Schnetzer: „Edling hat ein Zeichen gesetzt“

Aus dem geplanten Auftritt der so genannten Bürgerwehr wurde nichts

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DSC_0042„Edling hat heute ein Zeichen gesetzt!“ Gelöst und heiter zogen am Samstag gegen 17.45 Uhr Bürgermeister Matthias Schnetzer und Dr. Stefan Schweitzer, der Koordinator des Edlinger Helferkreises, am Wohncontainer der Flüchtlingsfamilien in Hochhaus Bilanz zu einem unaufgeregten Nachmittag, der nur im Vorfeld für einigen Wirbel gesorgt hatte. Die so genannte Edlinger Bürgerwehr hatte einen Marsch vom Sportheim zur Unterkunft der Asylbewerber angekündigt (wir berichteten). Von den Organisatoren ließ sich dann aber niemand blicken.

Lediglich fünf „Sympathisanten“ schickte die Wasserburger Polizei wieder heim. Dafür waren gut 200 Edlinger Bürger und Mitglieder des Helferkreises auf den Beinen, um ihren Unmut gegenüber Fremdenfeindlichkeit jeder Art zu demonstrieren. „Es kann doch nicht sein, dass hier eine kleine Gruppe unseren wunderbaren Ort in Verruf bringt“, war der Tenor der Menschen, die sich demonstrativ am Sportheim und an der Unterkunft in Hochhaus einfanden.

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Auch die Polizei zeigte starke Präsenz, obwohl zur gleichen Zeit eine Vermisstensuche und ein Verkehrsunfall im Aufgabenbereich der Beamten zu meistern gewesen wären. Wasserburgs Inspektionschef Markus Steinmaßl  war selbst vor Ort. Er und seine Beamten mussten aber wie erwartet nicht eingreifen, weil die fünf Sympathisanten der so genannten Bürgerwehr ohne großen Ärger wieder abzogen. Der Polizeihubschrauber über ihnen galt jedenfalls nicht ihrer geplanten Aktion, sondern der Vermisstensuche in und um Edling – die übrigens erfolgreich verlief.

Viel Lärm um nichts also. Dr. Stefan Schweitzer, der Koordinator des Edlinger Helferkreises, brachte es am Ende der 45 Minuten zwischen Sportheim und Asylunterkunft auf den Punkt: „Schönes Wetter, frische Luft, tolle Leute, die man heute kennenlernen konnte – was will man mehr? So kann man das Wochenende genießen.“

Er rief alle dazu auf, sich im Helferkreis Asyl zu engagieren. Mit Schmunzeln in Richtung der sogenannten Bürgerwehr, die zunächst 100 Liter Freibier für jeden Teilnehmer des „Spaziergangs“ versprochen hatte: „Auch wenn’s bei uns kein Freibier gibt: Wir freuen uns über jeden neuen Helfer.“

Und der Bürgermeister abschließend: „Wir sind über 4000 Edlinger Bürger und haben jetzt gerade einmal 46 Flüchtlinge, darunter 16 Kinder, bei uns aufgenommen. Ich frage mich ernsthaft, warum wir das nicht schaffen sollten.“ Für ihn und Dr. Schweitzer, die beide nochmals das umsichtige Auftreten der Wasserburger Polizei lobten, gab’s langanhaltenden Applaus.

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Der Bürgermeister war schon eine halbe Stunde vor dem angekündigten „Spaziergang“ vor Ort.

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Die Wasserburger Polizei zeigte Präsenz.

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Auch „Linke“ aus Rosenheim und Wasserburg fand sich in Edling ein.

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Am Ende setzte sich der Föhn durch und alles blieb ruhig.

 

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20 Gedanken zu „Schnetzer: „Edling hat ein Zeichen gesetzt“

  1. Na, wo waren denn die angekündigten Spaziergänger? Hatte mich schon auf eine interessante Diskussion gefreut!
    Aber wenn keiner kommt…
    „Edlinger Bürgerwehr“ – dass ich nicht lache! Das einzige gegen das sich ein Edlinger Bürger wehren sollte, sind die kranken Ansichten derer, die die Wirklichkeit nicht begreifen (wollen oder können).
    Ob mit oder ohne Asyl suchenden Menschen – Edling wird weiterhin eine lebenswerte Gemeinde bleiben. Und sie wird auch zukünftig eine passende Antwort auf dämliche Aktionen wie die der „Edlinger BW“ haben!

    Mein höchster Respekt gilt all jenen, die heute vor der Container-Anlage ein Zeichen gegen Fremdenhass und für Gemeinschaft gesetzt haben – ihr seid einfach weltklasse !!!

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  2. Es wurde eindeutig ein Zeichen gegen Hass und Mistrauen gesetzt, gegen Fremdenhass und einer „Bürgerwehr“ die gegen Familien mit Kindern vorgeht (Besorgte Bürger machen so etwas einfach nicht). Ich bin Glücklich in einer Gegend mit so viel Toleranz und Herzlichen Menschen leben zu dürfen.

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  3. @Bürger“wehr“

    HAHA!

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  4. Sind wir froh, dass die sog. Edlinger Bürgerwehr doch wohl nur ein Fake ist…
    Super zu sehen, dass so viele Edlinger klar gezeigt haben, dass sie den rechtsradikalen Parolen dieser paar Knallköppe etwas entgegenzusetzen haben. Vielen Dank für die tolle Unterstützung. Edling ist halt doch bunt. Egal ob die Politik nun gerade die richtigen Entscheidungen trifft oder nicht, die hier lebenden Flüchtlingen müssen wir unterstützen, damit sie sich bei uns integrieren können.

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  5. Frägt sich wer jetzt dümmer war, die 5 Schaulustigen oder die 200 die ernsthaft glaubten da würde wirklich was kommen…

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    1. @ Hansi; werd endlich zum Hans!!! Hier ging es um zusammenstehen und neue Bürger zu schützen von ein paar „FakeBurschen“.
      Hier konnte man sehen dass Bürger zusammenstehen aus allen Generationen und es waren nicht nur Edlinger anwesend.
      Also „dumm“ war da keiner, hier wurde ganz klar GESICHT gezeigt! Tolle Aktion!!!

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  6. Hut ab vor den beiden Mädels, die die Idee für diese Aktion hatten und es organisiert haben.

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    1. Steffen Sparschuh

      Nur wenn man mit Herz und Verstand Lebenssituationen anderer Menschen betrachtet, handelt man humanistisch. Helfen wir Menschen, die unsere Hilfe dringend benötigen.

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  7. Das Lob für die Aktion sich vor der Wohnanlage zu treffen, sollte auch an die gehen, die das auf die Beine gestellt haben. Laut meinen Informationen war das nicht Herr Schweizer sondern zwei Mädels die sich was getraut haben. Hut ab Mädels, da können sich einige eine Scheibe abschneiden. Sorry für die Formulierung, ihr habt nen Ar…. in der Hose. Das habt ihr bewiesen.

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    1. ist doch wurscht, wer es war, Hauptsache es macht überhaupt irgendwer. Die Initiative ging von mehreren Seiten aus, sowohl vom AKE als auch von Edling ist Bunt als auch von allen anderen, die davon von welchen Quellen auch immer gehört haben. Riesen Dank an alle, die da waren.

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  8. Es waren sicherlich mehr Leute von der Edlinger Bürgerwehr anwesend als nur diese 5 Personen. Das waren wahrscheinlich nur die einzigen, die sich gezeigt haben. Jetzt kann man denken, dass man einen Sieg errungen hat …. wirklich? Was hindert sie jetzt daran alles heimlich zu organisieren? Laut deren Facebook-Seite kann man sowas erahnen. Ich bin skeptisch…

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    1. Edling hat sich von seiner besten Seite gezeigt!

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  9. Der Aufmarsch der Grausamen – ob das nicht die Flüchtlingsfamilien emotional verwirrt und traumatisiert?

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    1. Was? Willst Du damit sagen Hubbi? vastähs ned?
      Danke für Deine Antwort;

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      1. Na ich würde mich herzlich bedanken, wenn vor meiner Unterkunft 200 Leute plus Polizei aufmarschieren. Finde das äusserst fragwürdig, den Familien und Kindern gegenüber.

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        1. Viele der Bewohner der Containeranlage haben sich zusammen im Freien aufgehalten und waren (vor allem die Kinder) bester Laune ! -> Kirche bitte im Dorf lassen!

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          1. Dabei ist zu erwähnen, dass die Bewohner über den Vorgang im Vorhinein informiert und darüber aufgeklärt wurden und sie sich sogar darüber gefreut haben.

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          2. Mag schon sein. Aber auf den Fotos sehe ich keinen Einzigen.

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        2. Ich verstehe Ihre Kritik und den Gedankengang und sie waren offensichtlich nicht dabei. Deswegen erlaube ich mir, kurz davon aus „Teilnehmersicht“ zu erzählen.
          Die Polizei war auf der „anderen“ Seite – am Parkplatz vom Amedeo und nicht vor den Containern.
          Man hatte, nach der Ankündigung der Bürgerwehr Edling eben nur die Wahl zwischen: A) Gar nichts tun und hoffen, dass keiner von der Bürgerwehr eine „Besichtigung am Container“ macht und irgendwelche Parolen vom Stapel lässt und damit die neuen Bewohner, mit DIESER Situation, alleine zu lassen. Oder…. B) sich vor Ort zu treffen. Ich denke ganz bewusst gab es vorher keine große Ankündigung zu dieser Zusammenkunft. Es war eine Art „stille Post“ und die Menschen die kamen, sich vor Ort trafen, unterhielten sich in Gruppen und in absoluter entspannter Atomsphäre. Auch so mancher „neue Edlinger“ kam mit seinen Kindern und mischte sich unter die Menge, unterhielten sich.. Und auch die Asylhelfer waren zahlreich vor Ort um bei Unsicherheiten seitens der neuen Bewohner da zu sein.
          Es hätte sicher grundsätzlich nicht sein müssen, aber die Bürgerwehr ließ – und ich glaube viele dachten so, keine andere Möglichkeit zu, als auf die Straße zu gehen!
          Edlinger Bürger – wehr(et) den Anfängen!

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          1. @Hubbi:
            Kommens einfach beim nächsten Mal persönlich vorbei und beurteilen die Situation vor Ort! Es waren einige der Container-Bewohner inmitten der Menschenmenge. Selbst die Kinder der geflüchteten Familien haben ohne Berührungsängste mit einigen der anwesenden Hunde gespielt und hatten die größte Gaudi dabei…

            Bei Fotos neigen die Menschen gern dazu, sie fehl zu interpretieren bzw. nicht selten bilden diese nicht die Wirklichkeit ab (wobei dies in diesem Fall nicht zutrifft).

            @Susanne: Das mit der „stillen Post“ kann ich nur bestätigen. Es gab keine große Ankündigung. Mir selbst (und einigen anderen auch) fuhr zunächst der Schrecken in die Glieder, als ich anfangs die große Menschenmenge sah…

            Dachte schon das wären die Spinner, die mit der Bürgerwehr sympathisieren. Glücklicherweise hat sich das schnell als Irrtum herausgestellt (wär ja auch unrealistisch).

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