Lob gab es sogar von Papst Benedikt

Zum zehnten Todestag von Kirchenmusiker Konrad Bauer (1934 - 2005)

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konrad bauer„Ad maiorem Dei gloriam – Alles zur größeren Ehre Gottes“ – das war die Überschrift zu Konrad Bauers unermüdlichem kirchenmusikalischen Schaffen in den katholischen Pfarreien Wasserburgs. Der Todestag des großen Chorregenten der Innstadt jährte sich dieser Tage zum zehnten Mal. Dies gibt Anlass, Erinnerungen an ihn wach zu rufen.

Stadtpfarrer Bauer hatte damals einen guten Riecher, als er sich für den aus Isen stammenden jungen Kirchenmusiker Konrad Bauer entschied. „Als sechsjähriger Bub hörte ich Konrad Bauer in der Jakobskirche auf der Orgel zum Auszug ,Die Himmel erzählen‘ von Joseph Haydn spielen. Dies bewegte mich zutiefst. Mit diesem Erlebnis wurde in mir das musikalische Feuer entfacht“, erzählt ein 40-jähriger Wasserburger.

Ich denke in vielen Menschen weckte der „bayerisch-barocke“ Kirchenmusiker, wie in Stadtpfarrer Bauer seinen Chorrgenten einst bezeichnete, die Begeisterung für die Kirchenmusik. Nicht wenige sind es, die bei Bauer einen profunden Orgelunterricht erhielten und später selbst begnadete Musiker wurden.

Durch sein Charisma gelang es Bauer immer wieder neue Mitglieder für seinen großen Chor in St. Jakob zu begeistern, der durchweg über 70 Teilnehmer zählte. „Der Bauer Konrad wusste, dass ich regelmäßig zur Messe ging und eines Tages sprach er mich auf der Straße an, dass er mich als Bass-Sänger im Chor bräuchte. Er war so herzlich, dass ich ihm nicht widerstehen konnte und so war ich jahrzehntelang begeisterter Sänger. Schade, dass er nicht mehr unter uns weilt“, erinnert sich wehmütig ein früheres Chormitglied.

Zu allen Festen des Kirchenjahres studierte Konrad Bauer die großen, klassischen Orchestermessen ein. Weit über die Grenzen Wasserburgs war die Kirchenmusik in St. Jakob bekannt, so dass die Festgottesdienst brechend voll waren. Zu erinnern ist in diesem Zusammenhang an die Aufführung der Cäcilienmesse von Charles Gounod mit beinahe 120 Mitwirkenden, die „Missa solemnis“ von Johann Kaspar Aiblinger zur Wiedereröffnung von St. Jakob oder die „Jubelmesse“ von Carl Maria von Weber, bei der Rosl Lunghammer als Koloratur-Sopranistin glänzte oder das Requiem in g-Moll von Ferdinand Schubert. Nicht unerwähnt bleiben dürfen die besonders musikalisch feierlich gestaltete Christmette und die Osternacht mit Solisten, Chor und Orchester und die wunderbaren Maiandachten.

Als Kardinal Joseph Ratzinger, später Papst Benedikt XVI. in Wasserburg St. Jakob die Firmung spendete, meinte dieser im Anschluss an den Festgottesdienst Freude strahlend zu Stadtpfarrer Bauer: „Das ist ja Musik auf höchstem Niveau – wie bei uns im Dom.“

Konrad Bauers kompositorisches Schaffen darf auch nicht unerwähnt bleiben. Nur wenigen ist sein inniges „Ave Maria“ für Solo-Fagott, Chor und Orchester bekannt, das er manchmal zu den Maiandachten in der Frauenkirche erklingen ließ. Bis zum heutigen Tag erklingen bei den Festgottesdiensten in St. Jakob seine grandiosen Orchestersätze zu Liedern aus dem Gotteslob, darunter seine beliebte Intrade zu „Ein Haus voll Glorie schauet“. Auch hat Bauer „kleine Orchestermessen“ für seinen Gebrauch größer instrumentiert, beispielsweise die Missa in F von Karl Maria Pembaur.

Für den Einsatz von Bläsern in der Liturgie arrangierte und komponierte Bauer eingängige Stücke.

„Konrad Bauer war ein ausgezeichneter Pädagoge und konnte alle für eine gemeinsame Sache motivieren. Er war auch ein hervorragender Dirigent“, bemerkt ein Mitglied des Kirchenorchesters von St. Jakob. Kirchenmusiker Bauer nahm nach seiner Ausbildung am Konservatorium nämlich zusätzlich Unterricht bei einem bekannten Münchener Operndirigenten.

Die Kirchenmusik bedeutete Bauer alles. Zusammen mit seiner Frau Gisela, die er als glänzende Organisten ausbildete, war er immer am Werk. Zweimal im Monat war sein Chor zusätzlich zu allen anderen Verpflichtungen, beim Sonntagsgottesdienst zu hören. Außerdem leitete er die Männerschola in St. Jakob, die er zu einem beachtlichen Klangkörper formte.

Was  Chorrgent Bauer für die Wasserburg Pfarreien geleistet hat, ist kaum in Worte zu fassen. Leider wurde er bald noch seiner Versetzung in den Ruhestand  von einer schweren Krankheit heimgesucht, die er noch einige Jahre tapfer ertrug. Er war von einem tiefen Glauben getragen und wusste sich in seinem „Herrgott“ ganz geborgen.

Im Sommer 2005 verlor die Stadt Wasserburg einen großartigen Kirchenmusiker, der durch sein Tun und Wirken den Menschen den Himmel auf Erden brachte. Seine Kirchenmusik ist bis heute unübertroffen.

Waltraud  und Christian Sigl

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