Schnecke ist nicht gleich Schnecke

Bund Naturschutz Wasserburg informiert über den nützlichen „Tigerschnegel"

image_pdfimage_print

tiegerschnegelJa, do schau her! Schnecke ist nicht gleich Schnecke! „Schon ein paar Mal berichteten mir Nachbarn, dass sie eine ganz große Schnecke erlegt hätten. Nach deren Beschreibung handelt es sich allerdings um den so genannten Tigerschnegel – einen Nützling, der es aber leider schon fast auf die Rote Liste der bedrohten Tierarten geschafft hat. Er frisst Schneckeneier und Nacktschnecken“, erzählt Burkhard Martl vom Bund Naturschutz in Wasserburg. Und das weiß er über das nützliche Tier …

Der Tigerschnegel ist eine zehn bis 20 Zentimeter lange Nacktschnecke aus der Familie der Schnegel, oftmals auch „Große Egelschnecke“ oder „Großer Schnegel“ genannt, der als Kulturfolger meistens in Parks, Gärten und auf Friedhöfen zu finden ist.

Nützling Tigerschnegel

Gartenbesitzer können sich glücklich schätzen, wenn solch ein eifriger Helfer wie die Tigerschnecke den Garten aufsucht, da diese Schnegel zu den Nützlingen im Garten zählen.

Betrachter des Großen Schnegels werden wahrscheinlich hin und her gerissen sein, zwischen Faszination und ein wenig Ekel, aber bedeutend ist eher die Tatsache, dass der Tigerschnegel sich nicht an lebende Pflanzen vergreift, er richtet also keine Fraßschäden an, sondern frisst vor allem die Eier von Nacktschnecken und greift diese auch an.

Neben dem Schwarzen Schnegel (Limax cinereoniger) ist der Tigerschnegel eine der beiden bekanntesten und größten einheimischen Schnegel-Arten in Europa.

Der Tigerschnegel ist inzwischen fast weltweit in den gemäßigten Breiten wie Südafrika, Nordamerika, Australien, Tasmanien und Neuseeland zu finden und zählt bei uns zu den eingeschleppten Tierarten (Neozoon).

Auch ist der Tigerschnegel nicht immer getigert, sondern es kommen auch getupfte Exemplare vor, welche dann eher unter die englische Bezeichnung „Leopard slug“ fallen. Etwas irreführend ist auch der wissenschaftliche Name Limax maximus, da der Tigerschnegel nicht die größte einheimische Schnegelart ist, diese Bezeichnung verdient der deutlich längere Schwarze Schnegel.

 

Lebensweise der Großen Schnegel

Tigerschnegel können auch gut in einem Terrarium gehalten werden. Nach unterschiedlichen Beobachtungen fressen die Tiere zwar auch andere Nacktschnecken, sind aber nur in geringem Maße kannibalisch veranlagt. Deshalb werden Tigerschnegel untereinander in einem ausreichend großen Terrarium, mit genügender Nahrungsversorgung, sich auch nur selten angreifen.

Ebenso beachtlich ist es, dass Tigerschnegel auch gegenüber den Jungtieren keine Aggressionen an den Tag legen. Vielmehr ist es so, dass die Jungtiere ohne weiteres über die Alttiere hinwegkriechen und sich von diesen umher tragen lassen. In der Natur verstecken sich sich die Großen Schnegel oftmals zu mehreren Exemplaren unter Baumrinde, so dass ein Zusammenleben offenbar genauso wenige Probleme bereitet.

Der Tigerschnegel ist ein Zwitter, also ein Tier, das weder männlich noch weiblich ist. Sie verfügen somit über männliche als auch über weibliche Genitalien. Nach etwa 1,5 Jahren ist das Tier geschlechtsreif. Ursprünglich sind die meisten Schnegelarten, waldlebende Schnecken, die von zersetztem organischem Material oder auch Pilzen, Flechten und Algen leben.

Noch mehr als durch seine ökologische Nützlichkeit ist der Tigerschnegel durch seine meisterhaft scheinende Paarungsmethode bekannt geworden. die Tigerschnegel legen bis zu 200 große, glasklare Eier. Frisch geschlüpft sind die jungen Tigerschnegel winzig und blass weiß. Erst etwa eine Woche später bekommen sie die ersten Streifen und Bänder.

Von ganz besonderem Interesse ist auch der Schleim, welchen die Schnecken sowohl für ihre Fortbewegung (dünner) als auch für die Kopulation (dicker) produzieren. So soll er, leider im Detail noch nicht erforschte Wirkstoffe zur Warzen- und Gastritis-Behandlung beinhalten. Seiner Eigenschaft nach ist er enorm reißfest und stellt einen idealen Klebstoff dar.

Die Beschaffenheit des Schleims, den der Schnegel am Hinterende produziert, stellt in der Erforschung der molekularen Strukturen und Eigenschaften, ein ungeheures Potential für die Entwicklung neuer Polymere (biometrischer Stoffe) und deren Verwendung dar.

Im Gegensatz zu den Wegschnecken kann der Tigerschnegel bis zu fünf Jahre alt werden.

Der Tigerschnegel ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber halten sich die Schnecken an geschützten, eher abgedunkelten und feuchten Stellen verborgen.

Gift muss nicht sein!

Hinweis: Auch wenn sich viele Gartenbesitzer über Fraßschäden von Schnecken (Schnegel) ärgern, sollte man jedoch bei der Schneckenbekämpfung nicht zu eifrig vorgehen.

Denn was viele Hobbygärtner nicht wissen, – Schnecken sind der Gesundheitsdienst im Garten. Dadurch, dass sie auch verwesende Pflanzenteile und tote Tiere fressen, Pflanzenreste zersetzen und bei der Humusbildung helfen, sind sie ein nützlicher Bestandteil des ökologischen und biologischen Lebensraums.

Erhalt der Artenvielfalt

Der Tigerschnegel steht kurz vor der Aufnahme in die Liste der vom Aussterben bedrohter Tiere und durch die Wahl zum Weichtier des Jahres 2005 sollten schädlichen Folgen für den Artenbestand vorgebeugt werden und die Allgemeinheit auf dieses besondere Tier aufmerksam gemacht werden.

Malakologen (Malakologie ist die wissenschaftliche Bezeichnung für die Forschung über die Weichtiere) machen bereits auf den erschreckenden Rückgang der Anzahl der Tigerschnegel aufmerksam.

Bilanz: Der eingenistete Tigerschnegel stellt eine Bereicherung der Tierwelt unserer Gärten dar und Gartenbesitzer brauchen sich wegen ihm kaum Sorgen um die schönen Blumen im Garten zu machen. Zudem die Größe der Population der Tigerschnegel bei uns auch leider nur gering ist und so wird von ihm auch keine Gefahr ausgehen.

Quelle: http://magazin.gartenzeitung.com/Tiere-im-Haus-und-Garten/tigerschnegel.html

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.