Museum Wasserburg: Ausstellung im Rathaus

Holzspielzeug nach Entwürfen von August und Otto Geigenberger zu sehen

image_pdfimage_print

Kegelspiel PR_kAb Freitag, 13. Juni, werden im Rathaus der Stadt Wasserburg einige hölzerne Spielsachen ausgestellt, die der Bildhauer und Restaurator Andreas Kelling angefertigt hat. Unter ihnen befindet sich ein Kegelspiel bestehend aus neun Kegeln und einer Kugel. Jeder der aus einem Holzstück gedrechselten Kegel stellt durch seine bunte Bemalung einen ehrbaren Berufsstand dar. Durch die Überzeichnung der Gesichtsausdrücke werden zum Beispiel der grimmige Schankwirt oder der ratlose König aufs Korn genommen. Durch einen kräftigen Wurf mit der Kugel können alle Berufsstände zu Fall gebracht werden.

 

 

 

Andreas Kelling fertigte das Kegelspiel und weiteres Holzspielzeug zwischen 2012 und 2013 für die Stadt Wasserburg an. Er verwendete dafür Entwürfe der Brüder August (*Wasserburg/Inn, 16.6.1875, +München, 5.3.1909) und Otto Geigenberger (*Wasserburg/Inn, 6.6.1881, +Ulm, 6.7.1946).

 

Die Brüder Geigenberger betrieben nach ihrem Studium an der Kunstgewerbeschule in München gemeinsam eine kunstgewerbliche Werkstätte in Wasserburg. In vielen ihrer Entwürfe für Spielsachen bezogen sie sich auf ihre Heimatstadt. Da sich die Originale der Spielsachen im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg befinden, beschloss Andreas Kelling, einige von ihnen durch Nachbildungen an ihrem Entstehungsort präsent zu machen. Die Nachbildungen wurden von Bürgermeister Michael Kölbl für die Stadt Wasserburg angekauft.

 

Über einen gut erkennbaren Bezug zur Stadt Wasserburg verfügt ein aus mehreren Holzstücken gearbeiteter Palast. Als Vorbild diente ein Entwurf von August und Otto Geigenberger für eine komplette Ritterburg aus dem Jahr 1903. Für die Nachbildung wurden in eines der Hauptgebäude der Burg wichtige Elemente anderer Gebäude integriert. Auf diese Weise entstand ein eigenständiger Palast mit vielen verschiedenartigen Türmchen, Fenstern und Erkern. Der mit roter Farbe auf die beige Fassade des Palastes gemalte Wasserburger Löwe und der treppenförmige Dachfirst verweisen auf das Wasserburger Schloss. Die Landschaft um das Schloss herum ist durch unterschiedlich geformte, mit grüner, brauner, gelber, schwarzer und weißer Farbe bemalte Bäume dargestellt.

 

Insbesondere August Geigenberger verwirklichte sich als Künstler durch seine Entwürfe für Holzspielzeug. In seinen vollplastischen Figuren versuchte er, die natürliche Gestalt der dargestellten Lebewesen in geometrische Grundformen zu zerlegen. Die aus einem U-förmigen Segment entwickelten Gliedmaßen sind dabei ein typisches Merkmal für seine Spielzeugfiguren.

 

Diese Merkmale sind besonders deutlich an den Nachbildungen eines 1904 entworfenen Pfaus und eines zwischen 1905 und 1906 entworfenen Hundes erkennbar. Beide Tiere sind aus mehreren Holzstücken gearbeitet und verfügen über Räder an den Beinen. Auch die Bemalung der Tiere ist auf wenige Hauptmerkmale reduziert. So ist beispielsweise der Hund hauptsächlich mit schwarzer und brauner Farbe bemalt ist. Das farbenprächtige Federkleid des Pfaus ist lediglich durch eine gelbe Musterung auf grünen Grund dargestellt, die Formmerkmale des Jugendstils aufweist.

 

August Geigenberger konnte bereits zu seinen Lebzeiten vom Erfolg seiner Arbeiten profitieren. Im Jahr 1903 reichte er zahlreiche Entwürfe für Spielsachen beim Holzspielzeug-Designwettbewerb des Bayerischen Gewerbemuseums in Nürnberg ein. Mit dem ersten und zweiten Preis prämiert, ging er als erfolgreichster Künstler aus dem Wettbewerb hervor. Unter anderem wurde der Entwurf für das Kegelspiel und die Entwürfe für ein Milchmädchen und einen Rennfahrer bei dem Wettbewerb eingereicht.

Das Milchmädchen und der Rennfahren befinden sich ebenfalls unter den in Wasserburg vorhandenen Nachbildungen. Auch diese beiden Figuren zeichnen sich durch ihre u-förmigen Arme und die starke Betonung ihrer geometrischen Grundformen aus. Im Gesicht des komplett in schwarz gehaltenen Rennfahrers stechen die weiß gemalten, kreisrunden Gläser seiner Brille hervor. In den kugelförmigen Kopf des Milchmädchens ist ein gutmütiges Gesicht mit roten Wagen gearbeitet.

 

Neben den an dieser Stelle kurz beschriebenen Figuren sind ein Ziegenbock, ein Geflügeltransport, drei Soldaten und fünf Mädchenfiguren im Rathaus der Stadt Wasserburg ausgestellt. Aus Platzgründen können nicht alle Nachbildungen dort gezeigt werden. Die übrigen Figuren befinden sich im Städtischen Museum, welches für die Betreuung aller Nachbildungen zuständig ist. Alle Spielsachen wurden im Städtischen Museum als Objekte aufgenommen und inventarisiert.

 

Kegelspiel PR

Andreas Kelling: Kegelspiel nach Entwurf von August oder Otto Geigenberger (1903). Holz, gedrechselt, bemalt. Zwischen 2012 und 2013. Inv.-Nr.: 11678 a-j, Museum Wasserburg.

 

 

Milchmädchen PRRechts: Milchmädchen nach Entwurf von August Geigenberger (1903). Holz, geschnitzt, gedrechselt, montiert, bemalt. Zwischen 2012 und 2013. Inv.-Nr.: 11661, Museum Wasserburg

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.