Mitreißender Vortrag gegen das Vergessen

Dr. Leon Weintraub, ein Überlebender des Holocaust, sprach am Gymnasium Wasserburg

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Rink_k„Sie werden sich jetzt fragen, warum macht er das eigentlich? Ich könnte ja auch einfach über Ihre wunderschöne Stadt Wasserburg sprechen. Ich rede über den Holocaust aus Verantwortung für meine gestorbenen Familienmitglieder, für alle, die dem Nazi-Regime zum Opfer gefallen sind und nicht überlebt haben, so wie ich.“ Dr. Leon Weintraub sprach am Freitag am Luitpold-Gymnasium über die Verfolgung durch die Nazis, seine Zeit im Ghetto im polnischen Lódz und sein Überleben im Vernichtungslager Auschwitz. Mit seinen Ausführunegn zog er die Zuhörer in seinen Bann.

Begrüßt und kurz vorgestellt wurde Weintraub von Direktor Peter Rink, der es sich nicht hatte nehmen lassen, den 89-jährigen Gast persönlich in München abzuholen. Als fünftes Kind einer jüdischen Familie in Lódz wuchs Weintraub mit seiner Mutter und vier Schwestern in armen Verhältnissen auf. Sein Vater starb bereits 1927. Den Einmarsch der Wehrmacht in Polen erlebte der damals 13-jährige als „unüberwindliche Walze von Wehrmachtssoldaten“.

Die Familie wurde in das Ghetto Litzmannstadt, wie Lódz unter der Nazi-Diktatur hieß, umgesiedelt. Um zu überleben, arbeitete Weintraub in der Galvanisation einer Fabrik. Bis das Ghetto geräumt wurde überlebte die Familie gemeinsam die Kriegsjahre. 1944 folgte dann die Deportation ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Dort wurde die Familie getrennt und ab da „war man kein Menschenwesen mehr, man war ein Einwesartikel“, so Weintraub, der wie alle Deportierten alle persönlichen Dinge im KZ abgeben musste. „Man beraubte uns unsere Persönlichkeit. Dass ich ich bin, kann ich heute nur durch Zeugenaussagen belegen. Alles andere, meine ganze Geschichte, hat man mir in Auschwitz genommen.“

Völlig ausgehungert und eigentlich für den „Tod durch Vergasung“ vorgesehen, entkam der KZ-Häftling nur durch einen Zufall. Als ein Gefangenentransport das Lager verlassen sollte, mischte sich Weintraub kurzentschlossen unter die Häftlinge und entging damit seinem Schicksal. Über verschiedene Konzentrationslager brachte ihn seine Irrfahrt schließlich in die Nähe des Bodensees. Bei einem weiteren Transport mit der Bahn konnte er sich mit einigen Mithäftlingen bei einem Bombenangriff in den Wald absetzen und verstecken. Nach einem Nachtmarsch durch ihm völlig unbekanntes Gebiet ergaben sie sich schließlich am 23.April 1945 der französischen Armee in dem mittlerweile befreiten Donaueschingen. Zu diesem Zeitpunkt wog er nur noch 35 Kilogramm und litt an Typhus. Von seiner Familie überlebten nur drei Sseiner chwestern.

Am Ende des bewegenden Vortrags eines außergewöhnlichen Mannes ermahnte er die Schülerinnen und Schüler, sich nicht der Fremdenfeindlichkeit gegenüber anderen hinzugeben. „Unter der Haut – welche Farbe sie auch haben mag – sind alle Menschen gleich“, schloss er seinen Vortrag und erntete großen Beifall. Andreas Weber

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