Schnapsbrenna – seit 100 Jahr unsa Tradition

Oberübermoos: I bin da Franz - und do bin i gern dahoam

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Da guade Schnaps vom Hirschn-Franz - der is weit übers Land hinaus bekannt.

Da guade Schnaps vom Hirschn-Franz (73) – der is weit übers Land hinaus bekannt. Fotos: Renate Drax

Oberübermoos – Wann i vorbeikemma derf – frag i am Telefon. „Ja am besten morgen glei. Um sechse in da Friah – da geht’s scho los mim Schnapsbrennen. Kimmst einfach.“ Franz Huber, da Hirschn-Franz, wian olle nennan, is oana der gelassensten Menschen, de i kenn. So ruhig und besonnen, so spontan und unkompliziert – da gibt’s ned vui Menschen. Er strahlt a unglaubliche Rua aus a an diesem frühen Morgen in Oberübermoos – trotz sehr vui Arbeit, de vor eam liegt. Zum einen is da des Schnapsbrennen, des in da Familie seit nunmehr einhundert stolzen Jahren Tradition is. Zum anderen is da der Hof – guad der is jez vo de Feldl her verpacht, aba zum Doa is trotzdem no gnua. Und da is sei Ehrenamt als Mesner für die Pfarrei Pfaffing. Seit über 50 Jahr. „Mogst moi probiern – des is a 65prozentiger Obstler“, lacht mi da Franz o und streckt ma a Schnaps-Glaserl entgegen. De Uhrzeit? I glab, Sie woins ned wissen …

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Oberübermoos – des is sei Heimat, seit da Franz auf da Welt is. Woanders sei – des kona se ned vorstellen. Vui Häuser san ned da in der kloana Ortschaft bei Pfaffing, de vo da Attel abgrenzt werd sozusagen. Nur elfe sans insgesamt – und da zählt Unterübermoos ano dazua. Aba Gschichten hams und a große, sehr alte Kirche, de jedem Fremden sofort oans sagt: A in Übermoos is historisch ganz vui passiert. Gschichtsunterricht, den erleb i beim Franz sozusagen aus erster Hand.

De ooide Tür im Altarraum vo Übermoos - da des Loch in da Mittn - des warn de Schweden, ois de Kirch ausgraubt ham - sagt da Franz.

De oide Tür im Altarraum vo Übermoos. Da is des ausbesserte Loch in da Mittn – des warn de Schweden, ois sie de Kirch ausgraubt ham – sagt da Franz.

Wenn oana seit über 50 Jahr Mesner is vo da Pfarrei Pfaffing – dann fang ma doch am besten glei mit da Kirche an. Denn Sie werdn glei staunen – des Gotteshaus, des da Heiligen Margaretha geweiht is, is oans der ältesten Kirchen in ganz Bayern. De erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1030! Da damalige Bischof vo Freising schenkte die Kirche glei samt Ortschaft dem Kloster Weihenstephan vom Benediktiner-Orden.

Da Franz schliaßt extra für mi de Kirche auf und wia selbstverständlich deama uns beide am Fußabstreifer am Eingang de Schua abputzn. Auf da Nordseitn san koane Fenster – wega da Kälten, so hod ma früher baut. Und dann zoagta mir de oide erhaltene Tür im Altarraum. Sie hod a Loch in da Mitten ghabt, des ausbessert worn is. Da ham de Schweden einegschlogn, ois sie de Kirch vo Übermoos ausgraubt ham, erfahr i.

Des meiste Überlieferte, des stät in de Kirchenbücher. Zum Beispiel eben a des mit dem Verkauf an den Benediktiner-Orden. Wobei ma scho bei da ersten Sage warn, de se um Oberübermoos und Unterübermoos draht. Dem Franz is ois Kind – se warn fünf Gschwister dahoam – erzählt worn, dass immer in da Vollmondnacht a Mönch ausm Woid kimmt und über de Friedhofsmauer steigt – mitam schwarzen Gwand und zur Kirch gät. Ja, des hod eana scho zum Denga gem, vor allem ois Kinder, sagt da Franz. Oide Münzfunde wiederum san Wirklichkeit, de des Alter vo Übermoos a belegen. Da Nachbar, sagt da Franz, hod auf seim Feldl moi a Goldmünzn vo de Kelten gfundn.

Des is de Kirch vo Übermoos ausm jahr 1030! Da Turm is amoi obbrennt und in sich eigstürzt. Heid werd in der Kirch no oft geheiratet. Und jeden Montag um 8 Uhr morgens is a Messe.

Des is de Kirch vo Übermoos ausm Jahr 1030! Da Turm is amoi obbrennt und in sich eigstürzt. Heid werd in der Kirch no oft geheiratet. Und jeden Montag um 8 Uhr morgens is a Messe.

Ganz in da Nähe vo da Heiligen Margaretha – ach so, Sie woin wissen, warum eigentlich de Kirchenpatronin de Margaretha is? Ja, a dafür gibt’s a Erklärung. Da Franz moant, weil hinter der Kirch glei de Schlucht zur Attel is, deshoib is de Margaretha de Richtig – weil sie werd ja mit einem gebändigten Drachen dargestellt. Und vo da Schlucht vo Attel hod ja – vor tausend Jahr – a ois mögliche Ungetier aufakemma kenna. Da war sie einfach de beste Schutzpatronin, so jedenfois denganse des de Übermooser. Apropos Schlucht – oiso ganz in der Nähe is de Friedlgruft und da gibt’s de Sage: Zwoa Brüder – Hansen und Friedl – ham se um a Feldl gstritten. Und irgendwann is dann des Feldl vom Deife ghoit worn – soi hoaßn, es is einfach verschwunden – in sich zusammengesackt. Deshoib Friedlgruft. Vom Galgenberg erfahr i a no – da san friaher de Leit in Übermoos aufghängt worn, hoaßts in da Überlieferung. Jez is da Berg so eigwachsen, dass man nur kaum erkenna kon. Irgendwia bin i froh drum.

Koa Sage, sondern traurige Wirklichkeit war de schwere Kriegszeit. Da Papa war im Kriag und da Franz no a kloana Bua. A kloans Rehkitz hoda großzogn aufm Hof – gemeinsam mit seine Gschwister und Hansi hod der Rehbock ghoaßn. Doch eines Tages san de Amerikaner kemma und ham den Hansi am Hof einfach abgschossn. Da Franz sagt, da Opa hod dann mit dene umananda gstrittn – er auf boarisch und de auf englisch. Und a wenn da Opa nix vastandn hod – nach ewigem Hin und Her – hod da Opa den Rehbock wenigstens bhoitn derfa. Gab ja ned vui zum Essen in der schlechten Zeit. Immer wieder san versprengte deutsche Soldaten durch Oberübermoos kemma, erzählt da Franz. Und de ham se plötzlich de Hakenkreuz-Adler vo da Uniform grissn. Und sie ois Kinder ham dann de ganzen Adler gsammelt.

A Wanderschäfer kommt imma wieder moi vorbei in Oberübermoos - a wunderscheene Idylle in da Morgensonne.

A Wanderschäfer kommt jez imma wieda moi vorbei in Oberübermoos – a wunderscheene Idylle in da Morgensonne.

Und ois da Kriag no ned aus war, da kona se erinnern, san auf oamoi in Oberübermoos lauter kloane Kohlefetzen durch de Luft gwirbelt. Ganz schwarz war’s und ois bis zum Himme voi – aus seiner Kindersicht. De Erwachsenen ham gsagt, in München is des große Postamt zerbombt wordn und des san de ganzen Papierfetzerl vo de Briefe vo dort.

Warum da Franz da Hirschn-Franz is – na, na, ned wega dem Hansi, dem Rehbock. Vor ganz vui Jahr hod auf seim Hof a Familie Hirsch glebt – Hirsch-Weber hods ghoaßn, weil de a Weberei ghabt ham. Des Schnapsbrennen, des hod aba erst am Franz sei Großvater begonnen – vor etwa genau hundert Jahr. Und dann hods sei Papa, da Franz-Xaver, übernomma – und für eam, den kloana Franz, war scho immer klar gwesn, er macht des weida. So is bis heid. An Obstler gibt’s aus Äpfel und Birnen und an Zwetschgn-Schnaps. Und vo de Himbeeren und de Quittn an Likör. Ob’s bsondere Vorkommnisse scho amoi gem hod? Na, nur nachm Kriag, ois a paar Polen nach Oberübermoos kemma san und vom Opa mim auf eam zielenden Gwahr an Schnaps erpresst ham, sagt da Franz. Do – do hoda aba nachgem miasn, da Opa Josef…

Hier a paar Eindrücke aus Oberübermoos bei Pfaffing:

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Ein Gedanke zu „Schnapsbrenna – seit 100 Jahr unsa Tradition

  1. Gestern bin i mit meina Frau znachst vo Pfaffing auf Unterübermoos spaziern ganga. Sakrisch hoass wars. Da Schattn im Woid hot guat do und de Holztafal am Naturlehrpfad ham unsan Grips gfordat, so dass ma boid in Unterübermoos okumma san. D’Kiach mit‘m greislign Turm war desmoi aufgsparrt. Frisch restauriert zoagt si’s Innere. Hot uns gfoin. Schad, dass ma zweng da Alarmanlag net weita nach vorn kemma san. Hättn uns gern im achsenversetzten Chor unterm gotischen Gwölb den Hochaltar no genaua ogschaugt. S’nachste moi nemma ma an Zuawiziaga mit, damit ma d’Margaret aufm Tabernakel und ganz obm im Auszug no bessa siacht. Des Altarbuidl und de Figuren der hl. Sippe han von guata Qualität. Bei den Seitenaltären san uns znachst de Auszugsbuida aufgfoin, die Scholastika und ihr Bruder, a klare Aussag, dass da de Benediktiner mit rei‘gspuit ham (Weihenstephan bei Freising und/oder Rott am Inn). Letztere Vermutung bezieht si a auf de zwoa Assistenzfiguren am linken Seitenaltar: a Bischof und a Diakon. San des net die zwoa Patronatsheilign vo da Rotter Kiach, wo ma sagt, dass de Benediktiner de Reliquien vom Missionsbischof Marinus und seim Helfer, dem Diakon Anianus, aus Wilparting am Irschenberg g’stoin ham? Denn wia nehma o, dass Unterübermoos zumindest zeitweis vom Rotter Kloster betreut wurde. Im Schrein des Altares steht de schöne, fast lebensgroße, gekrönte Muttergottes mit Jesuskind und Zepter vor am Strahlenkranz.
    Da rechte Seitenaltar trägt die beiden barocken Johannes und den ursprünglich gotischen hl. Stephanus – perfekte Arbeiten!
    An da nördlichen Langhauswand hängt a interessante Kreuzigungsgruppe. Des Kruzifix is a barocke Arbat, de zwoa Figuren danebn san aba gotisch und barock überarbat. De Magdalena war nur vo da Seitn zum seh’n, dagegen zoagt si da depremierte Johannes in Eleganz.
    Intressiert hätt uns no, wos in dem Kastl is, des im Chor neba da Sakristeitür hängt. Nach am Vataunsa und am Marienlob san ma Richtung Schloss Hart weitaganga.
    Kurz vor Oberübermoos is rechterhand a Bamgruppm, darunter a Wegkreiz, a Schandfleck! Vollkommen verwachsen und davor a verrottender Haufn Rundholz, versperren den Zutritt.
    In Oberübermoos is auf da linkn Seitn a machtiger Obstgartn. Der ghört an Hirschn-Franz, is uns g’sagt worn. Des Obst braucht‘a für sein guatn Schnaps. Er is zugleich seit langer Zeit da Mesner vo Unterübermoos.
    D’Sunn hat furchtbar ababrennt und auf da Strass warn kaum Autos unterwegs, dafür a ganze Menge Radler. Eschlbach ham ma scho hinta uns lassn. Edling, Attl und Hart war scho zum sehng. So san ma an Staatsstrass Edling – Zellerreith, kurz vor Breitbrunn okumma. Da war mehr Verkehr. Desweng hot d‘Frau dann gstreikt, so dass ma umkeht han. An der Unterübermooser Kirch san ma zur Attel obi g‘stiegn. Nach dem Attel-Steg zeigte sich der angekündigte Brotzeitplatz, die Pause im Schatten stärkte uns. Der batzige Hohlweg führt zur Hochuferkante. Die heftigen Regengüsse der vergangenen Wochen beschleunigten das Wachstum, so dass wir zwischen fast mannshohem Gras bei fehlender Wegmarkierung den Ort Steinhart erreichten. Eine freundliche Familie dort reichte uns erfrischendes Wasser – das tat gut! Nach einer viertel Stunde erreichten wir unseren Ausgangsort Pfaffing. Mit einem weiteren Stück Erfahrung Heimatgeschichte und –schönheit starten wir nach Hause.

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