Mauke-Studio: Rückblick auf 31 Fußballtage

Wasserburgs ältestes Public Viewing im Cafe Central öffnet wieder am 10. Juni 2016

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ingoDie Fußball-WM in Brasilien und damit auch das Mauke-Studio hatten gestern Abend ihren würdigen Höhepunkt mit einem packenden Final-Spiel, das beide Seiten lange Zeit völlig offen gestalteten. Spannung, kaum zum Aushalten – mit dem guten Ende für die deutsche Mannschaft. Die rund 200 Fans im Mauke-Studio, Wasserburgs ältestem Public Viewing (Foto von der Abschlussveranstaltung), und in der ganzen Stadt lagen sich in den Armen. 31 Tage voller Fußball liegen jetzt hinter den Fußballbegeisterten. Ein Rückblick von Alex Rieger …

 

Wer erinnert sich noch, wie alles begann – vor 31 Tagen? Am 12. Juni eröffnete Gastgeber Brasilien mit einem 3:1 gegen Kroatien die 20. Fußballweltmeisterschaft. In der 70. Minute kam es beim Spielstand von 1:1 zu einem umstrittenen Elfmeter. Wenn Brasilien damals gewusst hätte, was ihnen im Halbfinale blühen würde – vermutlich hätten sie den Strafstoß gar nicht getreten.

Das Mauke-Präsidium leitet souverän und eingespielt durch den Abend. Man könnte meinen, dass es gar keine zweijährige Pause gegeben hätte, sondern dass jedes Wochenende Mauke ist.

In der Gruppenphase gab es dann allerhand zu sehen im Cafe Central:

Holland zerlegt Spanien mit 5:1. Die Spanier, zusammen mit den Portugiesen, den Italienern und Engländern, gehen vorzeitig in den Urlaub, die Finalrunde erreichen sie alle nicht. Deutschland spielt furios gegen Portugal, glücklich gegen Ghana und überlegt gegen die USA.

Auch langweilige Spiele gab es: Iran – Nigeria 0:0, Japan – Kolumbien 1:4. Und natürlich die legendäre Nachtmauke: In der Nacht vom 14. auf den 15. Juni wird das Spiel Elfenbeinküste – Japan um 3 Uhr nachts angepfiffen und dürfte damit wohl uneinholbar als das späteste Mauke-Spiel aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Die verbliebenen 10 Mauke-Kämpfer, die nach elf Stunden – also e l f – endlich heim durften, werden wohl noch in Jahren von diesem Spiel erzählen. Sportlich eher unbedeutend, aber in der Mauke geht es ja um weit mehr als nur um Fußball!

Die Ausscheidungsrunde beginnt mit eher langweiligen Spielen im Achtelfinale, bei manchen Mannschaften hat man den Eindruck, sie wähnen sich noch in der Vorrunde. Ein klarer Favorit ist noch nicht auszumachen. Am ehesten noch die Holländer, wegen des 5:1-Sieges gegen Spanien.

Deutschland zittert sich mit einem 2:1 nach Verlängerung gegen die „Fußballgroßmacht“ Algerien ins Viertelfinale. Dort wartet Frankreich, das zusammen mit Brasilien, Kolumbien, Holland, Costa Rica, Argentinien und Belgien die erste Ko-Runde überstanden hat. Von den acht Partien gingen fünf in die Verlängerung, zwei wurden erst im Elfmeterschießen entschieden.

Bedingt durch die späten Anstoßzeiten gab es dann schon die ersten Ausfallerscheinungen in der Mauke, die spielfreien Tage wurden herbeigesehnt. Nur Kathi und Daddy aus dem Präsidium haben während der gesamten WM keinen einzigen Fehltag im Maukepass eingetragen.

Die drei freien Tage zwischen Achtel- und Viertelfinale wurden aber von allen gerne angenommen, nach zweieinhalb Wochen durchgehender Fußballschauerei, muss man sich ja auch mal um die Familie kümmern. Oder um die Arbeit. Oder beides.

Aber am 4. Juli um 18 Uhr war die Mannschaft wieder voll versammelt und das Central mal wieder brechend voll, das erste Viertelfinale stand an: Frankreich – Deutschland. Das DFB-Team geht früh in Führung (13. Minute Mats Hummels) und spielt diese souverän über die Zeit und steht somit als erster Halbfinalteilnehmer fest. Zum vierten Mal hintereinander macht Deutschland die Maximalanzahl von sieben Spielen in einem WM-Turnier!

Auch in den anderen Viertelfinalpartien setzen sich die erwarteten Mannschaften durch: Brasilien wird der Halbfinalgegner Deutschlands, Argentinien und Holland machen den zweiten Finalteilnehmer unter sich aus. Kuriosum beim niederländischen Viertelfinalspiel: Trainer Louis van Gaal ersetzt kurz vor dem Elfmeterschießen den Torwart und diese Aktion wird belohnt, der neue Keeper hält zwei Elfer und bringt Holland in die Vorschlussrunde.

Halbfinale Brasilien – Deutschland: Diese drei Worte reichen schon aus, um dem deutschen Fan ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern. Das Ergebnis ist jedem bekannt und wenn man in zwei Jahren einen Fußballfan mitten in der Nacht aus dem Bett reißt und sagt „Halbfinale Brasilien – Deutschland“, die Antwort wird mit Sicherheit „7:1″ lauten. 7:1. Selbst fast eine Woche später liest sich das noch wie ein Schreibfehler, doch es ist tatsächlich passiert. Im Central fliegt die Decke weg …

Präsidenten-Ersatzmann Daddy kommt mit dem Raus-Schreien gar nicht mehr hinterher, nach 29 Minuten steht es 5:0, Finale gebucht. Brasilien ist eine einzige Katastrophe, ein fußballerischer Totalschaden. Jetzt hier in dieser Sekunde steht der Top-Favorit auf den Titel fest und es ist Deutschland.

Miroslav Klose wird noch nebenbei zum alleinigen WM Rekordtorschützen – eine kleine Zahl am Rande zu den letzten drei Fußball-Weltmeisterschaften: Tore für England, 17, Tore für Klose, 16!

Fünf Tage warten bis zum Finale. Bis dahin gibt es noch zwei Spiele, um die Wartezeit zu verkürzen.

Argentinien hat im Duell gegen Holland das Glück auf seiner Seite und kommt im Elfmeterschießen weiter. Holland wiederum schlägt im kleinen Finale immer noch unter Schock stehende Brasilianer mit 3:0. Bronze-Medaillen werden verteilt, die aber nach holländischer Aussage gar keiner haben will.

Dann ist er endlich da, der große Finaltag. Wasserburg beflaggt sich, macht sich bereit. Jedes Mal wenn jemand irgendwo „Finale“ sagt, gibt es kollektive Gänsehaut. Die Stunden werden runtergezählt, die Zeit will nicht vergehen, irgendwer hockt da auf den Zeigern. Doch auch die längste Wartezeit geht irgendwann mal vorbei und es ist 19 Uhr. Das Central hat während der gesamten WM für jedes Kaltgetränk ein Los ausgegeben und diverse Preise ausgelobt, die nun verlost werden.

Fotos von der Verlosung:

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In einer amüsanten Vorstellung, bei der jedes verfügbare Kind mal als Glücksfee herhalten durfte, wurden Gutscheine für Eis und Frühstück im Central ausgegeben. Die Brauereien zeigten sich großzügig, diverse Gläser gab es zu gewinnen und natürlich auch Bier. Die Unertl Brauerei zeigte sich vom erhöhten Weißbierkonsum des neuen Bierkönigs so begeistert, dass sie einen Sonderpreis in der Form einer Magnumflasche Weißbier zur Verfügung stellte. Die drei 20 Liter Fässer Augustiner gingen zu zwei Dritteln an das Mauke Präsidium, da sah man also schon vor Spielbeginn zufriedene Gesichter. Nach anderthalb Stunden fröhlicher Verlosung ging es dann stetig auf  das Hauptevent zu. WM Finale.

Deutschland – Argentinien. Die Neuauflage der WM Finals von 1986 und 1990. Wieder ist die Ausgangssituation die gleiche: Argentinien mit einem Ausnahmespieler (damals Maradonna, nun Messi) gegen die stärkste Teamleistung von Deutschland. Die Euphorie vom Halbfinale ist noch nicht ganz abgeklungen, selbstbewusst glaubt hier so ziemlich jeder an den Titel. Das Spiel selbst ist dann schnell erklärt

die spannendste Partie der gesamten WM, jederzeit hätte es auf beiden Seiten im Kasten klingeln können, das tat es dann aber erst in der Verlängerung:

In der 113. Minute erzielt Götze den einzigen Treffer des Spiels und das Central explodiert.

Die letzten sieben Minuten des Spiels und der Nachspielzeit gehen wie im Rausch vorbei. Um kurz nach zwölf reckt Captain Philipp Lahm dann den Pokal in die Luft und Deutschland bekommt einen vierten Stern auf die Brust.

In der Stadt geht die Party dann erst richtig los, Autokorso, jubelnde Menschen auf allen Straßen (wir berichteten) Kleine Kinder, die gar nicht so richtig wissen, was jetzt los ist, werden in die Feiermeute gebracht, heute ist alles gut, alles erlaubt. Wir sind Weltmeister.

Und das Mauke-Studio schließt jetzt für zwei Jahre seine Pforten. Am 10. Juni 2016 um 21:00 Uhr wird Gastgeber Frankreich die Europameisterschaft eröffnen und im Central werden dann wieder die Wetten platziert, die Glocke geschwungen, der Edding angewärmt, der Maukepass gepflegt und wir alle hoffen, dass es nicht zu den unheilvollen Worten „Deutschand: Raus!“ kommen wird.

 

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