Hallo, Herr Minister – ein Scheitl, ein Bürger!

Gegen die B15 neu: Große Protestaktion gestern auf dem Odeonsplatz

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Demo 1Ein ungewohnter Anblick war es schon, als gestern ein Traktor mit Anhänger und 10.000 Holzscheiteln unter lautem Beifall die Münchner Ludwigstraße hinunter rollte. Sein Ziel war das Bayerische Innenministerium, Sitz von Minister Joachim Hermann. Beladen war der Hänger mit 10.000 Holzscheiteln – sehr viele von Bürgern aus Soyen, Reitmehring, Wasserburg, Edling, Pfaffing, Ramerberg, Rott, Haag, Reichertsheim –  die mitten auf Münchens Prachtmeile am Odeonsplatz, vor dem Reiterdenkmal Ludwigs I. und unter den Fenstern des mächtigen Innenministers Hermann ausgekippt wurden. Als Protestaktion gegen die B15neu …

Minister Hermann ist der Entscheider über die Straßenneubau-Wünsche Bayerns, die in den künftigen Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2015 beim Bund aufgenommen werden sollen. Eine der geplanten Autobahnen ist die B15 neu. Sie soll sehr weit oben stehen auf der bayerischen Wunschliste mit den rund 400 Straßenbauprojekten. Als Bundesstraße deklariert, entpuppt sich die B15 neu bei genauerer Sichtung als Autobahn, mit zwei Fahrbahnen in jede Richtung, mit Standspuren und grünem Mittelstreifen. Diesen tiefgreifenden Einschnitt in ihre Heimat wollen die zahlreichen Gegner aus den betroffenen vier Landkreisen Rosenheim, Ebersberg, Landshut, Mühldorf nicht hinnehmen.

Die Holzscheitl hatten schon eine längere Reise hinter sich. In den vergangenen 14 Tagen war fast jedes einzelne von ihnen individuell bearbeitet worden, liebevoll mit Farben dekoriert oder schwungvoll mit einem Namenszug versehen. Jedes Holzscheit steht für einen Bürger, jung oder alt, konservativ oder kreativ, für einen Wähler der CSU, der SPD, der FW oder der Grünen. Am Samstag waren die Scheitl alle eingesammelt worden.

Trommeln, Pfeifen, Sirenen, Topfdeckel dabei

In München hatten sich zusammen mit den Hölzeln rund 40 Bürger vor dem Ministerium eingefunden, augenscheinlich allesamt Vertreter der bürgerlichen Mitte und keine Randalierer und Immer-Dagegen, so die Bürgerinitiativen. Lautstark machten sie ihrem Unmut Luft über die geplante 28 Meter breite Schneise durch herrliches bayerisches Voralpenland, durch fruchtbare Äcker und wellige Wiesen. Sie waren mit Trommeln gekommen, mit Pfeifen, mit Sirenen oder Topfdeckeln. Ein 28 Meter breites Transparent machte die gewaltigen Dimensionen der Schneise augenfällig, beeindruckend selbst auch noch auf der Ludwigstraße.

Kurzfristig haben sich alle beteiligten Bürgerinitiativen entlang der 100 km langen Strecke zu diesem Protest entschlossen, kurz vor der Sommerpause und noch rechtzeitig genug, so dass der Innenminister die B15 neu auf der Straßenneubauwunschliste streichen kann, bevor er sie weitergibt nach Berlin.

Über der Demo wölbte sich ein bayrisch-weißblauer Bilderbuchhimmel. Ob das ein gutes Zeichen für das Anliegen der Bürger war? Und der Minister? Er ward nicht gesehen – obwohl ihm sogar ein Ständchen gesungen wurde: Herrmann, stopp die Autobahn!

Quelle: stop-b15-neu.de

Foto: Bürgerinitiative

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3 Gedanken zu „Hallo, Herr Minister – ein Scheitl, ein Bürger!

  1. B15 Anwohner

    „Als Bundesstraße deklariert, entpuppt sich die B15 neu bei genauerer Sichtung als Autobahn“ … ich kann es nicht mehr hören. Das mit den vier Spuren ist seit vier Jahrzehnten für jeden völlig klar, der auch nur einmal auf eine Straßenkarte seiner Heimat geschaut hat. Da war sie nämlich auf alter Trasse schon gestrichelt eingezeichnet. Was dieses überraschte Getue allerorts jetzt ständig soll, bleibt ein Rätsel. Neu ist nur, dass sie plötzlich nicht mehr da verlaufen soll, wo es seit all diesen Jahrzehnten geplant war – und wo man eigentlich angehalten war, sich darauf einzustellen. Es geht (auch so gar nicht nicht neu) um die großräumige Umfahrung Münchens, das, wie keiner bestreiten kann, überlastet ist.

    Wenn man heute von Regensburg kommend sein Navi nach dem schnellsten Weg ins Inntal nach Kiefersfelden befragt, dann leitet es einen genau über dieses München, A99. Aber was passiert, wenn erstmal die Ortsumgehung in Rosenheim fertig ist? Und die Autobahn B15 neu (wie es, so solidarisch manch Rosenheimer CSU Politiker auch tut, innerhalb von Fraktion und Kabinett nicht bestritten wird) bis Höhe A94 geht und das dementsprechend ohne Ortsdurchfahrt Landshut? Wenn es vierspurig dahingeht, nur mit Ausnahme des Abschnitts A94-A8? Dann wird das Navi sagen: Fahr nicht mehr über München! Fahr vierspurig über die B15n soweit du kannst, und dann noch die paar Kilometer über die B15 alt.

    Der Punkt ist: Es wird die schnellere Nord-Süd-Verbindung sein. Zumal sie immerhin 25km kürzer wäre. Und dann wird der Verkehr auf der 2-3 spurigen Rest – B15alt steigen und zwar enorm. Die gern verbreitete Geschichte, dass im Bereich Rosenheim ein bisserl Ausbau reicht, ist also so kurzsichtig und kirchturmdenkerisch wie nur was. Es gehört ein GESAMTkonzept einer leistungsstraken Nord-Süd-Verbindung Bayerns sachlich diskutiert. Es gehört dazu die Grundsatzfrage geklärt, was wichtiger ist: Anwohnerschutz oder Naturschutz?

    Es gehört die Frage gestellt, wen man mit höherer Priorität vom Verkehr verschonen sollte: Eine Anzahl an Menschen oder eine Anzahl an Lurchen, Fröschen und Fledermäusen? Es gehört diskutiert, wie man Orten wie Taufkirchen, Dorfen und St. Wolfgang helfen kann. Es gehört diskutiert, ob nicht ein weiterer Ausbau der Trasse A92-A9-A99-A8, evtl mit Flughafentangente und Ringschluss im Münchener Süden, die bessere Alternative wäre. Es gehört über die Frage gesprochen, wie der LKW Fern Verkehr, der heute über die B15 alt rollt, künftig zu bemauten ist.

    Dieses „brauch ma neda“ – Geschrei alleine wird dazu herzlich wenig helfen, egal wie sich der Minister jetzt verhält…… Im Gegenteil ist es momentan auf dem allerbesten Wege langfristig dazu beizutragen, dass auf der bestehenden B15 in absehbarer Zeit, spätestens wenn Landshut und Rosenheim ihre Ortsumgehungen haben, ein Verkehrschaos mit all seinen Konsequenzen herrscht.

    Was wollen die Gegner denn von Hermann hören? Doch nur: „Neinnein, wir bauen maximal ein paar Überholspuren, versprochen….B15neu ist bei Euch gestorben! Wir hören ja auf Euch!“ Und das wird er ihnen, zumindest auf den den Bereich A94-A8 beschränkt, auch sagen, wie es aussieht. Dann wird sich allerdings der Großteil der Rothemden dieses Landstriches wieder aufs Ofenbankerl zurückziehen und sich auf die Schulter klopfen, doch die wirklichen Fragen des Nord-Süd-Fernverkehrs in Bayern bleiben völlig offen im Raum. Sie werden dann wieder von Ministerialräten und Politikern im Hinterzimmer bearbeitet werden, solange, bis es irgendeiner neuen Bürgerinitiative nicht passt und sie mit einer anderen lustigen Kreativdemo vor deren Bürofenstern aufmarschiert. Und dann wird es auch wieder heißen, wie schrecklich überraschend doch alles gekommen ist. Wetten?

    Nix für ungut.

    Ein B15 Anwohner

    PS: Dass die Initiative, die die Trasse von ihrem alten Verlauf gekickt hat, nun, da die Sache vor ihrem Gartentürl verschwunden ist, allzeit großzügig den stellenweisen dreispurigen Ausbau der bestehenden B15 anbietet, dazu könnte man schon sagen: Ein Schelm, wer böses dabei denkt…. Ob da manch einer, egal ob drei oder vierspurig, nicht vielleicht den „Sie ist weg von mir“ – Status einfach nur sichern möchte, völlig egal wie sich der Verkehr künftig entlang der bestehenden Strecke tatsächlich entwickelt?

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    1. Lieber B15-Anwohner,

      bei den Protesten der vielen BI’s soll es unter anderem genau nicht darum gehen, nur zu schauen, dass die Route nicht vor der eigenen Haustür verläuft, sondern dass insgesamt ein für alle akzeptables Konzept gefunden wird, dass zur Verkehrsentlastung beiträgt, Mensch, Umwelt und den Geldbeutel schont und dabei auch die Schiene nicht vernachlässigt.

      Das der Verlauf momentan ein anderer ist, hat, glaube ich, alle überrascht und es wird sicher nicht die letzte Änderung sein. Gerade in den südlichen Abschnitten ist man in die Feinplanung wohl noch gar nicht eingestiegen.

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      1. B15 Anwohner

        Lieber Christian,

        Genau da liegt m.E. der Irrtum. Ich nehme mal an, dass Du Mitglied einer Gegner-Initiative bist, also kannst Du mir ja evtl die Frage beantworten: Was soll das den für ein verzauberter Wundergarten sein, wo LKW Fernverkehr niemanden stört? Nein, dieser Verkehr fährt schon jetzt zur Genüge auf der B15, er wird auch weiter fahren und er wird, wie oben erläutert, auch immer mehr fahren. Kommen die drei Spuren, wie es auf jeder Gegner-Versammlung und in jeder Berichterstattung darüber als Ziel Nummer 1 dargestellt wird, dann steigt der Verkehr. Die jetzigen Anwohner werden es nicht akzeptieren wollen, aber eben müssen. Weil sie es eh schon immer vor der Türe hatten, können sie es deshalb auch weiter ertragen und gerne auch noch ein bisserl mehr aushalten. Das Lied der ewigen Festsetzung der Fernverkehrsroute durch Ihre Heimat mit samt dritter Spur sollen die heutigen Anwohner jetzt begeistert im Solidaritätschor mitsingen, während entlang der – wie erwähnt seit Jahrzehnten veranschlagten – Trasse über Rechtmehring und Pfaffig, die uns heutigen Anwohnern eine Hoffnung war, weiter die Vöglein zwitschern. Gerecht? Nicht unbedingt! Ob ich Lust dazu habe, der Initiative zu helfen? Nicht unbedingt! Also warum erzählt man dann ständig, dass am Ende alle glücklich und froh werden und mit allen solidarisch sein sollen?

        Dass „wir da unten“ es „denen im Miniterium“ zeigen und dann alle zufrieden heimgehen, das ist doch blanke Illusion. Verhindert man die Autobahntrasse über Pfaffing, plant die mit der Schaffung einer Nord-Süd-Fernroute im Osten Münchens beauftragte Autobahndirektion (welch völlig unfassbare Überraschung!!!) eben eine neue Trasse, die dann blöderweise zwischen Gabersee und Reitmehring durchläuft. Lässt man alles so, wie es ist, bleiben auch alle Probleme, wie sie sind. Leitet man, wie man von örtlichen Abgeordneten schon hörte, den Verkehr auf östliche Routen wie die B20 werden sich eben dort die Anwohner beschweren. Die können einem genauso Leid tun und die sammeln vielleicht sogar noch drei Scheitel und fünf Postkarten mehr zum Sturm aufs Innenministerium. Leitet man über München werden die Pendler, die jetzt schon im Stau um die Metropole stehen, sich nicht freuen. Nimmt man dann doch wieder diese alte Trasse, werden Freimehringer usw. wieder zu Recht verzweifelt sein. Wir können es als Gemeinde in die Nachbargemeinde schieben, wir können es als Altlandkreis in die Nachbarregion schieben, wir können es als Südostbayern geschlossen Richtung Westen schieben, wir können die Gruppe derjenigen, die miteinander solidarisch sein sollen, so groß machen, wie wir wollen: Einen anderen triffts immer, auch wenn die Politik und mache Initiativen derzeit ständig etwas anderes erzählen möchten.

        Dieser andere wird sich auch immer wehren, was ihm ja in einem gottseidenk pluralistischen Staat durchaus zusteht. Sogar, um das Prinzip mal an anderem Thema aufzuziehen, wenn man mitten im tiefen Staatswald von Pfaffing Windräder für die Energiewende aufstellen will, findet sich, auch wenn man entfernter von Wohnbebauung kaum bauen kann, auch wenn Verspargelung und Schattenwurf dort wohl am aller erträglichsten wären, eine Initiative von offensichtlichen Waldbewohnern, die dagegen vorgeht. Man stelle den Tetrafunkmast bzw. Handymast bzw. Stromleitungsmast hierhin oder dorthin oder 1 km weiter – es wird sich jemand finden, dem das nicht passt. Baut man die Deponie nicht in Babensham, wird sie woanders gebaut, wo die Natur laut dortiger Ortsgruppe des Bund Naturschutz urplötzlich MINDESTENS genauso einzigartig ist. Es ist doch immer das selbe Spiel. Also warum wird den Leuten erzählt, dass am Ende alle happy sein werden? Warum verzapft man dieses „Die bösen Konzerne und die böse Politik vs. das gesamte bayerische Volk“ Gedöns? Die Dinge sind halt nicht so einfach, dass man die Patentlösung für alle Bürger und Interessen auf ein Holzscheitel pinseln kann. Es erfordert Sachlickeit, nicht das Recht des Lauteren…

        Warum entschließt man sich nicht, dass man eben da baut, wo die wenigsten betroffen sind und fertig? Also Menschen mein ich jetzt, nicht FFH-Gebiete und die Fische in der Attel…. Auf den Versammlungen der Gegner sind mir die Ausführungen einer Referentin sehr aufgestoßen, die erläuterte, dass z.B. die Bürger in Landshut gar keine Ortsumfahrungen bräuchten, obgleich die B15 mit all ihren LKWs heute mitten durch den Kern der Stadt geht. Dass die Bürger von Neufahrn und Ergoldsbach durch die niederbayerische B15n überhaupt nicht entlastet wurden, obgleich die B15 mit all ihren LKWs mitten durch ihre Haupt- und Geschäftsstraßen führte. Kennt die Frau diese Orte überhaupt? Traut sie sich das den Anwohnern auch ins Gesicht sagen? Hat sie da schon eine Nacht geschlafen? Ich glaube nicht…

        Nun bleibt das Klassikerargument überhaupt: Die Schiene. Abgesehen von der Tatsache, dass sich die allermeisten Firmen Bayerns mit einigem Recht kaum dafür interessieren… Stellen wir es uns doch mal vor: Wir packen die Frachten der LKWs auf die Schiene und wollen von Regensburg ins Inntal. Fahren wir über München, wird man feststellen, dass das Netz da, ähnlichn wie auf der Autobahn, schon überlastet ist. Und dann wird die Forderung ergehen, dass Bayern doch eine zweite leitungsfähige Nord-Süd-Schienenverbindung im Osten Münchens brauchen könnte. Und siehe da: Es gibt eine. Landshut – Mühldorf – Wasserburg – Rosenheim und dann direkt rein in den Brennerbasistunnel. Was glaubst Du, wie furchtbar sich die Anwohner in Gars Bahnhof, Soyen, Reitmehring usw. freuen, wenn dann des Nachts nicht die netten roten Lokalbahnen, sondern schwerste Güterzüge durch die Dörfer rattern?

        Nix für ungut,

        Ein B15 Anwohner

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