„Gewöhne mich langsam an den Gedanken“

Moana Bolfeta vom Innkaufhaus in Wasserburg zieht Bilanz - Am 17. Dezember ist Schluss

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dsc_0201Die Nachricht schlug in Wasserburg ein wie eine Bombe: Das Innkaufhaus schließt nach 46 Jahren zum Jahresende seine Pforten. Moana Bolfeta, Geschäftsführerin des Hauses, musste das Aus nach einer Betriebsversammlung Ende Juni bekanntgeben. Das war vor drei Monaten (wir berichteten ausführlich). Wie ist es dem Haus und den Mitarbeitern seither ergangen? Wie geht es bis zur endgültigen Schließung am 17. Dezember weiter? Zeit für eine Bilanz …

2016-09-30-photo-00000548„Es ist traurig und schön zugleich, wie viele Menschen die Schließung unseres Kaufhauses bewegt. Langsam gewöhne auch ich mich an den Gedanken, dass ich nächstes Jahr nicht mehr jeden Morgen ins Innkaufhaus gehen werde“, sagt Bolfeta und man sieht es ihr an, dass ihr der Schritt, das Haus zu schließen, nicht leicht fällt.

„Ich wollte einfach rechtzeitig die Reißleine ziehen, bevor jemand zu Schaden kommt. Sicher hätten wir auch ein, zwei Jahre so weiterarbeiten können, dann wäre es aber finanziell wirklich gefährlich geworden.“ Das Internet und sinkende Umsatzzahlen hätten dem Einkaufs-Dinosaurier immer mehr zugesetzt.

„Die ersten beiden Wochen nach der Entscheidung waren wir alle und ich im Besonderen wie vor den Kopf gestoßen. Dann haben wir uns aber wieder gefangen. Es musste ja weitergehen.“ Im Frühjahr haben man noch jede Menge Waren für den Herbst und Winter geordert. „Damals wussten wir ja noch nicht, dass wir zusperren.“ Man habe sogar neue Lieferanten an Land gezogen.

Deshalb sei das Innkaufhaus nach wie vor auch vom Sortiment her bestens aufgestellt. „Und das goutieren auch die Kunden. Wir haben seit ein paar Wochen prima Umsätze. Leider kommt das zu spät. Dennoch freuen wir uns natürlich über jeden, der unser traditionsreiches Haus besucht.“ Es sei unglaublich, wie viele Stammkunden sich weiterhin im Innkaufhaus blicken ließen. „Da gibt es Menschen, die trauern unserem Haus regelrecht nach und tun uns das auch kund.“

Als Bolfeta die Nachricht von der Schließung bekanntgab, gab es bei der Belegschaft Tränen. „Wir haben schon ein bisschen gebraucht, um die Fassung wieder zu erringen. Dann ging’s aber weiter wie gewohnt. Unsere Mitarbeiter sind fleißig. Niemand lässt sich hängen. Das ist einfach toll.“ Natürlich hätten sich auch einige Mitarbeiter bereits etwas Neues gesucht. „Das ist doch klar. Wer auf das Gehalt als Alleinverdiener angewiesen ist, braucht natürlich eine längerfristige Sicherheit. Ich verstehe das sehr gut.“ Andererseits habe es keine wirkliche Personalflucht gegeben. „Die meisten gehen mit uns am 17. Dezember über die Ziellinie.“

Wie es jetzt mit dem Haus in der Ledererzeile weitergeht, ist noch unklar. „Das entzieht sich meiner Kenntnis. Der Besitzer wird sicher eine gute Lösung finden. Aber ein Kaufhaus in der jetzigen Form wird’s wohl nicht mehr sein. Das ist in unserer Zeit ein Auslaufmodell“, sagt Moana Bolfeta.

Und wie geht es mit ihr nach dem 17. Dezember weiter? „Da sind noch viele Dinge abzuwickeln. Danach muss ich einfach abtauchen. Ich bin richtiggehend ausgebrannt. Wie es beruflich für mich weitergeht, das steht in den Sternen.“ HC

 

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