„Rettungsdienst nicht mehr optimal“

Landkreis-Verband erhöht deshalb Dienstzeiten auch in Wasserburg

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Die rettungsdienstliche Versorgung im Landkreis ist nicht mehr optimal. Das ergab eine Struktur- und Bedarfsanalyse, deren Ergebnisse heute am Freitag in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Rosenheim vorgestellt wurden. Steigende Einsatzzahlen deuteten schon vor zwei Jahren auf eine Verschlechterung der Versorgungsstruktur im Rettungsdienst hin. Diese ist dann ausreichend, wenn in mindestens 80 Prozent aller Notfälle, der Ereignisort nach spätestens zwölf Minuten erreicht ist …

Die zum dritten Mal durchgeführte Struktur- und Bedarfsanalyse des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement bestätigte die Vermutungen:

In den Versorgungsbereichen Flintsbach, Bad Aibling und Bad Endorf wurde der Schwellenwert von 80 Prozent unterschritten. Rund um Wasserburg wird die 12 Minuten-Frist zwar in knapp 87 Prozent aller Notfälle eingehalten, trotzdem sorgen gleichzeitig notwendige Einsätze in den frühen Abendstunden für Probleme.

Um die gesetzlichen Vorgaben des Bayerischen Rettungsdienstgesetzes zu erfüllen, beschlossen die Verbandsräte eine ganze Reihe von Veränderungen.

In Wasserburg dauert die Dienstzeit in Zukunft nicht mehr von 10 Uhr bis 18 Uhr, sondern von 8 Uhr bis 20 Uhr. In Achenmühle wird ein neuer Stellplatz für einen Rettungswagen entstehen. Er soll täglich von 7 Uhr bis 21 Uhr besetzt sein. Am Stellplatz Feldkirchen-Westerham endet die Vorhaltezeit zukünftig um 24 Uhr, statt derzeit um 20 Uhr. Auch in Kolbermoor wird der Rettungswagen um knapp 35 Stunden pro Woche länger besetzt sein. Die Vorhaltezeit erhöht sich werktags auf 6 bis 24 Uhr.  

Zur Situation in Bad Endorf heißt es in der Struktur- und Bedarfsanalyse, dass der neue Stellplatz in Achenmühle die Rettungswache in Prien so entlasten kann, dass der Rettungswagen aus Prien bei gleichzeitig stattfindenden Einsätzen vor allem in den Gemeinden Bad Endorf und Breitbrunn aushelfen kann.

In seiner Begrüßung hatte der Vorsitzende des Zweckverbands, Rosenheims Landrat Wolfgang Berthaler zunächst noch einmal auf das Zugunglück von Bad Aibling zurück geblickt. Der Landrat lobte alle Hilfsorganisationen für die gute Zusammenarbeit, ein herzliches Dankeschön an alle. Geschäftsführer Ronald Zillmer würdigte stellvertretend für alle Einsatzkräfte die Sanitätseinsatzleitung für die hervorragenden Leistungen bei diesem Einsatz.

Zum Digitalfunk sind die Vorbereitungen nahezu abgeschlossen. Das digitale Netz ist aufgebaut und funktioniert. Ein Probebetrieb ist am vergangenen Dienstag abgeschlossen worden. Rund 3.600 Funkgeräte sind im Digitalnetz angemeldet. Jetzt stehen noch einige Übungen an und wenn die Ertüchtigung der Integrierten Leitstelle in Rosenheim abgeschlossen ist, kann der Regelbetrieb aufgenommen werden.

Im Unterschied zur Notfallrettung reichen die vorhandenen Fahrzeuge im Bereich der Krankentransporte aus, heißt es heute. Steigende Einsatzzahlen verlangen allerdings auch hier Erweiterungen der Vorhaltzeiten. In Stadt und Landkreis Rosenheim stehen die Krankentransporte derzeit 448,5 Stunden pro Woche zur Verfügung. Diese werden um 64,5 Stunden aufgestockt. Die zusätzlichen Stunden verteilen sich auf alle vier Klinikstandorte in Rosenheim, Bad Aibling, Prien und Wasserburg.

Im Landkreis Miesbach kann am Standort Agatharied in Zukunft 40 Wochenstunden länger ein Krankentransportfahrzeug genutzt werden. Derzeit sind die Krankentransporte in Agatharied und Dürnbach wöchentlich 131 Stunden besetzt.

Stefan Forstmeier wurde zum neuen Geschäftsführer des Verbandes bestellt. Er löst am 1. August Ronald Zillmer ab, der sich im kommenden Jahr in den Ruhestand verabschieden wird.

Neben der Bestellung von Stefan Forstmeier zum neuen Geschäftsführer des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung beschäftigte sich die Verbandsversammlung noch mit einer zweiten wichtigen Personalie. Für die Ärztlichen Leiter Rettungsdienst Dr. Michael Bayeff-Filloff, Dr. Michael Riffelmacher und Dr. Stefan Stöckel endet die Amtszeit voraussichtlich Ende Juli. Dr. Christian Pawlak trat bereits zum 31. Dezember 2015 von seinem Amt zurück.

Das novellierte, also in Teilen geänderte, Bayerische Rettungsdienstgesetz, das am 1. April in Kraft trat, sieht nur noch einen Ärztlichen Leiter Rettungsdienst für jeden Rettungsdienstbereich vor. Die Geschäftsführung wurde beauftragt, über eine öffentliche Stellenausschreibung einen geeigneten Bewerber zu finden und der Verbandsversammlung vorzuschlagen. Die Verbandsräte wollen in einer eigenen Sitzung über die Bestellung des Ärztlichen Leiter Rettungsdienst entscheiden.

Der Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Rosenheim ist zuständig für die kreisfreie Stadt Rosenheim sowie die Landkreise Rosenheim und Miesbach.

Unser Foto oben (vorne von links) Miesbachs stellvertretenden Landrat Klaus Thumhuber, Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, Landrat Wolfgang Berthaler und Dr. Christian Pawlak – (hinten von links) der zukünftige stellvertretende Geschäftsführer Alfred Stockinger, der neue Geschäftsführer Stefan Forstmeier, Dr. Michael Riffelmacher, Geschäftsführer Ronald Zillmer und Dr. Michael Bayeff-Filloff.

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Ein Gedanke zu „„Rettungsdienst nicht mehr optimal“

  1. Ist ja toll, dass die Arbeitenden (Sanitäter, Notärzte, Feuerwehr usw.) mit an dem Tisch saßen, ach nein – ich Vergass, da saßen wieder Leute, die noch nie an einem Notfall vor Ort waren. Hauptsache, die Haare sind schön.

    Notdienst 12 Stunden, die Leute sind fertig und ausgelaugt und sind sie dann unter Umständen wirklich noch richtig einsatzbereit?

    Hier gehört Personal hin und nicht eine Stundenerhöhung der Dienstzeit. Nachdem in den sozialen Berufen bescheiden bezahlt wird, ist dort ein akuter Mangel, wie in allen sozialen Berufen. Aber nein, es wird wie immer gekürzt.

    Wenn ich das Foto sehe, fallen mir ganz andere Möglichkeiten zum Geldsparen ein.
    Hoffen wir nur, dass es nicht irgendwann zu einer größeren Katastrophe kommt.

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