Ich kann auch ohne Alkohol lustig sein!

Das Leben der Wasserburger Neubürgerin Hiltrud Sander (VI)

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Fashion models. Sketch.Wasserburg – Sie kennen Hiltrud Sander nicht? Kein Wunder. Die Dame mittleren Alters ist Wasserburger Neubürgerin – erst seit ein paar Wochen da. Was für uns Stodara ganz selbstverständlich ist, muss die gute Frau aus Münster in Westfalen erstmal erkunden und lernen. Zum Beispiel: Wie man in Wasserburg nächtliche Eskapaden überlebt. Immer freitags wird Frau Sander jetzt von ihrem Leben als Neu-Wasserburgerin berichten. Ihr neuester Bericht auf www.wasserburger-stimme.de:

Ach du Schande, ging es mir gestern schlecht! Hiltrud, du altes Partywrack, deine Batterien sind offensichtlich nicht mehr die vollsten. Ich war auf Kneiptour in Wasserburgs Altstadt und torkelte mit meinen Arbeitskolleginnen gesellig von Spelunke zu Spelunke… und am Ende des Abends mit einem ausgewachsenen Vollrausch nach Hause. Erschrecken Sie bitte nicht, meine promillische Höchstform ist bereits nach vier Gläsern Puffbrause und ein paar Schlückchen Eierlikör erreicht und endet klassischerweise mit würgendem Reiz über einer weißen Keramikschale.

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Heute ist Allerheiligen und die römisch-katholische Kirche gedenkt der Verstorbenen. Auch ich bin ein wenig nachdenklich. Meine Nase ist irgendwie verdächtig rot und mir stellt sich die Frage, ob das wohl mit der kühlen Temperatur in der Metzgerei zusammenhängt oder ob ich meine täglichen Wurstorgien in Zukunft besser ohne den Hochprozentigen abschließen sollte. Die verdauungsfördernde Wirkung des Alkohols sei ein Trugschluss, heißt es. Habe ich erstmal gefuttert und die Hose spannt bereits, wird ein Gläschen Schnaps die Kehle hinuntergestürzt und die Welt ist wieder in Ordnung. Es steht also Aussage gegen Aussage. Nur eben das mit der Nase, das macht mir irgendwie zu schaffen. Erdbeernase haben wir meinen trinkfreudigen Vater als Kinder immer genannt…und nun zeigt auch mein Näschen eine verdächtig rote Verknollung.

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Das muss sich ändern! Jedem Anfang liegt ein Zauber inne und mit etwas Ehrgeiz werde ich schnell Erfolge erzielen. Ich meide in Zukunft alle Gelegenheiten, die mich aus promillischer Sicht verführen könnten. In anderen Worten: Ich bleibe einfach die ganze Woche zu Hause! Zwangsweise kommt dann aber die madige Laune gepaart mit der gähnenden Leere. „Geh doch laufen!“ melden sich meine nagelneuen neongrünen Joggingschuhe. Ich schließe die Türe und lasse die Schuhe alleine im Flur. Wenn`s draußen kalt ist, braucht der Mensch etwas Warmes. Winterlichen Tee mit ganz viel Milch und Honig, eine gemütliche Badewanne, Dampfbad, Sauna…ha, oder eine Tasse heißen Eierlikör. Verflucht und zugenäht, ein Teufelskreis.

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Ich schleppe mich zum Kleiderschrank, schlüpfe widerwillig in mein Sportkostüm und versuche meine Gedanken in Richtung straffes Bindegewebe und praller Apfelhintern zu lenken. Kurz darauf hechele ich mir am Innweg mit hochrotem Kopf und strähnig nassem Haar die Lunge aus dem Leib. Tapfer und mit komplett verschmierter Wimperntusche grüße ich Hundehalter und Jogger und frage mich, warum ich nicht einfach, duftig in meine Decke gehüllt, bei einem Glas Prosecco „Berlin Tag & Nacht“ angucken konnte. Da macht es plötzlich „pflatsch!“ und ich habe einen stinkigen Fladen am neuen Sportschuh kleben. Völlig breit getreten und schmierig klebt die Kacke im Profil meiner Sneakers. Also Därme, Nieren, Zunge und auch die saure Lunge, all das kann und muss ich täglich wunderbar verkraften, aber Hundescheiße am Schuh…keine Chance, da muss ich passen!

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In so einer Situation ist auch völlig sinnlos, mit keckem Dummchen-Blick nach einem starken Mann Ausschau zu halten, die stellen bei Hundekacke nämlich auch sofort auf Durchzug. Wie gesagt, ich mache hier nicht auf feine Dame, aber Hundefladen – da hört sich der Spaß auf. Wenn ich mir vorstelle, was diese Vierbeiner so alles zu verdauen haben: Knochen, Pansen, Gammelfleisch und nicht zu vergessen den täglichen Anblick Ihrer Halter, die es noch nicht mal schaffen, das Vermächtnis ihrer treuen Freunde einzutüten und zu entsorgen. Gassi gehen nennt man das also, wenn man seine Waldis und Bellos dazu nötigt auf die Wege der Menschen zu kacken! Wirklich charakterlos ist das, sollen sie ihr Geschäft doch zu Hause in der guten Stube erledigen.

In der Hoffnung, das Erbgut fauler Hundehalter würde beim Laufen irgendwo von selber abfallen, bin ich angewidert in Richtung Heimat gejoggt. Ist auch nicht die feine Art, ich weiß. Aber, zu Ihrer Beruhigung, als ich völlig erschöpft zu Hause angekommen bin, klebte der Fladen breit und noch breiter am Schuh. Na, wenn man das nicht erstmal gebührend verdauen muss!

Darauf einen Du Jardin,

Ihre Hille

 

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