„Können keine Hotels herzaubern“

Bürgermeister Josef Huber nimmt Stellung zum Bau der Notunterkünfte

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dsc_0020Nachdem fast zwei Jahre lang in Babensham über einen geeigneten Wohnraum für Flüchtlinge diskutiert worden war, hat das Landratsamt nun mit dem Bau von Wohn-Containern an der Gemeindegrenze Richtung Wasserburg begonnen (wir berichteten). Die neuen Notunterkünfte liegen auf einem kleinen Areal direkt neben der Bundesstraße 304  – an den steil abfallenden Innleiten Richtung Wasserburg. Gut vier Kilometer sind die Notunterkünfte von Babensham entfernt, gut 3,5 von der Altstadt von Wasserburg. Wir fragten Bürgermeister Josef Huber, warum man gerade dieses, eher abgelegene Areal ausgewählt hat.

Babensham ist die einzige Gemeinde im Altlandkreis, die bis jetzt noch keine Flüchtlinge aufgenommen hat. „Wir haben uns aber vom ersten Tag an, als die Flüchtlingswelle anrollte, kooperativ gezeigt. Nur können wir leider keine leerstehenden Hotels oder Häuser herzaubern. Es hat einfach lange gedauert, bis wir uns letztendlich auf den Bau von Containern einigen konnten“, so der Bürgermeister.

Standort seit zwei Jahren in der Diskussion

Bereits von Anfang an sei der jetzige Platz für die Container als Standort im Gespräch gewesen. Das Argument, der Ort sei zu sehr vom eigentlichen Gemeinde-Geschehen abgeschieden, habe dazu geführt, dass man nach weiteren Alternativen Ausschau gehalten hat. Huber: „Vom Landratsamt wurde damals die Wiese zwischen Penzing und Babensham vorgeschlagen. Dieser Platz ist aber unserer Meinung nach viel zu gefährlich und unübersichtlich. Er liegt direkt an der Straße und hat keine fußläufige Anbindung nach Wasserburg.“ Als weitere Alternative sei der Sportplatz vorgeschlagen worden. „Aber da sind ja die Probleme schon programmiert – man hätte dann nämlich den Sportbetrieb einstellen müssen.“ Das seien Gründe, warum sich die Diskussion über zwei Jahre hingezogen habe.

Huber weiter: „Vor dem Hintergrund der Erschließung und den daraus folgenden Kosten ist es nicht ganz einfach, in unsere Flächengemeinde einen geeigneten Standort zu finden. Man muss auch sämtliche Anschlüsse legen können.“ Ein Fußweg, der direkt nach Wasserburg führt und eine geplante Verkehrsanbindung an den Bürgerbus seien die Argumente, die für die endgültige Wahl des Standorts ausschlaggebend gewesen seien, so Huber. „Selbst die Asylbewerber, die zum Beispiel nach Schnaitsee gezogen sind, zieht es nach Wasserburg. Dort kann man einfach all seine Einkäufe erledigen, dort trifft man sich – bei den Flüchtlingen, die nach Babensham ziehen, wird es nichts anderes sein“, vermutet er.

„Wir wünschen uns vor allem Familien“

Ende diesen Jahres seien die Wohn-Container bezugsfertig. 96 Personen könnten dann im Gemeindegebiet einziehen. Wer letztendlich kommt, weiß Bürgermeister Huber noch nicht: „Wir haben aber schon Vorbereitungen getroffen – beispielsweise gibt es seit kurzem eine fünfte Kindergarten-Gruppe, um mögliche Neu-Aufnahmen auffangen zu können. Es wäre schön, wenn viele Familien in die Container ziehen würden.“ HF

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6 Gedanken zu „„Können keine Hotels herzaubern“

  1. Ein Wasserburger

    Wenn man sich mit Bürgern aus der Gemeinde Babensham zu diesem Thema unterhält, dann bekommt man (auch schon in den vergangenen Monaten) oft die Rückmeldung, dass der zuerst im Gespräch gewesene Standort bei Penzing sehr wohl in Frage gekommen wäre. Viel näher an den Siedlungen, was die Integration erleichtert. Stattdessen muss der Landkreis jetzt irgendwo im Nirgendwo direkt neben einer Bundesstraße (!) eine anonyme Containersiedlung errichten.

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    1. Genau, da haben Sie recht. Mir kommen die Tränen, wenn ich deren scheinheilige Argumente hören muß. Da haben sich viel kleinere Gemeinden seit fast 2 Jahren tatkräftig engagiert.
      4km von Babensham weg……im nirgendwo. Die kann man statistisch zu Wasserburg zählen.

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      1. Gut, dann zählen wir die Wasserburger Flüchtlinge in der Äußeren Lohe zu Babensham… Dann passts wieder oder?

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    2. Kein Wasserburger

      Daß der Standort für eine schnelle und einfache Integration nicht der Beste ist, mag wohl so sein. Daß er allerdings unzumutbar neben der B304 wäre, möchte ich aber mal in Frage stellen. Fahren Sie doch mal von Kirchensur bis Tulling (=LKR RO) und zählen die Häuser, die weniger als 30m Abstand zur B304 haben. Und dann erklären Sie mir mal, warum dann 150m sooo schlimm wären! Ich persönlich würde mir alle Finger ablecken, wenn ich dieses Grundstück in solcher (für mich) Traumlage hoch über Wasserburg zur Wohnbebauung mein Eigen nennen könnte.
      @Gemeinde Babensham: Wenn Ihr das Grundstück irgendwann nicht mehr brauchen solltet, dann meldet Euch doch bitte. Ich würd´s nehmen…

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    3. Ich hab für dich mal den Routenplaner befragt… Standort Penzing bis Penzing Mitte (Gassner) ca 1 km. Standort B304 bis Neudeck Mitte ca 800 m.
      Auffällig ist, dass der Routenplaner keine Route für Fußgänger findet, wenn man den abgewählten Standort eingibt (vielleicht liegts daran, weil man tatsächlich auf dieser Straße nicht gehen sollte, weil eng, unübersichtlich und schnelle Autos)…

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  2. Das nennt man abschieben?……

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