Kern-Haus: Weniger ist schöner

Stadtrat berät über letztmalige Sanierung der Fassade

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kernhausDas Kern-Haus im Herzen der Altstadt – es ist eines der Wahrzeichen Wasserburgs und beliebtes Fotomotiv bei Touristen. Seit dem vergangenen Jahr gibt’s mit der Sparkasse einen neuen Besitzer, der bereits kräftig mit den Sanierungsarbeiten im Gange ist. Eine Besonderheit des Kern-Hauses ist, dass die Fassade der Stadt gehört. Noch! Denn im Vertrag mit der Sparkasse ist geregelt, dass diese ebenfalls auf den neuen Besitzer übergeht – allerdings erst nach einer letztmaligen Sanierung durch die Stadt. Und über die beriet jetzt der Stadtrat ausgiebig.

oehmigGeladen zur Stadtratssitzung war Sven Oehmig, seines Zeichens Diplomrestaurator vom Institut für Restaurierung in Wasserburg, das mit der Untersuchung der Fassade beauftragt worden war. Er hatte wenig Gutes zu berichten. „Der aktuelle Zustand ist nicht gerade gut. Wir haben zum Teil massive statische Schäden!“, so Oehmig.

Seit eineinhalb Jahren seien deshalb bereits Teile der Fassade mit einem Stützgerüst gesichert. Frostschäden, Beeinträchtigungen durch Tauben, Abbrüche an den Masken der Figuren bis hin zur kompletten Zerstörung von Bildnissen habe man feststellen müssen. Leider sei auch die Restaurierung in den 60er Jahren nicht besonders vorteilhaft für die Fassade vorgenommen worden. „Vom ursprünglichen Zustand des Hauses aus der Zeit des Rokoko blieb leider kaum noch etwas übrig.“

Zur Sanierung sagte Oehmig, man werde äußerst behutsam vorgehen, habe aber keine andere Chance, als die Fassade abzustrahlen. „Insgesamt wollen wir wieder näher an das Original heranrücken. Dazu wird die Farbe stark reduziert. Weniger ist da ganz sicher schöner.“

Zusammen mit dem städtischen Bauamt hatte das Institut auch bereits die Sanierungskosten überschlagen. Rund 350.000 Euro kommen wohl auf die Stadt zu – letztmals übrigens, denn nach der Sanierung geht die Fassade ja in den Besitz der Sparkasse über.

herrmannZur Bauzeit sagte Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann, man werde wohl mit fünf bis sechs Monaten Arbeit rechnen müssen. „Wir starten im April und hoffen, im Oktober fertig zu sein.“ Wie man das Gerüst gestalte, sei noch unklar. „In solch exponierter Lage, können wir da aber während der Bauarbeiten nicht einfach eine weiße Folie herabhängen lassen. Und auch das Hotel Paulaner will sich natürlich darstellen.“

stengerStadtrat Peter Stenger (SPD) wollte wissen, wie es sich mit den Fenstern verhalte, für die ja die Sparkasse zuständig sei. Herrmann dazu: „Die sind in gutem Zustand. Allerdings werde man von der Wärmedämmung her eher von innen heran müssen. Das ist aber Sache der Sparkasse, denen reden wir nicht in ihre Planungen hinein.“

jokischSophia Jokisch (Linke) fragte nach, wie es denn bei der Sanierung mit dem Stuck aussehe. „Da holen wir absolute Profis ins Boot“, antwortet Sven Oehmig. Man werde auf jeden Fall versuchen, keine Kunstharze einzusetzen, sondern alles originalgetreu zu sanieren. „Allerdings wurde da bei der letzten großen Sanierung in den 60er Jahren viel Schaden angerichtet.“

bykerWie lange eine solche Erneuerung der Fassade eigentlich halte, wollte Friederike Kayser-Büker (SPD) wissen. darauf Oehmig: „Das kommt darauf an, wie sehr die Fassade vom Straßenverkehr beeinträchtigt wird. Abgase von Benzinmotoren sind nicht ganz so schlimm, aber Bus-Diesel ist absolut tödlich.“ Man könne an der Fassade nicht mit wasserabweisenden Substanzen arbeiten. „Sie braucht Wasser, um zu leben“, so der Experte. Genaue Angaben über die Haltbarkeit der Fassade könne man nur schwer abgeben. HC

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