Knoblauch, Spezi und zamschmusn …

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (VIII)

image_pdfimage_print

Fashion models. Sketch.Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Wochen da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. Immer freitags berichtet Frau Sander jetzt von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin – fast immer freitags. Denn manchmal schmeißt das Leben „Hilles“ Stundenplan gehörig über den Haufen. Wie diesmal: Sie traf sich erst am Samstag mit ihrem neuen Schwarm „Mani“.   Ihren neuesten Bericht gibt’s deshalb heute: www.wasserburger-stimme.de …

Heute ist er endlich da, der Tag der Tage! Mein Samstag, der alles verändern wird. Mein Abend mit Mani, das erste bayrische Date! Schon seit Tagen befinde ich mich im Ausnahmezustand und meine Kollegin Kathi meidet gemeinsame Mittagspausen und Momente der Zweisamkeit im Kühlraum. Sie meint, ich würde „oiwei mei Bappn aufhom“ und ich solle mir wegen dem Mani nicht allzu große Hoffnungen machen, weil schließlich „olle Männa Schweine san!“ und ich mir bloß nicht zu viel einbilden soll.

Außerdem meint sie, dass man den Mani in Bayern nicht „Manni“ aussprechen würde, hier hieße das „Mane“…mit einem gedehnten „a“ und einem offenen „e“. Ich bin der Meinung, das hört sich schrecklich an. Hille und Maaaaaane….da lachen doch die Hühner! Die ist ja nur neidig, die Kathi, weil sie keiner ins Theater ausführen mag.

.

Stellen Sie sich vor, sogar beim Friseur und bei der Maniküre war ich. Den ganzen Tag mit kalten Fleischwaren hantieren, das schwemmt die Haut schon tüchtig auf und macht die Hände nicht unbedingt hübscher. Nun sind sie nett in Form gefeilt, samtig weich, bezaubernd pink lackiert und freuen sich ganz gierig darauf, dem Mani durch das volle Haar zu fahren. Halt stop! Hat mein Mani überhaupt volles Haar, hat er überhaupt Haar? Über seine Optik weiß ich nichts auszusagen. Mani könnte alles sein. Ein Mops, ein Spargel, haarig oder kahl. Waschbrett- oder doch eher Waschbärbauch, mit sattem Humor oder lediglich einer prall gefüllten Brieftasche ausgestattet. Was ist es denn nun, was meinen Traummann ausmacht…ein einziger Blick wird entscheiden: Dich will ich! Was aber wesentlich schlimmer ist, als die Vorstellung eines kahlen und kugelrunden Mani, das ist die Tatsache, dass ich es mir heute in der Metzgerei nicht verkneifen konnte, ein dickes Stück unserer Wasserburger Haussalami in meinen Mund wandern zu lassen….rülps.

.

Zwischen meinen Zähnen steckt eine Wagenladung Pfefferminzbonbons, während ich vor meinem Briefkasten prächtig zurechtgemacht zur Abholung bereit stehe. Vor meiner Langzeitbeziehung zu Gundolf hatte ich natürlich schon eine ganze Batterie an Verabredungen und Dates hinter mich gebracht. Damit möchte ich sagen: Ich bin eine erfahrene Frau im besten Alter und schöpfe in Sachen Männer aus einem üppigen Erfahrungsschatz.

Dennoch sollte in der Vorbereitung jeder Schritt wohl überlegt sein, sonst kann es schon mal unangenehm werden. An die Überdosis Knoblauch in unserer „Wasserburger Haussalami“ hatte ich dabei allerdings nicht gedacht. In kleinen frechen Stößen kommen Knofiwölkchen aus meinem Magen empor und suchen Frischluft. Das ist wenig sexy und ich bin mir nicht sicher, ob meine hautengen Röhrenjeans und die weißen Lackstiefeletten von diesem Duft ablenken können. Ich übe also fleißig, mit geschlossenem Mund zu grinsen und lutsche mir an Minzdrops den Gaumen wund…

.

„Ja guten Abend, schöne Frau!“ Vor mir steht ein Bild von einem Mann, das leckerste aller Sahneschnittchen…ein großer und starker Mani…mit Haar. Vor lauter Begeisterung vergesse ich meinen Mund zu schließen und außer intensivem Knoblauchduft mag dieser auch nichts von Bedeutung vermelden. Mir fehlen die Worte. „Auf geht’s Hiltrud, mia samma scho a bissal schbad dro!“ Na, das kann ja heiter werden. Ich verstehe nur Bahnhof, lache unbeholfen, hake mich vertraut bei Mani unter und freue mich insgeheim diebisch darüber, dass die „Ummara“ offensichtlich nicht von der Partie ist.

Mani lotst mich zu einem großen weißen Transporter. Galant öffnet er mir die Beifahrertür und schiebt mich auf den etwas zu hoch liegenden Sitz. Der Aschenbecher quillt über, leere Bierflaschen rollen um meine neuen Stiefelchen und eine ganze Batterie an Meterstäben besetzt den Rest des Fußraums. Mein scharfer Verstand sagt mir: Der Mani ist ein Handwerker! Und der Mani sagt: „Madl, guad dass´d koa weiße Hosen o´host. I bin leida ned zum Autobutzn kemma….“.

.

Apfelbutzen, Autobutzen? Ach egal, das wird ein heiterer Abend. Der Mani ist lustig und meine Sprechblockade löst sich in Luft auf. Wie ein Wasserfall beginne ich ihm die Geschichte von der Haussalami zu erzählen und frage ihn, ob er denn ein Problem mit Knoblauch hätte. Mani klopft mir beruhigend auf die Schenkel. „Des bast scho, Hille! I werd di scho ned glei zamschmusn!“ Letzteres verstehe ich und freue mich diebisch auf den Verlauf des Abends. Wären wir doch nur schon im Theater gewesen, denke ich mir, während ich meinen Begleiter unauffällig scanne. Haare hat er eine Menge, blond und wild. Eine sehr stattliche Figur mit prächtig großen Händen. Messe ich stolze 1,75 Meter, so ist mein Mani locker mal nen Kopf größer. Entspannt lasse ich mich in den Sitz fallen, denn das mit der Sprache bekommen wir auch noch hin.

Ich beschließe, meine Hemmungen nach Münster zu schicken und zielorientiert in Sachen „bayrisches Prachtexemplar“ zu agieren. „Mensch Mani, die Nacht ist jung, wohin entführst du mich denn nach dem Bühnenstück?“ Ich untermale meine forsche Frage mit einem süßen Lachen, werfe meinen Kopf in den Nacken und blicke dem Mani herausfordernd ins Gesicht. „Heid zoag i da moi des königlich boarische Amtsgericht und danoch gemma mit de Spezln zum Wirt!“.

Ich vertraue dem Mani blind, aber dass ich ein Spezi trinke, das kann er sich abschminken. Heute lass ich die Korken knallen beim Wirt….

Es grüßt verliebt,

Ihre Hille

Fortsetzung folgt …

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.