jahren schon ging sie los, seine Begeisterung für diesen Sport. Er war der Jüngste mit zehn Jahren im Olympia-Schwimmbad in München, der in einer Gruppe der Freestyle-Turmspringer mitmachen durfte. Er wartete als Kind gedanklich den ganzen Tag darauf, dass der Bademeister den Zehn-Meter-Turm freigibt, erzählt Marcel.

Schnell erkannten die Freunde seine Begeisterung. Und auch sein Talent. Jede freie Minute verbrachte Marcel von nun an im Schwimmbad oder besser auf dem Zehn-Meter-Turm. Die Entwicklung geht dabei vom Beckenrand über das Ein- und Drei- sowie Fünf-Meter-Brett bis ganz hinauf. Nur so könne es gelingen, auch Perfektion zu schaffen.

Damit es beim Freestyle ordentlich spritzt, muss so viel Körper wie möglich auf der Wasseroberfläche landen. Marcel, der nebenbei auch sehr gerne und sehr gut Fußball spielt (mit Feldmoching kickte er in der Bezirksoberliga, seit zwei Jahren ist er beim DJK-SV Edling), wurde schon oft gefragt, warum er so viele blaue Flecken habe – da würden sich die Sportskameraden schon manchmal wundern. Aber sie sind die Folgen vom Splashdiving aus zehn Metern Höhe – ausmachen tun sie ihm nichts.

3Bis zu 16 Hosen zogen sie früher an, als er mit dem Sport begann. Ja, richtig gelesen, 16 Hosen übereinander, um möglichst die besten Effekte zu erzielen. Heute gelingt das mit Neoprenanzügen und noch eine Hose drunter sowie drüber (unser Foto rechts).

Für Marcel Ledwon bedeutet es Glück, oben auf einem Zehn-Meter-Brett zu stehen, wo sich manch anderer vor lauter weicher Knie gar nicht länger aufhalten will. Jetzt in der Trainingsphase muss er 40 bis 50-mal rauf auf den Turm. Nicht zu schnell, nicht zu langsam. Es sind Rituale, die da ablaufen bei Marcel Ledwon, wie man innehält, sich kurz am Geländer anlehnt, die Phase der inneren Konzentration. Während andere vor dem Absprung noch einmal andächtig nach unten blicken, nimmt Marcel schon auf der letzten Treppenstufe Anlauf, um loszulaufen mit dem richtigen Schwung für einen doppelten Rückwärtssalto. Für die WM 2015 versucht er sich auf die Sprünge zu konzentrieren, die er schon aus dem Effeff kann, um sie zu perfektionieren.

Besonders viel Spaß mache der Sport natürlich im Team, sagt Marcel – es gehe gar nicht so sehr um den Wagemut – den natürlich auch – es gehe aber wie in vielen Sportarten auch um die Kameradschaft. Du musst dich verlassen können, Vertrauen aufbauen, dann seien Showspringen möglich. Mehrere springen gleichzeitig. Aber nur dann.

Was so spielerisch ausschaut, ist harte Arbeit. Eisenhart müssen die Oberschenkel guter Splashdiver sein. Marcel erreicht eine Geschwindigkeit von über 50 km/h, bevor er aufs Wasser auftrifft. Sein beliebtester Splashdown ist das sogenannte Brett. Mit diesem Sprung möchte er Ende August bei der WM beginnen. Bei der schmerzhaften Landung stehen die Beine parallel zur Wasseroberfläche und bilden mit dem Oberkörper einen 90 Grad Winkel. Belohnt wird diese Landung punktemäßig durch ihren relativ hohen Schwierigkeitsgrad! Ach ja, Marcel erzählt mir nebenbei, dass beim Brett das viereinhalbfache Körpergewicht hier aufs Wasser aufschlägt – der 31-Jährige schmunzelt.

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Hallo, da oben!

Bisher habe er immer Glück gehabt, ein paar Prellungen und besagte blaue Flecken, mehr nicht. Nur einmal, da habe er sogar ans Aufhören gedacht. Als ihm einmal jemand das federnde Absprungbrett in drei Metern Höhe verzogen hat und er dadurch mit dem rechten Bein auf dem Beckenrand unten aufschlug. Aber auch hier kam er ohne einen Bruch davon. Nur die Narben zeigt er mir schnell. Ein bisserl nachdenklich wirkt der 31-Jährige. Aber – eh klar – einmal Springer, immer Springer! Marcel machte weiter.

Drei Phasen werden beim Splashdiving unterschieden: das Abspringen („Jump up“), der freie Fall mit Ausrichtung des Körpers („Move“) und das entscheidende Aufkommen auf der Wasseroberfläche („Splash Down“). Die einzelnen Sprünge sind unterschiedlich anspruchsvoll, ähnlich wie beim reglementierten Turmspringen.

Anders als man erwarten könnte, ist nicht das Gewicht des Springers ausschlaggebend für die Spritzleistung, sondern die korrekte Technik, erklärt Marcel und trinkt einen kräftigen Schluck Kaffee. Für die Fans ist eine Splashdiving-Show ein Riesenereignis, ein wahrer Zuschauer-Magnet. Ein paar Mal schon wurde Marcel mit seinen Freunden eingeladen zu Show-Events.

Beim Splashdiven muss es spritzen und laut knallen. Aber Arschbomben sind nicht nur lustig, sondern können im Ernstfall sogar Leben retten. Bei der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) firmiert die Arschbombe unter dem Namen Paketsprung und ist als solcher sogar prüfungsrelevant! Wer nämlich das Deutsche Rettungsschwimmer-Abzeichen in Bronze haben will, muss einen perfekten Paketsprung aus einem Meter Höhe beherrschen. Der Grund: Wenn Rettungsschwimmer in Gewässer unbekannter Tiefe springen (was sie eigentlich nicht sollen), dann nur mit einer risikoarmen Variante. Der Paketsprung ist ein solcher, weil er ein tiefes Eintauchen ins Wasser verhindert und den Retter vor dem Aufkommen auf den Boden bewahrt.

Die Splashdiving-Weltmeisterschaft

Bei der Weltmeisterschaft gibt es verschiedene Kategorien wie Junioren, Männer und Frauen als auch das Synchronspringen. Die Erwachsenen springen von der Zehn-Meter-Plattform, während der Nachwuchs noch vom fünf Metern tieferen Absprung seine Kunststücke zeigt. Der Ablauf ist immer derselbe. Jeder Springer hat drei Sprünge vorzuzeigen. Der erste ist sozusagen gesetzt – aus einer Liste heraus muss der Springer wählen.

2Bei den folgenden zwei Sprüngen kann der Sportler seine Kreativität in Form von verschiedenen Drehungen um die Körperachse voll ausleben. Wichtig ist aber, dass er den Sprung mit einem sauberen Splashdown beendet, sonst gilt der Sprung als ungültig. Deswegen lohnt es sich, einen schwierigen Sprung zu überdenken, bei dem die Landung hapern könnte.

Bewertet werden der Absprung (zwei Jury-Mitglieder), die Flugphase (zwei Jury-Mitglieder) und die Landung (zwei Jury-Mitglieder) mit einer Note von eins bis zehn. Diese Note multipliziert sich dann aus dem Schwierigkeitsgrad des Sprunges, welcher sich aus dem Splashdown und der Anzahl Saltos und Schrauben errechnet. Neoprenanzüge sind im Wettkampf nicht erlaubt.

Marcel als Double von Mario Gomez

marcel 1Ein unvergessliches Erlebnis war für Marcel Ledwon nicht nur seine bisherige WM-Teilnahme – es war eine Werbe-Kampagne der Firma Hugo Boss, wo Marcel den damaligen Bayern-Spieler Mario Gomez beim Turmspringen im neuen Boss-Anzug doubeln musste. Oder besser vielleicht durfte. Es ging um eine Gag-Wette mit dem Golfer Kaymer. Gomez ging den Turm hinauf, oben wartete seitlich schon Marcel, der dann für ihn sprang und Gomez tauchte im Becken wieder auf … siehe unsere Fotos.

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Vier Sprünge – jeweils in einem immer wieder neuen Boss-Anzug mit Krawatte und Lederschuhen – und dann passte der Dreh, erzählt Marcel. Den Tag kann er sich gut merken, weil es der Tag nach dem Halbfinale in der Champions-League war im Jahr 2012, als der FC Bayern mit 2:1 Real Madrid ausschaltete. Das erlösende Tor in der 91. Minute hatte Mario Gomez geschossen …

Klingt irgendwie wie ein gutes Omen für die WM – dieser Schluss unseres Gesprächs. Viel Glück, Marcel!

rd

 

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