Leberspätzle to go!

Aus dem Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (XX)

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Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Monaten da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. „Hille”, wie wir sie liebevoll nennen, berichtet jede Woche von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin. Heute: Hiltrud wird es richtig übel… www.wasserburger-stimme.de …

Es ist Montag. Mein freier Tag. Das wissen Sie ja schon. Da hat die Metzgerei geschlossen und die liebe Hille gönnt sich ein Fläschchen Eierlikör aufm Sofa. Nix da, alles wird anders und es hat sich sozusagen ausgelikört. Ein Urintest brachte Gewissheit in mein Leben. Nein, keine fiese Darmgrippe, sondern ein neuer Mitbewohner.

Ich wusste gar nicht, dass man in meinem Alter noch empfänglich für Mitbewohner ist. Aber, um es abzukürzen, ich bin glücklich. Der Franz nahm die Nachricht um die Vaterschaft mit Humor, obwohl er es schon als ein wenig bedauerlich empfand, dass ich ausgerechnet zu einem Zeitpunkt schwanger wurde, als ich gerade abgenommen, den Sport für mich entdeckt, der fettigen Wurst abgeschworen und zum ersten Mal in meinem Leben einen relativ schlanken Bauch hatte.

Heute sind der Franz, die Püppi und ich bei seinen Eltern im benachbarten Oibich zum Mittag essen. Es gibt Suppe mit Leberspätzle drin. Ich esse viel, damit sich die grimmige Mari freut und der Franz stolz auf mich ist.

Während ich den zweiten Teller Suppe inhaliere, nimmt der Franz meine Hand, steht auf und schaut seine Mama ganz erwartungsschwer an. „Mama, i muas da wos song, du wirst befördert!“ Die Mari guckt nach wie vor mürrisch und versteht ganz offensichtlich, wie auch der Franz Senior und ich, rein gar nichts. „Mama, du wirst Oma!“.

Vor Schreck rülpse ich einen Satz Leberknödelluft hinaus und schaffe es gerade noch, meinen Blick von der Mari weg in den Suppenteller zu richten. Der Franz Senior findet als Erster seine Stimme wieder. „Reschbeckt!“ Mehr hat er allerdings auch nicht beizutragen.

Ich atme langsam ein und aus, die Mari atmet, glaub ich, gar nicht mehr. Sie guckt mich nur fassungslos an, so, als würde sie sagen wollen: „Schaug, dass´d bloß wieda zruck kimmst nach Münster, du greisliges Breissnweib!“

Dann kann ich nicht mehr innehalten, springe hoch, renne raus und erreiche sozusagen in letzter Minute das rettende Klo. Alle Spätzle von der Mari landen schwallartig in der Keramikschüssel.

Ja, ich bin tatsächlich schwanger. Im zweiten Monat. Und das mit 44! Sachen gibt´s, die gibt es gar nicht. Am Freitag hab ich es der Chefin gesagt. Denn, mal unter uns, ich befürchte, dass ich den Job als Metzgereifachverkäuferin erstmal an den Nagel hängen kann. Was soll ich denn den lieben Kunden sagen, wenn mir während des Verkaufsgesprächs mal wieder übel wird? Soll ich mich ständig zum Brechen verabschieden…so nach dem Motto: Hier haben Sie Ihre Weisswürste, zahlen müssen Sie bei der Kollegin, ich kotze jetzt erstmal.

Bis der Kunde das vernommen hat, habe ich im Übrigen sicher schon in die Wurstauslagen, bestenfalls aber hinter den Tresen gewürgt.

Unfassbar, mit welcher Gewalt es mir täglich, und zwar exakt seit acht Wochen, den Magen ausräumt. Man bedenke, dass der Verursacher des Übels, also dieses Kerlchen in meinem Bauch, doch gerade mal vier Millimeter groß ist. Ich nenne es jetzt schon Franzi. Franzi Nummer 3, der „Klein Franzi“. Das ist Tradition du, das muss wohl auch so bleiben. Mit der Eventualität eines weiblichen Nachkommens habe ich mich noch nicht befasst. Mari geht auf jeden Fall mal gar nicht!

Schnell den Mund gespült und in die blassen Wangen gezwickt, kehre ich gesenkten Hauptes in die schwiegerelterliche Küche zurück. Ganz wohl fühle ich mich nicht in meiner Haut. Vor einem Monat kennengelernt und schon mach ich die mürrische Mari zur Großmutter. „Sie wird sich genauso freuen wie ich“, meint der liebe Franz. Dann weiß sie das aber hervorragend zu verbergen!

Adieu erstmal, mir wird schon wieder übel…

Ihre Hille

 

 

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