Heiße Debatte um das Depot

Stadträte diskutierten am Donnerstag drei Stunden lang über Millionen-Projekt

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depotEntnervte Fachleute, wutentbrannte und zum Teil ratlose Stadträte, ein Bürgermeister, der sein ganzes diplomatisches Geschick auspacken musste, um die Gemüter zu beruhigen – die Sitzung des Wasserburger Stadtrates zum Thema „Zentraldepot des städtischen Museums“ hatte am Donnerstag Abend einiges zu bieten. Und das, obwohl nicht einmal eine Entscheidung anstand. Die Sitzung sollte der reinen Information dienen. Am Ende blieben aber auch Fragen offen … 

Was lange währt, wird endlich gut – ein Spruch, der offenbar für das geplante Zentraldepot der Stadt Wasserburg einfach nicht gelten will. Seit gut acht Jahren schwebt das Projekt über Stadt und Stadtrat, drei Architekten haben sich bereits daran versucht. Einer der größten Knackpunkte: Die nach wie vor nicht ganz klaren Kosten, die Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann gestern auf 2,8 bis 3,1 Millionen bezifferte.

Wozu ein Depot? Das erläuterten gestern nochmals Bürgermeister Michael Kölbl und Museumsleiterin Sonja Fehler. Die Fakten: Das städtische Museum in der Herrengasse platzt aus allen Nähten und ist zudem stark sanierungsbedürftig. Wie sehr, zeigen alleine schon der teilweise Einsturz der Arkaden vom vergangenen November und ein massiver Wasserschaden im Sommer. Zudem sind zahlreiche Museumsstücke auf insgesamt neun Depots im ganzen Stadtbereich verteilt. Ein neues, zentrales Depot soll diese zusammenführen – und, weiterer wichtiger Punkt, die Exponate des Museums während der Sanierungsarbeiten aufnehmen.

Fehler erläuterte auch, dass es zu einem Neubau keine echten Alternativen gibt, nachdem man seit Jahren für das Depot nach bestehenden Räumlichkeiten gefahndet, nichts Brauchbares aber gefunden habe. Und sie appellierte an die Stadträte: „Wir müssen jetzt was unternehmen. Möglichst rasch. Uns sind bereits Teile des Museums vor die Füße gefallen. Die Schäden werden immer schlimmer und werden schon in naher Zukunft viel Geld verschlingen.“

Vorgestellt wurde das Bauprojekt „Zentraldepot Wasserburg“ von Lars Klemm vom Frauenhofer-Institut in Holzkirchen, von den Architekten Sarah Bourne und Alexander Schwab vom Architekturbüro ASA in Unterhaching sowie von Michael Weise vom Ingenieur-Büro IFB.

Ihr klares Statement: Ein Bau aus Spezialbeton, der dicht und vom Klima her leicht zu beherrschen ist. „Wir brauchen eine luftdichte Schuhschachtel, in der wir Temperatur und Luftfeuchte mit so wenig Energie wie möglich regulieren können“, so Weise. Denn: Nur 15 Prozent der Kosten wird der Bau verschlingen, 80 Prozent hingegen der Unterhalt. Auf  70 bis 80 Jahre, so lange soll die  „Schuhschachtel“ halten, kämen sonst immense Unterhaltskosten auf die Stadt zu.

Genau an der baulichen Ausführung entzündete sich dann aber nochmals eine hitzige Debatte im Stadtrat.  Ein paar Auszüge:  

Oliver Winter, CSU: „Grundsätzlich sind wir nicht gegen das Depot. Aber das, was uns hier vorgestellt wurde, ist das Optimum. Für uns stellt sich aber nach wie vor die Frage: Wie kommen wir von den hohen Kosten runter?

Und wir geben zu bedenken, dass das Depot wohl nicht von Frau Fehler alleine zu bedienen sein wird.  Also wird’s wohl zusätzliches Personal geben müssen. Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass wir das Museum sanieren müssen. Das alles ist ein gewaltiges Gesamtpaket von mindestens fünf Millionen Euro. Und uns werden die Kosten noch davon galoppieren.Vielleicht können wir das Depot kleiner oder in Abschnitten bauen. Zudem sollte man auch nochmals Alternativen in der Bauweise prüfen. Die FH Rosenheim hat sich bereiterklärt, sich im Rahmen von Abschlussarbeiten mit einer hölzernen Bauweise zu beschäftigen.“

Darauf Bürgermeister Michael Kölbl: „Das waren jetzt wolkenreiche Ausführungen, die mir aber den Verstand nicht ganz vernebeln konnten. Die Sanierung des Museums muss ohnehin kommen. Dazu müssen wir die Exponate auslagern. Ich möchte nicht wissen, was eine professionelle Lagerung durch einen Dritten kostet. Und am Ende haben wir dann wieder nichts, außer der Lagerkosten.“

Zum Thema Lagerung meldet sich Markus Bauer zu Wort. Er schlug für das neue Depot vor, eine so genannte chaotische Lagerung, von Computern geregelt, einzuführen, um Kosten zu sparen, was letztlich den Experten vom Frauenhofer-Institut, Lars Klemm, in Rage brachte: „Das funktioniert für ein Endlager wie bei einem Depot überhaupt nicht. Und auch die Überlegungen in Richtung Holzbauweise sind völlig abstrus. Kein Mensch auf der ganzen Welt hat je ein Museumsdepot aus Holz gebaut. Das ist Wahnsinn. Ich bin jetzt echt böse, dass wir das hier immer wieder alles durchkauen müssen.“

Die Ausführungen von Klemm wiederum sorgten bei Markus Bauer für einen heftigen, wenn auch kurzen Wutausbruch. Er lasse sich hier nicht beleidigen, setzte er Klemm entgegen und verließ wutentbrannt den Sitzungssaal, um kurze Zeit später aber doch wieder auf seinem Ratsstuhl Platz zu nehmen. Bürgermeister Kölbl musste die Gemüter beruhigen. „Da treffen zwei  Experten mit unterschiedlichen Meinungen aufeinander, da kann es schon mal krachen.“

Klemm entschuldigte sich leicht zermürbt beim Stadtrat, bekam aber auch Rückenwind: „Wir haben jetzt jahrelang alles genau geprüft. Ich verstehe nicht, wie man jetzt auf Holz kommen kann. Warum hat eigentlich niemand beim Bau der Turnhalle für die Mittelschule auf Holz plädiert?“, so Stadtkämmerer Konrad Doser kopfschüttelnd.

Lorenz Huber (Bürgerforum) sah das ähnlich: „Wir verlieren hier vor den Experten und vor dem Bürger langsam die Glaubwürdigkeit. Wir drehen uns im Kreis. Sollen wir warten, bis das ganze Projekt irgendwann vier Millionen kostet?“

Christian Stadler (Grüne): „Wir haben das Gefühl, dass die Planungen zum Depot nachvollziehbar und ausgereift sind und stehen hinter dem Projekt. Vor allem vor dem Aspekt, die Folgekosten niedrig zu halten. Und da ist eben eine Bauweise wie von den Experten vorgeschlagen unumgänglich.“

Ganz anders sahen das Friederike Kayser-Büker und Marlene Hof-Hippke von der SPD: „Ich habe immer noch Bauchschmerzen, weil ich mich einfach in Planungsphase zwei nicht ausreichend informiert fühle. Wir haben keine Alternativvorschläge auf dem Tisch, müssen den Experten einfach alles glauben“, so Kayser-Büker. „Das gleiche Gefühl habe ich auch. Besonders im Hinblick darauf, dass wir keine Alternativen zur Betonbauweise auf dem Tisch haben“, unterstütze Hof-Hippke ihre Parteikollegin.

Bürgermeister Michael Kölbl, der bei der Sitzung immer wieder die Wogen glättete, fasste nach drei Stunden eingehender Diskussion den Abend abschließend zusammen: „Wir müssen das Projekt jetzt anschieben. Um die Museumssanierung kommen wir nicht herum und damit wohl auch nicht ums Depot. Wir brauchen jetzt so schnell wie möglich noch genauere Zahlen. Und wir sollten uns noch kurzfristig die Meinung der FH zur Holzbauweise einholen. Spätestens im April muss die ganze Sache weitergehen.“ HC

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5 Gedanken zu „Heiße Debatte um das Depot

  1. Wolfgang Smasal

    Natürlich sollen unsere Kunstschätze auch der Nachwelt erhalten bleiben aber dieses Projekt ist einfach zu groß für Wasserburg. Baukosten von 3 Millionen Euro sind deutlich zu viel. Wenn man dann noch bedenkt dass die Baukosten gerade mal mal 15% der Kosten ausmachen sollen und 80% für den Unterhalt gerechnet werden müssen erst recht.
    Ursprünglich sollten die Kosten ja mal bei 1,5 Mio gedeckelt werden.
    Die bislang rosige Haushaltslage in Wasserburg wird sich durch den Bau der Mittelschule ohnehin bald zuspitzen und wir werden wieder deutlich rote Zahlen sehen.
    Vor diesem Hintergrund finde ich die Reaktion der Planer auf Einwände verschiedener Stadträte unangemessen.
    Vermutlich wäre die Diskussion um das Depot ohnehin anders verlaufen wenn die tatsächlichen Kosten von Anfang an auf dem Tisch gewesen wären.
    mein Fazit:
    Depot ja
    aber nicht zu diesem Preis

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    1. Der Zusammenhang zwischen Baukosten und Unterhaltskosten wird hier aber genau falsch rum dargestellt. Dass bei den Kosten, die bei einem Gebäude über dessen gesamte Lebensdauer gesehen so anfallen rund 80% dem Gebäudeunterhalt zuzurechnen sind und nur 15% den Baukosten ist ja mehr so eine Faustformel. Diese verdeutlicht ja gerade, dass man bei der Planung eines Baus schon viel stärker auf die anfallenden Folgekosten als auf die unmittelbaren Baukosten achten sollte und deswegen eine höhere Bausumme unter Umständen sogar langfristig wirtschaftlicher sein kann. Wenn ich mir ein Auto kaufen soll, mit dem ich die nächsten 10 Jahre in die 50 Kilometer entfernte Arbeit pendeln soll, entscheide ich mich ja aus wirtschaftlichen Gründen auch eher für das mit dem geringeren Verbrauch als für das mit dem niedrigsten Anschaffungspreis.
      Aber wem erkläre ich das eigentlich? Wenn es sich bei obigem Kommentarschreiber um den Herrn gleichen Namens handelt, der bei der CSU im Vorstand ist, dann ist der meines Wissens sogar bei einer Wohnungsbaugesellschaft tätig und müsste selbst am besten wissen, wie fragwürdig er hier argumentiert. Die Frage ist nur, welches Ziel er damit verfolgt. Ist die Wasserburger CSU tatsächlich schon so verzweifelt?

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      1. Wolfgang Smasal

        kleines depot…..kleine folgekosten
        GROßES DEPOT …….GROßE FOLGEKOSTEN

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        1. Kleines Depot, billig gebaut … baldiger Erweiterungsbedarf, hoher technischer Gebäudeunterhalt … große Folgekosten
          Großes Depot z.B. in Passivbauweise teurer gebaut … kein Erweiterungsbedarf, wenig technischer Gebäudeunterhalt … geringe Folgekosten
          Das ist jetzt zwar auch kein Automatismus, aber immerhin ein realistisches Szenario. Für eine wirkliche Beurteilung der langfristig günstigsten Lösung fehlen also noch viele Variablen, die entweder noch gar nicht bekannt sind oder zumindest in der Berichterstattung (sowohl in der Wasserburger Stimme als auch in der Wasserburger Zeitung) nicht genannt werden. In jedem Fall dürfte die vollständige Wahrheit deutlich komplizierter sein, als sie der Wolfgang Smasal hier darstellt – und damit möchte ich mir bitteschön nicht anmaßen, selbst in Besitz der vollständigen Wahrheit zu sein.

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      2. Was soll das denn? Jetzt habe ich das Parteiengeränkel aber gründlich satt. Ich bin der Meinung, dass, egal, welcher Partei man angehört, seine Meinung kundtun darf. Aber das stört Frau Buffo wohl. Die Frage um das Depot geht uns alle an, denn hier werden Gelder verschlungem, die an anderer Stelle dann fehlen. Es ist zwar richtig, dass man die historisch interessanten Objekte schützen muss, aber nicht um jeden Preis. Und ich frage mich schon, wie es zu solch einer immensen Kostenexplosion kommen konnte. Zwischen den ersten Planungskosten und den jetzigen liegen ja Welten. Vielleicht denkt man auch noch an andere Einrichtungen der Stadt Wasserburg, bei denen dringender Handlungsbedarf besteht. Schauen wir doch nur einmal die Grundschule am Gries an: Eine völlig veraltete Holztreppe –> Glückwunsch zur stärker werdenden Inklusion (wie soll ein Kind im Rollstuhl in die Klasssenräume im ersten und zweiten Stock gelangen?), die schlecht isloierten Klassenzimmer im 2. Stock, in denen im Sommer das Thermometer eigentlich jeden Tag Hitzefrei anzeigen müsste, die marode Turnhalle, etc. etc.. Oder das völlig veraltete Polizeigebäude? Da kommt man sich wahrllich wie im Mittelalter vor.
        Also nichts gegen die Relikte von früher, welche eine Aufbewahrung benötigen, aber ehrlich: unsere Kinder und unsere Sicherheit ist mir wichtiger. Vielleicht sollte man auch die Größe und die tatsächlich nötigen Anforderungen dieses „Sammelortes“ überdenken. Denn alte Grabkreuze und Bauernschränke bedürfen mit Sicherheit anderen Lagerungsbedingungen als Schriftstückce, Gemälde, etc.

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