Notfallplan: Realschul-Halle vor Gymnasium

Wasserburger Sportstätte wohl in Kürze an der Reihe - Landrat zum Thema Asyl

image_pdfimage_print

landrat-887x900Es ist eine schwierige Zeit, sagt der Landrat zum Thema Asyl heute zusammenfassend. Man stoße an die Grenzen. Seit Stunden schon beraten heute alle Bürgermeister des Landkreises Rosenheim im Landratsamt zum Thema Asyl. Eine Krisensitzung. Und Landrat Wolfgang Berthaler schob mittags noch eine Pressekonferenz rein. Er gab bekannt, dass im Rahmen des Notfallplans – in Kürze wohl – die Realschul-Turnhalle in Wasserburg mit 120 Flüchtlingen belegt werde, und nicht zuerst die Turnhalle des Wasserburger Gymnasiums. Es gebe keinen Zeitplan, weil man nicht wisse, wann und vor allem wieviele Menschen kurzfristig untergebracht werden müssen. Für 400 Flüchtlinge habe man jetzt zudem sicher Container in Aussicht, die in folgender Reihenfolge in den nächsten Wochen bis zum Jahresende aufgestellt und bezogen werden …

Vorrang vor gemeindlichen Turnhallen haben alle landkreiseigenen Sportstätten:

Nach der erneuten Belegung der Gymnasiums-Turnhalle in Raubling, der Belegung in Bad Aibling stehe nun in diesen Tagen die Belegung der Gymnasiums-Turnhalle Prien mit 170 Flüchtlingen an sowie die Belegung der Tennishalle in Feldkirchen (wir berichteten). Wasserburg folge als nächstes.

Wichtig sei derzeit nicht, wo die Kinder ihren Sportunterricht haben, so der Landrat – da würden die Schulen und Lehrer sicher fündig – draußen sporteln, schwimmen gehen in der Halle und so weiter – wichtig sei derzeit nur, wie die ankommenden Flüchtlinge einigermaßen menschenwürdig untergebracht werden können.

Auch an Bierzelte werde bereits gedacht – und hier vor allem an Bad Feilnbach nach dem Apfelmarkt. Die Zelte vom Rosenheimer Herbstfest erwähnte Landrat Berthaler heute nicht. Die Stadt Rosenheim habe ohnehin schnell reagiert und die Unterbringung von 1000 Menschen gesichert – wie berichtet durch die Luitpoldhalle (die Betten sind schon aufgebaut) und Zelte.

Von der Menschenwürde her können Hallen und Zelte nur Übergangslösungen sein, so der Landrat weiter.

Ein großes Problem sei, dass es kaum noch verfügbare Sicherheitsdienst-Kräfte gebe oder Catering-Services.

Ohne die zahlreichen freiwlligen Helfer könne es überhaupt nicht mehr gehen. Der Landrat drückte seine große Dankbarkeit aus.

Zur Container-Aufstellung – in Modulbauweise und immer für 48 Menschen pro Wohnpavillon – sagte der Landrat das:

Als Allererstes werde in Bad Aibling aufgestellt – und zwar als Phase 1, es folgen dort Container 2 und 3. Insgesamt sei dort Platz für 144 Menschen.

Dann folgen laut Landrat Berthaler von heute voraussichtlich Wasserburg/Reitmehring (ein Modul – 48 Flüchtlinge), Raubling (96 Flüchtlinge) sowie Edling (ein Modul – 48 Flüchtlinge) und Forsting (ein Modul – 48 Flüchtlinge).

Der Zeitraum könne sich bis Dezember ziehen, so Berthaler.

Der Hauptpunkt in allen Diskussionen seien die Unterkünfte. Personell stoße das Landratsamt komplett an seine Grenzen derzeit – der Arbeitsaufwand sei immens. In den Bereichen Ausland, Jugend, Bund, Schule, Gesundheitsamt müsse er sagen, dass das Personal eigentlich nicht mehr ausreiche seit Wochen. Man halte Löcher zu und reiße andere Löcher auf …

Fakt sei aber, dass der Landkreis Rosenheim eigentlich bis Ende August schon hätte 1974 Flüchtlinge fest aufnehmen müssen, er hat aber nur 1723 Menschen aufgenommen. Das sei hinter dem Landkreis Ebersberg die zweitschlechteste Quote in Oberbayern.

Es gehe nun darum, wöchentlich – und die Betonung liege auf jede Woche – 100 Menschen im Landkreis dauerhaft unterzubringen. Er sei gerade heute dabei in der parallel verlaufenden Versammlung, als Landrat alle Bürgermeister dafür zu sensibilisieren – und hier liege die Betonung auf alle! Es gehe nur miteinander. Es sei ein Kraftakt für den Landkreis.

Auch über den Einsatz von Soldaten werde nachgedacht.

Berthaler machte kein Hehl daraus, dass seiner Ansicht nach in der Bundespolitik erst jetzt alle wachgerüttelt worden seien. Nur Bayern und Nordrhein-Westfalen würden derzeit ihre Quoten erfüllen. Es könne Rosenheim als Grenzbereich bald ähnlich gehen, wie jetzt Freilassing, da die Flüchtlinge nun über Kroatien Kufstein erreichen.

Auf die Frage nach dem Engagement der Kirche in der Flüchtlingsthematik sagte Landrat Berthaler, er habe sich gefreut, als der Papst und auch Kardinal Marx dazu aufgerufen haben, jede Pfarrei solle mithelfen, Flüchtlinge aufnehmen und willkommen heißen. Denn der Weg – er gehe nur gemeinsam!

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.