Mit Sport gegen Aggressionen

Ursachen und Prävention von Gewalt bei Jugendlichen - Schüler im Fit&Fun informiert

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Warum steigt die Anzahl von Mobbing-Opfern noch immer radikal an? Das war eine der Fragen, denen Dr. med. Ludwig Vincent Geiger (unser Foto) in seiner Präsentation in der Wasserburger Fit&Fun-Halle nachging. Er klärte Schüler aus insgesamt neun Klassen der Mittel- und Realschule Wasserburg über die Ursachen von Gwaltbereitschaft oder Aggressionen auf. Gleichzeitig stellte er sein neues Buch „Abenteuer Gehirn – wie es uns stark macht“ vor. Ziel war es, das Bewusstsein der etwa 150 Sechst- bis Achtklässler in Bezug auf Gewaltsensibilität zu schärfen, ihnen einen Einblick in die Funktionen des menschlichen Gehirns aufzuzeigen und den Zusammenhang zwischen Lernprozessen, äußeren Einflüssen und Bereitschaft zu brutalen Handlungen zu verdeutlichen …

Schockierende Statistiken
Laut Geiger haben etwa sechs bis sieben Prozent der Jugendlichen in Deutschland mit schweren Aggressions- und Verhaltensstörungen zu kämpfen. Besonders junge Burschen würden sich in der Pubertät vermehrt gewaltbereit zeigen, was mit dem männlichen Sexualhormon Testosteron in Verbindung stehe, so der Referent gegenüber den Jugendlichen.
Mobbingfälle seien mittlerweile an der Tagesordnung in Schulen – durch Smartphones und Online-Zugang wird den Tätern noch günstig in die Hände gespielt – sogenanntes „Bullying“ im Internet sorge dafür, dass sich die Opfer nicht einmal mehr zu Hause vor Ausgrenzung und Hänseleien sicher fühlen können.
DSC_0315Auch die Zahlen von Vergewaltigungsfällen seien auf der ganzen Welt erschreckend, die Dunkelziffer werde sogar noch höher vermutet. Viele dieser Missbrauchs- und Mobbingfälle resultieren dann später -laut Geiger – in drastischen Maßnahmen der Geschädigten: Die Gewalt gegen sich selbst.

Vor allem Mädchen würden eher zu Rasierklingen oder Skalpellen greifen, die Schuld bei sich suchen und anfangen, sich zu ritzen. Schlimmer noch: Jeden zweiten Tag nehme sich ein deutscher Jugendlicher das Leben, so Geiger.

„Die Ursachen liegen auf der Hand“
„Zwischen jugendlichen Tätern sind häufig eindeutige Parallelen zu erkennen“, erklärte der Redner. Zerrüttete Familien, die Kultivierung von Gewalt im Gruppenverband und der unkontrollierbare Zugriff auf Gewalt-verherrlichende Medien im Internet durch Smartphones seien nur einige Gründe für die erhöhte Gewaltbereitschaft der Jugend. Besonders warnte Geiger vor Drogenkonsum: Abschreckende Bilder von „Christal-Meth“-Abhängigen und Statistiken über den Abbau von Gehirnzellen bei Cannabismissbrauch oder sogenannten „Legal Highs“ sollen den Teenagern zeigen, wie schädlich das Einnehmen psychoaktiver Substanzen sein kann.

Der Mediziner mahnt: „Je mehr ich meinem Gehirn schade, desto niedriger wird meine Hemmschwelle im Bezug auf Brutalität. Täter agieren dann willkürlich und reuelos.“
Als weitere Ursache für die dramatischen Zahlen nannte Geiger Ego-Shooter-Spiele am PC: „Bei diesen Spielen schlüpft der Protagonist selbst in die Rolle von Soldaten oder Mördern, das brutale Töten von virtuellen Menschen gibt Punkte und wird somit sogar belohnt!“ Laut Referent führe der regelmäßig wiederholte Konsum solcher Formate dazu, dass die Bereitschaft, jemandem Schmerzen zuzufügen oder gar das Leben zu nehmen, enorm steige.

„Ego-Shooter sind out – Sport ist in!“
Um gegen die steigende Gewaltbereitschaft der Deutschen Jugend vorzugehen, zeigt Geiger zum Ende des Vortrags mehrere vorbeugende Maßnahmen auf. Sport als Ventil für im Alltag angestaute Aggression betont er hierbei besonders. „Selbst bei Kampfsportarten wie Karate müssen sich die Teilnehmer an gewisse Regeln halten, Trainer fungieren als Bezugspersonen für Heranwachsende und durch Teamsport werden Zusammengehörigkeitsgefühle und Empathie gestärkt.

Ein Workout, bei dem man Frustration abbauen und auch mal laut sein kann, ist die beste Maßnahme gegen Gewalt. Ego-Shooter sind out, Sport ist in!“, so der Sportmediziner.
Die Verabschiedung von herkömmlichen wissenschaftlichen Therapiekonzepten in der Erziehung sei Geigers Meinung nach ebenfalls nicht außer Acht zu lassen: „Methoden wie „nur loben oder schimpfen“ und die Ursache ausschließlich in genetischen und sozialen Faktoren zu suchen, ist der falsche Weg.“

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Hierbei  wies er auf sein neues Buch „Abenteuer Gehirn – wie es uns stark macht“ hin. Der Mittelpunkt der Geschichte, das „große Gehirn“, funktioniert hierbei als Transportmedium. Erklärt wird das Zusammenarbeiten von Milliarden von Gehirnzellen, der Sitz verschiedener Gefühlsebenen und der Bezug körpereigener Prozesse auf Entscheidungen und Handlungen der Menschen.

Hiermit wendet er sich auch an Eltern und Pädagogen: „Den Kindern und Jugendlichen Perspektiven und emotionale Zuwendung zu bieten, sie ausreichend aufzuklären, mental zu stärken und ihnen alternative Verhaltensweisen und Ventile aufzuzeigen, ist die Grundlage für einen erfolgreichen Kampf gegen die Gewalt.“

DSC_0321 (2)Zum Referenten:
„Wissen ist Macht, nur wer die Möglichkeiten seines Gehirns kennt, kann sich vor dessen Fehlleistungen schützen und seine Leistungsfähigkeit nutzen.“, unter diesem Motto veröffentlichte Dr. med. Ludwig Vincent Geiger sein Buch „Abenteuer Gehirn – wie es uns starkt macht“. Nach umfangreichen Studien unter Anderem in der Allgemeinmedizin, Sportmedizin und Psychotherapie war Geiger jahrzehntelang als Teamarzt von Skiverbänden, Formel-Eins-Fahrern und einer der renommiertesten Vertragsärzte des Olympiastützpunktes tätig. Seit Jahren gibt er sich nun seiner Karriere als Autor von Handbüchern oder Lektüre wie „Kunst der Bewegung – so funktioniert der Körper“ hin und reist als Referent zu Vortragsthemen wie Gewaltprävention und Gesundheitssport durchs Land.

Mehr Infos zum Referent unter http://www.luk-geiger.de/

HF

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