„Schritt nach Wasserburg nie bereut“

Christoph Hafner kam mit berühmtem Geschäft „Pfeiffer am Dom“ vor neun Monaten an den Inn

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christoph hafnerFast ein bisserl unscheinbar liegt es da, das neue Geschäft, ganz am unteren Rand vom Wasserburger Marienplatz. Wer die Hauptstraße vom Gruber herunter kommt und nicht zum Parkplatz am Gries muss, wechselt vor der Tränkgasse schon mal die Straßenseite, bevor er an dem Laden vorbei käme. Das zu frühe Abbiegen der Laufkundschaft hat den Geschäftsinhaber nicht lange geärgert. Flugs hat er bunte Windräder und Fähnchen nach draußen gehängt. „Jetzt wissen die Leut‘, dass es mich gibt. Man muss halt ein bisserl erfinderisch sein“, sagt Christoph Hafner, der mit seinem berühmten Spiel- und Kunstgeschäft, dem „Pfeiffer am Dom“, vor neun Monaten nach Wasserburg umgezogen ist. „Ich habe diesen Schritt nie bereut“, sagt er heute und lächelt aufrichtig.

Die Liebe zur Stadt in der Innschleife kommt nicht von ungefähr. „Es gibt hier ein unglaubliches Kunst- und Kulturangebot. Ich hab‘ mich in Wasserburg schon vor Jahren als Besucher des Nachtflohmarktes verliebt.“ Damals sei er jeden Sommer aus München herausgependelt und habe zum Flohmarkt im Hotel Fletzinger übernachtet, so der 66-Jährige, der ein ganz spezielles Hobby pflegt und zum Beruf gemacht hat – das Sammeln und Handeln von Spielzeug. Doch nicht irgendein Spielzeug, sondern solches „das es in normalen Spielzeuggeschäften oft nicht gibt“. Hafners Credo, das ihn und sein Geschäft in München, direkt im Herzen der Landeshauptstadt zur Institution werden ließ: „Ich mache keine Mode mit und führe nur das, was mir selbst gefällt.“

Und so finden sich heute bei „Pfeiffer am Rathaus“ in Wasserburg solche spielerischen Raritäten und Besonderheiten wie ehemals beim „Pfeiffer am Dom“ in München: Blechspielsachen, aufwändig gestaltete Spiele, edle Schreibutensilien, Sammlerstücke aus Skandinavien, der Schweiz und Frankreich – immer aus Blech und Holz, nie aus Plastik. „Plastik finde ich uninteressant. Das hat keine Haptik. Ein Spielzeugauto ist am schönsten, wenn es aus Metall ist.“

Die tollsten Spiele bekommt Christoph Hafner übrigens aus Japan. „Die haben eine ganz andere Spielkultur als wir. Die Japaner nehmen sich da richtig Zeit und die ganze Familie ist dann involviert. Immer wenn ich in Japan bei Geschäftspartnern zu Besuch bin, genieße ich deren Hingabe zum Spiel in vollen Zügen.“

Hafner, der selbst Roboter und fragiles Blechspielzeug am liebsten mag, kommt eigentlich aus einer Verlegerfamilie. „Meine Vorfahren hatten am Dom in München einen religiösen Buchverlag. Da hat sich die ganze Familie mit eingebracht. Der Stammsitz war in der Herzogspitalstraße. Ich sollte den Laden am Dom übernehmen, hatte aber auf die religiösen Bücher keine Lust.“ Als seine Eltern mal in Urlaub gewesen seien, habe er dann neue Regale gekauft und das Sortiment verändert. Das Gotteslob sei unter den Ladentisch gewandert. „Ich hatte Riesenglück und gleich in den ersten Tagen den Tagesumsatz von meinen Eltern vervierfacht. Da haben die Eltern mich dann machen lassen.“

In den folgenden vier Jahrzehnten machte der Spielzeugnarr mit dem hageren Gesicht und den wilden Haaren den „Pfeiffer am Dom“ zum bekanntesten Münchner Spielzeuggeschäft mit besonderem Flair. Zu seinen Kunden gehörte Politprominenz wie Künstler, Theaterstars oder TV-Größen. „Ich hab‘ mich zum Beispiel immer gern mit Axel Milberg unterhalten, der nicht selten Spielsachen bei mir gekauft hat.“ Von seinen Stammkunden hat Hafner übrigens viele mit nach Wasserburg gezogen.

 

Und warum wechselt man mit einem erfolgreichen Laden von München in die Provinz? „50 Quadratmeter für 5000 Euro Monatsmiete, so ist das heute in München rund um den Marienplatz und den Dom.“ Als das Gebäude, in dem „Pfeiffer am Dom“ jahrzehntelang untergebracht war, saniert wurde, habe er gerade das rechte Alter gehabt, um in den Unruhestand aufs Land zu gehen. „Die Mietpreise und die widrigen Umstände beim Umbau haben es mir leicht gemacht, nach Nöstlbach auf einen Bauernhof zu ziehen. Ganz wollte ich aber nicht aufhören und da kam mir Wasserburg in den Sinn.“

 

Und wie geht‘s weiter? „Ein paar Jährchen möchte ich mein Geschäft schon noch betreiben“, sagt der 66-Jährige und lacht. „Dann such‘ ich mir einen Nachfolger. Es muss jemand sein, der die gleiche Leidenschaft für außergewöhnliches Spielzeug hat wie ich.“ Doch bis dahin fließt hoffentlich noch jede Menge Wasser den Inn hinunter. Bis dahin genießt der Wahl-Wasserburger die „freundlichen Menschen in der Stadt, das sagenhafte kulinarische Angebot zur Mittags- und Abendstunde, den Ratsch mit Christine und Annika Wierer von der benachbarten Parfümerie, den Spaziergang durch die Altstadt und die Seniorenkarten fürs Belacqua“. HC

 

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