Projekt in Wasserburg: Musik verbindet Kulturen

Trommel-Stunden im Clearing-Haus stoßen auf große Begeisterung

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P1000187_k„Dieses Zusammenkommen ist mir sehr wichtig. Vielleicht können wir den Burschen ein Stück Heimat zurückbringen“, sagt Marianna Beduhn, Klangtherapeutin. Die 53-jährige leitete jetzt zum wiederholten Male ein Trommelprojekt für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge im Wasserburger Clearing-Haus. Mit der Unterstützung ihrer Tochter Anna Gilnhammer, Erzieherin, und ihrer Freundin Brigitte Janson, Trommelbauerin, begeisterten sie die 15 Jugendlichen. Gemeinsam wurde eine Stunde lang gesungen, getanzt und getrommelt. An den leuchtenden Augen der Heranwachsenden war zu sehen: Sie konnten ihre Sorgen für kurze Zeit vergessen.

 

 

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Die Clearingstelle am Wasserburger Krankenhaus bietet momentan insgesamt 23 Plätze für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Die Aufnahme der jungen Flüchtlinge wird über die Jugendämter der Stadt und des Landkreises Rosenheim organisiert. Als Erstversorgungseinrichtung bietet die Clearingstelle für die Kinder und Jugendlichen einen Ort der Sicherheit und der Regeneration, nachdem sie den schwierigen Bedingungen des Herkunftsland entronnen sind und damit den traumatisierenden Erlebnissen einer oftmals jahrelangen Flucht.

„Clearing bedeutet in diesem Fall, dass die Jugendlichen gesundheitlich und psychologisch untersucht, und ihr Verhalten beobachtet wird“, erzählt Sabane Sesar-Fersch, Teamverbundsleiterin der Clearingstelle „Legoschlößl“ in Wasserburg. Die Buben lernen unter anderem mit ihrem neuen Alltag und den Gepflogenheiten in Deutschland umzugehen. Sie erhalten eine Grundversorgung und werden im Fach Deutsch unterrichtet. Nach zirka drei Monaten ist das Verfahren abgeschlossen und die Jugendlichen werden an eine Folgeeinrichtung der Jugendhilfe übergeben.

Mit dem Sing- und Trommelprojekt soll vor allem eines bewirkt werden: „Emotionen, Anspannung, Stress und traumatische Erfahrungen können nonverbal zum Ausdruck gebracht werden. Das kann sich befreiend auf das Allgemeinbefinden wirken“, so Bedhuhn. Das Projekt enthalte hauptsächlich Teile aus dem Bereich der Klangtherapie. Marianna Beduhn setzte beim vergangenen Treffen überwiegend Instrumente, wie beispielsweise indische Trommeln, ein Didgeridoo oder andere Klang-und Rhythmusinstrumente ein.

Das Trommeln sei vielen Burschen, die aus Eritrea, Somalia, Äthiopien, Afghanistan oder Syrien stammen, aus ihrer Heimat vertraut. Auch in der anderen Gruppe des Clearing-Hauses sei das Projekt auf große Begeisterung gestoßen: „Es war eine einladende, bewegende, mitreißende und kraftvolle Stimmung. Den ein oder anderen hält es nicht mehr auf seinem Platz, es wird getanzt, getrommelt, gerasselt, geklatscht und gesungen“, erzählt Irmengard Stockenreiter, Sozialpädagogin.

Immer wieder stimmten die drei Leiterinnen der Sing-und Trommelstunde Lieder an, bei denen die Jugendlichen sofort mit Eifer mitsangen. „Die Texte dieser Lieder sind kurz und einfach. Oft in afrikanischer, englischer, deutscher oder indischer Sprache gehalten“, erzählt Marianna.

In einer Vorstellungsrunde durfte jeder seinen Namen auf einen Zettel schreiben und kurz etwas über sich erzählen. Mit großer Anstrengung versuchten die Jugendlichen, ihre Deutsch-Kenntnisse unter Beweis zu stellen: „Ich bin jetzt glücklich“, sagte einer von ihnen. Auch Teamleiterin Sabane betont, wie gut dieses Projekt ankomme: „Musik verbindet einfach alle Kulturen. Für kurze Zeit vergessen unserer Jungs ihre Sorgen. Wir möchten das auf jeden Fall noch einmal machen.“ Die Begeisterung war danach noch in der Luft zu spüren.

Für die künftigen Trommelstunden sind Spenden im Rahmen von Rhythmusinstrumenten oder Trommeln herzlich willkommen. Die Instrumente können bei Marianna Bedhun (Telefon 08071/ 66 44) oder in der Clearingstelle abgegeben werden. ISA

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