Seit einem Jahr: Wasserburg liest!

Eine Zwischenbilanz von Organisator und Moderator Carl H. Demuß

image_pdfimage_print

„Eine Stadt liest!“ heißt es mittlerweile seit rund einem Jahr in Wasserburg. 800 Mal hat Carl H. Demuß (Foto) diese Aktion in Nürnberg veranstaltet (wir berichteten). Mit solchem Erfolg, dass in der Franken-Metropole bisweilen viermal wöchentlich die Besucher zu den Lesungen strömten. Der Clou an der Sache: Die Vorleser kommen aus allen gesellschaftlichen Bereichen – ob aus der Wirtschaft, dem Sport, der Politik oder der Kultur. Wir sprachen mit dem Organisator und Moderator der Lesungen über seine Erfahrungen in Wasserburg.

Herr Demuß, die Mittagslesungen nähern sich der Jahresmarke. Wie sieht Ihr Resümee aus?

Das Schöne ist: Die Zuhörer, die kommen, lieben die Veranstaltung. Die Vorleser wissen das zu schätzen. Wir begannen die Reihe donnerstags zur besten Mittagszeit um 12.12 Uhr. Auf vielfachen Wunsch verlegte ich den Beginn auf 13.13 Uhr. Einige Zuhörer kamen dadurch nicht mehr, was ich schade finde, neue Interessierte kamen dafür hinzu. Inzwischen merke ich aber, das ein noch späterer start gewünscht wird – 18.18 oder 19.19 Uhr. Damit würden wir den Bereich des Abends betreten, der kulturell sowieso voll belegt ist. Was tun, grübelt Zeus?

Ist es leicht, Vorlesewillige zu finden?

Nein. Es ist ausgesprochen schwierig. Es geht ja darum, dass der Bürger oder der Gast der Stadt Wasserburg die Chance hat, seine Lieblingsliteratur vorstellen zu dürfen: Ob Roman, Kurzgeschichte, Lyrik, Essay, Eigenes oder Fremdes. Nach rund zwanzig Minuten wird beim Plaudernachschlag über den Text gesprochen, aber auch über Gott, die Welt und eigene Projekte. Die Zuhörer haben da schon so ihre Fragen. Ansonsten ist das Vorlesen von Literatur in dieser Region anscheinend nicht so beliebt, denn ich habe im letzten Jahr alle Schulen angeschrieben und nur eine antwortete. Mit einer Absage.

Sie selbst erscheinen oft im Reigen der Vorleser.

Klar, dazu lese ich zu gerne vor und zwar einmal im Monat. Sollte aber jemand unbedingt einen Vorlesetermin so schnell wie möglich wollen, trete ich meinen Termin ab. Das kam öfters vor.

Und was ist Ihre Lieblingsliteratur?

Tatsächlich eigene, aber auch Fremdtexte, wie zum Beispiel  Goethes „Faust“, den ich jetzt für den 30. März ausgewählt habe.

Kann wirklich jeder bei Ihnen vorlesen?

Selbstverständlich. Wichtig ist es langsam, ruhig und ausdrucksstark vorzulesen. Im Internet gibt es auf Youtube tausende Beispiele von Prominenten. Die Highlights verrate ich nicht, die soll derjenige selber finden. Man muss sich ja nicht die Konkurrenz auch noch heranzüchten.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Veranstaltungen gibt es ja nicht geschenkt.

Von der Stadt Wasserburg steht das Angebot, einen Antrag auf finanzielle Unterstützung zu stellen. Ich habe mich dagegen entschieden, da ich mich gerne unabhängig fühle. Sollte die Karre mal stecken bleiben, brauche ich mir keine Vorwürfe zu machen.

Letzte Frage: Stehen Höhepunkte an, auf die man sich freuen kann?

Da ich nie weiß, was meine Vorlesegäste an Literatur vortragen werden, ist es schwierig, zu trommeln. Doch eine besondere Lesung kann ich schon jetzt verraten: Ich konnte die ehemalige Touristikamtsleiterin Traudl Scharlach zu einem Auftritt überreden – das wird spannend!

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.