Schattendasein hat ein Ende

Sanierung der Kirche St. Achatz in Wasserburg ist jetzt in vollem Gange

image_pdfimage_print

DSCN7212Das kleine Kirchlein St. Achatz an der Salzburger Straße in Wasserburg: Seit Jahrzehnten fristet es ein Schattendasein. Doch das hat jetzt ein Ende. Eine Begehung der Kirche zeigte, dass die Sanierungsmaßnahmen an dem historischen Gebäude in vollem Gange sind. Zusammen mit dem Stadtrat machten sich Bürgermeister Michael Kölbl und Stadtbaumeisterin Mechtild Hermann ein Bild von den Arbeiten. Ferdinand Steffan vom Heimatverein Wasserburg berichtete dabei über die Geschichte der Achatz-Kirche. Für den zuständigen Architekten, Udo Rieger, hatte Steffan eine Warnung parat. 

Der Kreisheimatpfleger: „Wenn Sie im Zentrum der Kirche mit den Arbeiten beginnen, kann es sein, dass Sie auf Gebeine stoßen. Wir vermuten dort ein Grab.“

„Es tut sich was!“, so der Bürgermeister zum Beginn der Sanierungsmaßnahmen in der Kirche St. Achatz an der Salzburger Straße. Kölbl: „Inventar und Gestühl wurden zum Großteil eingelagert, der Altar mit Schutzfolie bedeckt und die erste Bodenschicht abgetragen. Nun soll nicht länger ein Geheimnis um die Restaurierung der historischen Kirche gemacht werden.“

Bereits am 29. September letzten Jahres war der Startschuss für die Sanierung gegeben worden. Die Fertigstellung ist nach vier Jahren Bauzeit für das Jahr 2019 geplant.

DSCN7206Laut Ferdinand Steffan (Foto) wurde die Kirche Anfang des 15. Jahrhunderts zum ersten Mal urkundlich erwähnt. 1483 war sie durch den damaligen Stadtbaumeister Wolfgang Wieser neu errichtet worden. „Im Stil der Spätgotik wurden unter Wieser auch die Jakobskirche und das Brucktor gestaltet. Damals war in die St. Achatz-Kirche neben dem seitlichen Haupteingang eine separate Eingangstüre für die sogenannten ,Sondersiechen‘, die Aussätzigen, eingelassen worden.“

Im 16. Jahrhundert sei das Haupttor der Kirche auf die Westseite verlegt worden. „Im 19. Jahrhundert folgte eine weiterer Umgestaltung.“ So habe man beispielsweise die Spitzbögen abgeschlagen. „Unter Willi Ernst wurden die historisch wertvollsten Einrichtungsgegenstände in das Museum der Stadt gebracht.“

Steffan rät dazu, besonders im Zentrum der Kirche Vorsicht bei den Umbauten walten zu lassen: Er vermutet an dieser Stelle ein Grab.

DSCN7203Udo Rieger vom gleichnamigen Architekturbüro in Isen ist der beauftragte Experte für die Sanierung (Foto). Nachdem im Herbst 2015 die für den Umbau benötigten Fördergelder bewilligt worden waren, wurden die ersten vorbereitenden Maßnahmen eingeleitet. „Durch die geplante Zeitspanne von vier Jahren gibt es keinen extremen Zeitdruck. Dies ist für ein gutes Gelingen des Projekts essentiell“, so Rieger.

Nachdem bereits durch einen Glasrestaurator die Fenster des Gebäudes überholt und der Innenraum von Schädlingen befreit worden war, kann als nächster Schritt der Boden erneuert werden. Sollte man bei der Abtragung von 20 Zentimetern auf ein Grab stoßen, würde ein sofortiger Baustopp eingeleitet werden, erläutert Rieger. Die Bodenplatten wurden bereits eingelagert und sollen wieder verwendet werden.

Eine statische Untersuchung, die Schadenskartierung des Bauwerks sowie der Bauwasseranschluss seien bereits vorhanden, der vollständigen Sanierung stünde nichts mehr im Wege.

Stadtbaumeisterin Mechtild Hermann ging ebenfalls auf die geplante, lange Zeitspanne bei den Sanierungsarbeiten ein: „Die lange Bauzeit lohnt sich auf jeden Fall. Das sieht man alleine am Kostenfaktor. Außerdem können sich die beauftragten Firmen so viel Zeit lassen wie sie brauchen, um das Projekt bestmöglich zu gestalten“, so Hermann. Über die künftige Nutzung der Kirche habe man noch nicht entschieden.

HF

DSCN7201

DSCN7202
Ein Historiker in seinem Element: Ferdinand Steffan 

DSCN7205DSCN7207
Stadtbaumeisterin Mechtild Hermann 

DSCN7211DSCN7190 DSCN7194  DSCN7199

DSCN7209 DSCN7195Die Orgel ist leider musikalisch nicht mehr wertvoll. Dennoch wird sie gesäubert und aus historischen Gründen im Gebäude gelassen.

DSCN7210    DSCN7216

 

DSCN7219

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

3 Gedanken zu „Schattendasein hat ein Ende

  1. Gibt es dort nicht auch eine Grabstätte für die bei dem Massaker vom Achatzberg 1705 getöteten Bauern?

    10

    2
    Antworten
    1. Hoffentlich restauriert man hier mit Herz und Hirn, denn nicht noch so ein farblicher Fehlgriff wie beim Kernhaus …

      Hier trifft man auf ein ganz besonderes Kleinod, das mit viel Geduld und vor allen Dingen, der Liebe zum Detail, wieder in seinen alten Glanz versetzt werden kann. Ich freue mich schon auf den Moment, wo das Kirchlein für die Bevölkerung geöffnet wird.

      8

      9
      Antworten
      1. Worin liegt Ihrer Meinung nach der „farbliche Fehlgriff“ beim Kernhaus, ist es Ihnen zu dezent oder zu poppig?

        6

        2
        Antworten