Mitten in der politischen Wirklichkeit

150 Jugendliche aus dem Landkreis begeistern Kommunalpolitiker mit ihren Ideen

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myvision15 2Wer glaubt, er wüsste, was sich Jugendliche heutzutage so wünschen, der kann ganz schön irren. Generationsübergreifendes Wohnen beispielsweise stünde wohl nicht auf der Liste. Tatsächlich ist es eine von vielen Ideen, die rund 150 Jugendliche aus dem gesamten Landkreis Rosenheim Landrat Wolfgang Berthaler sowie etlichen Bürgermeistern und Jugendbeauftragten aus den Gemeinden präsentierten.

 

Unter dem Motto „#myvision15“ hatten sich die jungen Leute auf Einladung der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Rosenheim im Schulsportzentrum in Brannenburg getroffen, um drei Tage lang an ihren Ideen zu einer besseren Gestaltung ihrer Lebensräume zu arbeiten. Ihre Aufgabe war es, nicht nur Wünsche zu äußern, sondern konkrete Projektideen zu entwickeln. Ihre erste Bewährungsprobe erlebten sie dann, als sie ihre Vorstellungen dem Landrat, den Bürgermeistern und den Jugendbeauftragten vorstellten.

Offenbar hinterließen sie einen guten Eindruck, denn Landrat Berthaler forderte die Jugendlichen im Anschluss auf, sich in der Kommunalpolitik einzubringen: Gestaltet eure Lebensbedingungen mit. Ähnlich äußerte sich Höslwangs Bürgermeister Josef Eisner, ihr rennt bei uns offene Türen ein. Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl meinte, macht weiter so, dann fehlt es in unserer Gesellschaft an nichts. Sebastian Gasteiger, der Jugendbeauftragte Bad Feilnbachs lobte, ihr sind mitten in der politischen Wirklichkeit. Raublings Bürgermeister Olaf Kalsperger erinnerte sich an seine Jugendzeit. Jugend denkt leichter, sagte er, weil es den zweiten Gedanken „das geht gar nicht“, nicht gibt.

Für den ehemaligen Schulleiter und amtierenden 2. Bürgermeister von Feldkirchen-Westerham, Günther Rutz, war es eine große Freude, das Interesse der jungen Menschen an ihrer Zukunft zu sehen. Engelbert Wolf, 2. Bürgermeister aus Bruckmühl, legte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ans Herz, auf die Gemeindevertreter zuzugehen. Und Bernaus Bürgermeister Philipp Bernhofer lobte abschließend die gelungene Teamarbeit.

Die beiden am häufigsten bearbeiteten Themen waren „Schule“ und „Asyl“. Asylanten sind auch nur Menschen, stand auf einem Plakat und dazu viele Ideen zur Integration. Sie reichten vom Deutschunterricht und der Einweisung in unsere Sitten über ein Konzept für eine Flüchtlingswerkstatt, einem Tag der Kulturen, regelmäßige Treffen bis hin zu Schwimmkursen. Gegenseite Vorurteile können nur durch Kennenlernen abgebaut werden, waren sich die Jugendlichen sicher.

Es war wohl den hohen Temperaturen der vergangenen Wochen geschuldet, dass sich die Jugendlichen Ventilatoren und Klimaanlagen in den Schulen wünschten. Dazu fröhliche Farben, Schwimmunterricht, eine Sportplatznutzung in der Pause und außerhalb der Schulzeiten, moderne und funktionsfähige Technik, Ersatz für die alten Schulbücher oder bequeme Stühle. Eine Diskussion über Schuluniformen würde nicht gescheut und im Übrigen wären nette, anständige und coole Lehrer auch nicht schlecht.

Mit dem Thema Glasfaserausbau und schnelles Internet beschäftigten sich drei junge Männer. Sie informierten sich und fanden heraus, dass eine Gemeinde, die den wirtschaftlichen Verlust ihres örtlichen Netzbetreibers ausgleicht, staatliche Förderung erhält. Ein anderes technisches Projekt betraf die so genannten „Infoscreens“. Das sind bedienbare Monitore, die vor allem in Bahnhöfen und an Haltestellen zum Ausdrucken von Fahrkarten genutzt werden. Den Jugendlichen schwebt vor, sie umfassender zu nutzen, beispielsweise zur Information von Touristen oder zur Weitergabe von gemeindlichen Nachrichten, auch und vor allem an junge Menschen.

 

Weitere Projektvorschläge waren ein schulübergreifender Spendenlauf für ein Tierheim, ein Grillplatz an der Mangfall, ein Internetcafe in Bruckmühl als Treffpunkt der Jugend, ein Jugendtreff mit Workshopraum, Chillarea und Gemeinschaftsraum in Tuntenhausen, ein Party-Projekt für die kleineren Orte, billigere Schülertickets in Bussen und Bahnen, keine Strafen in Höhe von 60 Euro und mehr bei Vergessen der Fahrkarte, mehr jugendgemäße Ausstattung an Badeseen und in Freibädern oder eine Gemeindejugendkammer als demokratisches offenes Jugendgremium für 13- bis 21-jährige.

 

Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, welche Projekte die Jugendlichen umsetzen werden. Zur Seite stehen ihnen dabei die jeweiligen Jugendbeauftragten der Gemeinden, Hauptamtliche aus der Offenen Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit an Schulen, Lehrer und nicht zuletzt die Organisatorin aus der Kommunalen Jugendarbeit, Karola Kellner. Im vergangenen Jahr, bei „#myvision14“, an dem Jugendliche aus dem Inntal diesseits und jenseits der bayerisch-tirolerischen Grenze teilnahmen, wurden immerhin neun von 12 angedachten Projekten Wirklichkeit.

Moderator Erik Flügge aus Köln postete nach der Konferenz auf Facebook: „Zum zweiten Mal geht die coolste Jugendbeteiligungskonferenz der Republik zu Ende!“ – er muss es ja wissen.

 

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