Mit dem Polizeichef auf Streife

Straßenpatrouille auf dem Wasserburger Weinfest: Wir waren live dabei!

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Weinfest2016-7-von-29Das Wasserburger Weinfest: Sommerlich-warmes Wetter bis spät in die Nacht, verkürzte Sperrzeiten und tausende Besucher. Damit sich die in der Altstadt versammelten Festgäste auf der Veranstaltung sicher fühlen, ist die Präsenz der Polizei unabdingbar. Wir wollten herausfinden, was die „Freunde und Helfer“ auf einer Fußstreife alles erleben und haben uns an die Fersen der Polizeibeamten geheftet  …

Samstag, 19.30 Uhr, das Weinfest startet in seine heiße Phase. Auf der Polizeiinspektion findet zunächst eine Einsatzbesprechung der diensthabenden Polizeibeamten statt. Wasserburgs neuer Polizeichef Markus Steinmaßl erklärt die Lage: „Erwartet werden bis zu 3000 Besucher. Durch die bis 5 Uhr verlängerte Sperrzeit kann es natürlich zu erhöhtem Alkoholkonsum kommen. Dann sind Konfrontationen nicht ausgeschlossen.“ Uns erklärt Steinmaßl: „In erster Linie möchten wir Präsenz zeigen und ein Sicherheitsgefühl vermitteln.“  Aus diesem Grund seien ihm besonders die auffälligen Warnwesten wichtig: „Die Beamten sollen auch gesehen werden.“

Nach der Besprechung geht’s mitten hinein in den Einsatz: Teams für die Streifen und für den Innendienst werden gebildet, danach legen die Polizisten ihre Ausrüstung an. Mit leuchtenden Warnwesten und Funkgeräten ausgestattet geht es los in die Straßen und Gassen der Altstadt.

Gleich um 20 Uhr gibt’s den ersten Alarm für die Fußstreifen: Ein Besucher soll einen Herzinfarkt erlitten haben. Die Einsatzkräfte und die Retter vom Bayerischen Roten Kreuz sowie zwei Ordnungshüter sind sofort zur Stelle. „Das BRK ist fest in der Altstadt stationiert, um sofort einsatzbereit zu sein. Wir pflegen eine enge Zusammenarbeit. Bei einem Fall wie diesem ist es natürlich wichtig, dass sich die Rettungskräfte um den Patienten kümmern – wir kommen dazu, um abzuklären, ob es sich bei der Verletzung vielleicht sogar um Fremdverschulden handelt“, erklärt der Polizeichef. Für die Polizei und den Patienten gibt es an diesem Abend Entwarnung: Es handelt sich zum Glück nicht um einen Herzinfarkt, sondern ’nur‘ um einen Kreislaufzusammenbruch – wohl bedingt durch das warme Wetter.

Auf den Straßen werden die Polizeibeamten immer wieder von Passanten gegrüßt oder angesprochen. „Und das ist auch gut so. Wir möchten den Bürgern vermitteln, dass wir zu ihrer Sicherheit da sind. Wir haben oftmals den Ruf, nur fürs Einsperren da zu sein. Das möchten wir besonders auch im Rahmen unserer Jugendarbeit ändern“, erläutert Sebastian Kückel. Er ist für die Kinder- und Jugendarbeit der Wasserburger Inspektion zuständig. Vor allem präventive Aktionen wie Präsentationen und Vorträge in Kindergärten und Schulen gehören zu seinen Aufgaben.

Polizeichef Steinmaßl, der im Frühjahr von Waldkraiburg nach Wasserburg wechselte, ist vom familiären Flair der Stadt begeistert. „Dadurch, dass wir uns viel unter die Bürger mischen, lernt man schnell Leute kennen. In Waldkraiburg kannte ich am Ende sogar mehr Menschen beim Namen, als in meiner Heimatstadt Ebersberg“, so Steinmaßl. Ihm sei der Kontakt zu den zwölf Gemeinden, für die er zuständig ist, äußerst wichtig. Auch die harmonische Atmosphäre zwischen den Besuchern und die liebevolle Dekoration findet er ansprechend: „Nächstes Jahr komme ich privat her“, lacht er.

Doch nicht nur Bürgernähe, Gespräche mit neugierigen Kindern und den Kollegen vom „Jahn“-Sicherheitsdienst zählen zu den Aufgaben auf dem Weinfest: Bereits um 21 Uhr erfordert der nächste Alarm körperlichen Einsatz. Die Beamten müssen bis zum Parkhaus an der Kellerstraße rennen, um dort zwei Autos anzuhalten. Der Funkspruch hatte die Fußstreife darüber informiert, dass sich diese – laut Augenzeugen – ein Rennen in der Nähe des McDonald’s an der Bernd-Motzkus-Straße geliefert hätten und nun auf dem Weg in die Stadt wären. Tatsächlich können die beiden Fahrzeuge von den Beamten gestellt und den Kollegen übergeben werden. „Ein Auto zu Fuß zu stellen, das passiert auch nicht alle Tage“, schnauft Steinmaßl und atmet erstmal tief durch.

Auf dem Weg zurück in die Stadt werden Scherben auf der Straße beiseite geräumt, mit Kleinkindern gescherzt und einfach nur Präsenz gezeigt. Dabei lobt Kückel den Einsatz seines neuen Chefs: „Er sucht die Nähe zu seinen Kollegen sowie zu den Bürgern. Nicht in jeder Dienststelle ist es der Fall, dass der Inspektionschef der Wache überhaupt auf die Straßen geht. Wir können uns auf direkte Unterstützung von ihm verlassen, er ist immer live dabei“. Die Idee, eine Sicherheitswacht für die Altstadt einzurichten, sei für ihn deshalb nur nahe liegend, sagt Steinmaßl. Er wolle herausfinden, was man so einer Wacht zumuten könne und möchte sich deshalb selbst ein Bild des Wasserburger Nachtlebens machen.

Nur kurze Zeit nach dem Spurt zum Parkhaus Kellerstraße passieren die beiden Beamten bei ihrem Rundgang über den Inndamm eine Gruppe Jugendlicher am so genannten „Boot“. Nach einer routinemäßigen Ausweiskontrolle benennen die Beamten einen Verantwortlichen für die kleine Versammlung. „Damit möchten wir hier niemandem auf den Schlips treten. Wir sind grundsätzlich nur um die Sauberkeit der öffentlichen Plätze besorgt. Indem wir einem Jugendlichen die Verantwortung übergeben, wird die Gruppe vermutlich zusammenhalten und den Platz nach ihrer Feier säubern“, erklären die Polizisten.

Wasserburg gegen 22 Uhr: Die erste positive Bilanz kann für den Abend beim Weinfest gezogen werden. In den Gassen scheint alles ruhig und friedlich. Es sind weniger Besucher unterwegs als gedacht, und überall scheint die Stimmung herrlich ausgelassen, aber absolut einträchtig zu sein. Immer wieder werden die Beamten auf ihre gute Erkennbarkeit angesprochen und dafür auch gelobt. Aber wäre es dann nicht allgemein sinnvoll, die Tarnfarbe Grün durch Blau zu ersetzen, wie andere Bundesländer dies längst getan haben. Dazu hat Polizeichef Markus Steinmaßl seine eigene Meinung: „Natürlich ist die Kombination aus braun und senf-beige, sagen wir mal, Geschmackssache. Blau ist sicherlich schicker. Aber es stellt sich für mich die Frage, ob man das Geld für teuere, neue Uniformen nicht sinnvoller einsetzen kann.“

Auf Höhe des Busbahnhofes hält die Streife schließlich ein weiteres Auto an. Der Wagen kommt etwas zu rasant über die Rampe in Richtung Stadt gefahren, außerdem erregen auffällig getönte Scheiben und sportliche Felgen die Aufmerksamkeit der Ordnungshüter. Doch mitten in der Kontrolle befällt die Beamten plötzlich ein bisschen Hektik: Kollegen, die in Edling im Einsatz sind (wir berichteten), brauchen dringend Unterstützung. Die Fußstreife ist damit vorerst beendet. Steinmaßl und Kückel springen in ihren Dienstwagen. In Edling warte man schon auf sie. In Wasserburg bleibt es heute dafür ruhig  …

HF

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3 Gedanken zu „Mit dem Polizeichef auf Streife

  1. Ein Wasserburger

    Eine interessante, lesenswerte Reportage. Die Anwesenheit des neuen Polizeichefs und seiner Kollegen/-innen ist mir am Samstag ebenfalls absolut positiv aufgefallen, so wünscht man sich die Polizeiarbeit vor Ort.

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    1. Man hätte nach 3Uhr in die Bäckerzeile schauen müssen!

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  2. Günther Pfeffinger

    Wirklich schön geschrieben und interessant mitzuverfolgen. Ich finde den Ansatz der bürgernahen Polizei gut, vor allem weil in der heutigen Zeit oft vergessen wird, dass die Einsatzkräfte für unseren Schutz da sind und nicht, um seinen Alltagsfrust auszulassen. Natürlich gibt es immer schwarze Schafe, aber die Mehrheit der Bediensteten ist doch sehr anständig.

    Trotzdem fragt man sich, wie es bei zwei ähnlich großen Veranstaltungen wie hier dem Weinfest und dem Pfaffinger Kannibalen Massaker zu solch unterschiedlicher Vorgehensweise der Polizei kommen kann. Hier, auf dem Weinfest „kundenfreundliches“ Auftreten, Rumscherzen, alles entspannt. Dort auf dem Kannibalen Massaker massive Polizeipräsenz, knallhartes Durchgreifen und abschreckendes Auftreten.

    Warum hat man es nötig, so strikt mit zweierlei Maß zu messen? Hier die braven Alkoholtrinker, bei denen nahezu schon akzeptiert wird, dass sie zu späterer Stunde randalieren und sich auch mal die Köpfe einschlagen. Dort die dämonisierten Drogenjunkies, die scheinbar eine riesige Gefahr für das Fortbestehen unserer Gesellschaft sind.

    Wer aber ein Mal bei den Kannibalen war bzw. mit dieser „Sorte“ Mensch zu tun hatte, hat wahrscheinlich auch miterlebt, dass das die friedlichsten und freundlichsten Menschen sind – auch wenn da härtere Substanzen im Spiel sein mögen. Da muss man kein junger Hupfer sein, um das zu sehen und zu verstehen, sondern vielleicht auch mal mit offenen Augen und Armen durch die Welt gehen. Das ist jetzt natürlich eine provokative Fragestellung, aber vielleicht lohnt es sich ja, darüber nachzudenken und zu diskutieren.

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