„Leid der Tiere ist nicht vertretbar“

Céline Zerres aus Obing betreibt Facebook-Blog „Vegan im Chiemgau"

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212832839-2169351_1-i034Obing – Eine Ernährung ohne Fleisch, Eier, Milch oder anderen tierischen Produkten: Viele Menschen können sich eine derartige Lebensweise nicht vorstellen – Céline Zerres schon. Die 28-Jährige lebt seit zwei Jahren vegan und versucht mit ihrem Facebook-Blog „Vegan im Chiemgau“ einen Raum für Ideen, Freundschaften und Austauschmöglichkeiten rund um das Thema Veganismus zu schaffen. Einmal im Monat organisiert sie einen kostenlosen veganen Brunch bei sich zu Hause in der Nähe von Seeon, zu dem sowohl Veganer als auch neugierige „Alles-Esser“ eingeladen sind.

„Bevor ich mich entschieden habe, vegan zu leben, habe ich mich schon lange vegetarisch ernährt“, erzählt Céline Zerres. Erstmals sei sie durch die Waljagd auf den Färöer-Inseln auf diese Lebensweise aufmerksam geworden. Jährlich werden dort mehrere tausende Wale grausam abgeschlachtet. „Es gibt ein Schiff mit Aktivisten der Organisation „Sea Shepherd“, die sich gegen diese Jagd einsetzen. In der Zeit, in der die Menschen auf diesem Schiff tätig sind, leben alle vegan.“

Nachdem die 28-Jährige von zu Hause ausgezogen war, habe sie vom Nachbarhof herüber öfter Mütterkühe nach ihren weggenommenen Kälbern schreien hören: „Diese Schreie gehen einem durch Mark und Bein. Nach diesem Erlebnis sagte ich mir, dass das Leid der Tiere in der Agrarindustrie nicht mit meinem vermeintlichen Genuss zu rechtfertigen ist.“

Nach und nach fing sie an, immer mehr tierische Erzeugnisse von ihrem Speiseplan zu streichen, bis sie schließlich komplett vegan lebte. „Für mich ist diese Ernährungsweise kein Verzicht“, sagt sie. Sie lehnt die Tötung von Tieren für die Nahrungsmittelproduktion klar ab: „Jedes Lebewesen hat ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben. Das kann man Tieren auch in der Biohaltung nie bieten. Denn auch dort muss sich ein Tierleben finanziell rechnen und das geht nur auf Kosten der Tiere.“

Ihre Entscheidung wurde von ihrem Umfeld meist positiv aufgenommen und auch anfängliche Zweifel konnte Céline aus dem Weg räumen: „Am schwierigsten war es für meine Großeltern. Die haben selber Hühner und konnten das nicht so recht verstehen, dass ich keine Eier mehr esse. Ich habe dann für sie gekocht und vor allem meine Oma war positiv überrascht.“ Obwohl die Umstellung anfänglich nicht immer leicht war, hat sich die jetzige Veganerin gut damit arrangiert. „Es sind viel mehr neue Türen aufgegangen, als ich dachte, dass sich schließen würden“, erzählt sie.

Da das Angebot für Menschen, die diese Ernährungsweise praktizieren, in der Region dünn gesät ist, überlegte Céline, was sie selbst tun könnte, um dieses Angebot zu erweitern. Im Februar diesen Jahres veranstaltete sie ihren ersten veganen „Mitbring“-Brunch. Während Céline Zerres ihr eigenes Heim als Veranstaltungsort zur Verfügung stellt, bringt jeder Gast eine selbst zubereitete vegane Speise mit. „Es geht nicht um meine Person, sondern um den Austausch zwischen Menschen. Ich möchte einen Raum für Veränderungen schaffen. Einen Treffpunkt, an dem einen die Leute verstehen“, sagt sie und hat ein Beispiel parat: „Erzählen Sie mal einem Mischköstler, dass Sie die Ameise beim Salatwaschen vorsichtig fangen und wieder an die selbe Stelle im Garten zurücktragen. Derjenige hält Sie für bekloppt, aber als Veganer hat man Empathie für jedes Lebewesen und sei es auch noch so klein.“

Positive Erfahrungen gemacht

Die Resonanzen seien durchaus positiv: „Es läuft immer gut. Ich habe dadurch durchwegs sympathische, rücksichtsvolle, liebevolle Menschen kennengelernt.“ Auch die Teilnehmerzahl habe sich seit dem ersten Brunch verdoppelt. Das nächste Treffen findet am morgigen Samstag, 8. August um 11 Uhr statt. Alle Veganer sowie Interessenten, die mehr über eine tierleidfreie Lebensweise erfahren möchten und vegane Speisen genießen wollen, können sich unter der E-Mail-Adresse veganerbrunchchiemgau@gmail.com verbindlich anmelden. Nähere Informationen sowie genaue Adressdaten gibt es über die Facebookseite „Vegan im Chiemgau“ oder unter der genannten E-Mail-Adresse. Verschiedene Tees und Kaffee sowie ein Ofen und Herd zur Benutzung werden von der Gastgeberin gestellt. Eigenes Geschirr und Besteck sollte selbst mitgebracht werden.

Der Brunch im nächsten Monat wird am 13. September um 11 Uhr stattfinden.

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6 Gedanken zu „„Leid der Tiere ist nicht vertretbar“

  1. wenn euch die Tiere so leid tun frage ich mich, warum ihr Ihnen dasFressen wegnehmt!

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    1. Der Spruch ist so alt, wie er dumm ist. Ein paar Minuten googeln könnte da helfen. Und könnte sich unangenehm anfühlen.

      Mal schauen, was wir den Tieren alles so weggefressen haben:
      Ciabatta, Chia-Brot, Croissants, Salat, Quinoa-Salat, Hummus, Bohnenhummus, diverse andere Aufstriche, Waffeln, Brownies, Nudeln mit Pesto, einen süßen Auflauf, von dem ich mir den Namen nicht merken kann, Gemüsespieße, Pizza, Zuccinipflanzerl, Zitronenreis, verschiedene selbstgemachte Pflanzenmilchsorten, Wassermelone und noch einiges andere, viel zu leckere Zeug, was ich mir nicht gemerkt habe.
      Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendwelche Masttiere so etwas essen würden. Ok, würden sie vielleicht, aber sie bekommen es nicht.
      Es war übrigens ein gelungener Tag, sehr chillig, sehr angenehm, sehr heiß und sehr verfressen. Was haben wir gelacht. Ja, auch über dämliche Fleischessersprüche. 😛
      Wer nicht da war, hat definitiv was verpasst.

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  2. Also wennst heit in die modernen klimatisierten staelle nei schaust,die viecherl hams doch net schlecht. De gehn zum melken an Roboter wanns lust ham.man muss halt schauen wo man einkauft. Alles red vo massentierhaltung und dann rennens zim discounter weils billig sei muss. Und de Frauen schauen scho wenns schwanger san um an krippenplatz. Do is ganz normal wenn de um die Mama brüllen.

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    1. „Also wennst heit in die modernen klimatisierten staelle nei schaust,die viecherl hams doch net schlecht.“
      Du kannst so einen tollen, klimatisierten Stall ja gerne mal für ein paar Tage persönlich ausprobieren, wenn es dir dort so gefällt.
      Und am besten auch an dem Tag, an dem es zum Schlachthof geht. Mitfahren auf dem Tiertransporter und mal mit reingehen in die Todesfabrik. Danach reden wir nochmal, falls es Dir nicht die Sprache dauerhaft verschlagen hat.
      „De gehn zum melken an Roboter wanns lust ham.“ Da lacht dich sogar ein Viehwirt aus.
      „man muss halt schauen wo man einkauft.“
      98% allen verkauften Fleisches stammt aus der Massentierhaltung, lediglich 2% von „Bio“-Höfen, auf denen es den Tieren ein klitzekleines bisschen „besser“ geht und der Anteil, der aus Vorzeigehöfen stammt liegt im Promillebereich. Auch der berühmte „Biometzger des Vertrauens von um die Ecke“ kauft aus der Massentierhaltung zu, da er sonst nicht genug hat.
      „Alles red vo massentierhaltung und dann rennens zim discounter weils billig sei muss. “
      Der erste inhaltlich ziemlich richtige Satz. Allerdings kaufen Veganer bekanntlich kein Fleisch. Würde das jeder tun, hätte sich das Problem Massentierhaltung (und der Rattenschwanz an üblen Dingen, der an dieser Tierhaltung noch hinten dran hängt) auf einmal erledigt.
      “ Und de Frauen schauen scho wenns schwanger san um an krippenplatz. Do is ganz normal wenn de um die Mama brüllen.“
      Auch nach längerem, intensiven Nachdenken erschließt sich mir nicht, was das nun mit klimatisierten Ställen, Melkrobotern und Massentierhaltung zu tun hat, oder insgesamt mit dem Thema „Vegan“.
      Oder ist tatsächlich irgendjemand ernsthaft der Meinung, Krippenplätze wären nur für Veganer?
      Wieso bekommt ein derart unreflektierter Kommentar so viele Likes?

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  3. Ich lebe selbst seit einigen Jahren vegan und finde es begrüßenswert, dass das Thema von den Medien aufgegriffen und wertfrei publiziert wird. Weiter so. Schöner Artikel.

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    1. Ich finde die Einstellung und v.a. die Argumente von Frau Zerres sehr gut! Es kann und muss aber natürlich jeder nach seiner (Speise) Facon glücklich werden. Es steht einem auch nicht zu, die Grundprinzipien des Gegenübers permanent madig zu machen. Über Tierhaltung und die eigene Ernährung nachzudenken, dabei manches zu Hinterfragen, ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn man das beim einkaufen im täglichen Leben auch noch umsetzt kommt es auf Dauer sicher der Natur und den Tieren zugute (äh, und einem selbst dann auch 😉 . Hinterfragen gilt natürlich auch für den Punkt, den die Herstellung von Soja u.ä. betrifft, Monokulturen im allgemeinen….
      Ich hörte in Bezug auf „vegan“ bisher oft das Argument, dass vegan einfach nur gesünder ist, das stelle ich in Frage (und als Allesesser fühlt man sich da auch schon mal angegriffen) – Aber die Sorge über Massentierhaltung – über den Sinn und Zweck warum /wie Tiere leben und diese alleinig zum Verzehr der breiten Bevölkerungsmasse gezüchtet werden, so wie es eben hier im Artikel präsentiert wird…. finde ich absolut nachvollziehbar und respektabel.
      Schade, dass derlei Diskussionen oft an dem Punkt stagnieren, wo jeder nur seine eigene Lebensweise als die absolut Richtige verteidigen will.

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