Gegen die „Qual des Herumreisens“

Hauptausschuss der Stadt Wasserburg beschließt Einschränkungen für Zirkusbetriebe

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zirkus-1040x900Keine Vermietung oder Verpachtung städtischer Flächen an Zirkusbetriebe, die Wildtiere mit sich führen – diesen Antrag stellten die Grünen im Hauptausschuss der Stadt Wasserburg. „Wir wollen damit einfach darauf hinweisen, dass es für viele Tiere eine echte Qual ist, mit den Betrieben herumzureisen. Wir können den Zirkusbetrieben zwar nicht vorschreiben, mit welchen Tieren sie in Wasserburg auftreten, aber wir können gegebenenfalls unsere öffentlichen Flächen für sie sperren.“

Genau damit aber hatte Oliver Winter (CSU) so seine Schwierigkeiten: „Ich kann den Antrag der Grünen sehr gut verstehen und bin auch voll dafür. Ich frage mich aber, ob wir damit das Problem nicht nur verlagern. Ich befürchte, dass der eine oder andere Zirkus dann einfach auf private Flächen ausweicht. Das hatten wir ja erst kürzlich in Reitmehring.“ (Foto).

Einig waren sich die Räte, dass man für eine entsprechende Regelung der Verwaltung eine Liste an die Hand geben muss, welche Tiere speziell geschützt werden sollten.

Während Stadtkämmerer Konrad Doser eine „Liste schützenswerter Tierarten“ nach dem so genannten Landesstraf- und Verordnungsgesetz (LStVG, siehe unten) vorlegte, wollte Werner Gartner (SPD) lieber auf eine Liste zurückgreifen, die vom Bundesrat vorgeschlagen wird und die nicht ganz so umfassend ist.

Auch er zeigte sich grundsätzlich mit dem Antrag der Grünen einverstanden. „Allerdings habe ich schon ein bisserl Bedenken, das Verbot von Wildtieren zu allgemein zu fassen. Ich denke da an den kleinen Mitmach-Zirkus, der alle Jahre nach Wasserburg kommt, den wir mit ganzen Schulklassen besuchen und der pädagogisch wirklich wertvoll ist. Auch der hat vermutlich das eine oder andere Tier dabei, dass wir mit einer zu umfassenden Liste ausschließen würden.“

„Ganz oder gar nicht“ – das war in der Listen-Frage die Meinung von Wolfgang Janeczka (SPD). Wenn, dann müsse die Regelung für möglichst viele Tiere gelten. „In einem klassischen Zirkus werden nicht nur Wildtiere wie Bären dressiert und drangsaliert, sondern auch Ponys oder Pferde.“ Er forderte deshalb „gleiches Recht für alle Tiere“.

Ins selbe Horn stieß Edith Stürmlinger (Bürgerforum). „Ich bin ebenfalls für den Schutz und die artgerechte Haltung aller Tiere. Ich tue mich schwer, da Unterschiede festzumachen. Andererseits sollte es einem Zirkus schon ermöglicht werden, in Wasserburg Halt zu machen.“

Christian Stadler wies dann noch darauf hin, dass man von Seiten seiner Fraktion nichts gegen Zirkusbetriebe habe. „Nach Wasserburg kommen eh nur die kleineren. Für die ist eine Wildtierhaltung oft finanziell extrem belastend. Sie leisten sich das oft nur aus einer gewissen Konkurrenzsituation heraus. Vielleicht zeigen wir ihnen damit einen anderen Weg auf.“

Der Hauptausschuss entschied sich letztlich mit fünf gegen zwei Stimmen für die umfangreichere Liste nach dem Landesstraf- und Verordnungsgesetz.

Auf der stehen auf Position eins: Männliche Riesenkängurus.

Das bewog Konrad Doser dazu, nochmals mit leichtem Schmunzeln nachzuhaken: „Für die Verwaltung wäre es schon besser, wenn wir nicht zwischen Männchen und Weibchen unterscheiden müssten. Bei Riesenkängurus geht das vielleicht noch relativ einfach. Bei anderen Tierarten könnte das schon schwierig werden.“ HC

Wenn ein Zirkus eines der Tiere auf dieser Liste mitführt, soll er künftig in Wasserburg keine öffentlichen Flächen mehr anmieten können … 

 

 

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10 Gedanken zu „Gegen die „Qual des Herumreisens“

  1. In Wasserburg wird in etwa seit 2-3 Jahren alles verboten, bei dem man Spaß haben könnte. Siehe Altersdurchschnitt der Stadt.

    Die setzen sich durch und gewinnen dadurch bald eine tote Stadt, weil alle wegziehen. gg

    Wer denkt, dass das mit dem Leben der armen Tiere zu tun hat. Jo, bald kommt der Weihnachtsmann 😉

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    1. Genau, Hauptsache Spaß haben – egal ob jemand anders drunter leidet

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    2. hallo pat, es ist wahr, dass das leben in der stadt zurückgeschraubt wird: das fing beim traditionellen taubenmarkt an, es gibt keine nacht der blauen wunder mehr, gestern konnte man hier lesen, dass der weihnachtsmarkt sich finanziell nicht lohnt – vielleicht wird der auch bald abgeschafft? undsoweiter undsoweiter.

      doch da sind nicht die alten mitbürger schuld: ich als ältere bürgerin liebe und brauche auch eine lebendige stadt!

      schuld sind übertriebene auflagen und natürlich, dass etwas finanziell lohnend sein muss, um durchgeführt zu werden.

      wie schade.

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    3. In Bayern heißt das immer noch Christkind , was da bald kommt !
      Bei einem muss ich ihnen Recht geben , wenn nicht mehr bei uns in Wasserburg , dann eben wo anders , die Tiere sind den meisten eh egal und wir können die Welt nicht retten , aber versuchen sie ein wenig besser zu machen !
      Das andere mit dem Altersdurchschnitt und den Verboten, dazu muss ich sagen : wie würde Ihnen es gefallen, wenn betrunkene „Wildbisler“ und lärmende “ Kotzbrüder“ , sowie randalierende “ Vandalen“ , das alles vor Ihrer Haustüre machen? Würden Sie sagen das sind die Alten ? Weil wegziehen müssten die Alten die sich hier in Wasserburg bis dahin wohlgefühlt haben und sich das einfach nicht kaputt machen lassen wollen.
      Ich empfehle Ihnen mal das Buch von dem ehemaligen Herausgeber der FAZ Frank Schirrmacher „Das Methusalem – Komplott “ zu lesen , eventuell ändert sich die Sicht Ihrer Dinge etwas.
      Die Klugheit lehrt,dass, wer voll Scham nachtschwarze Tat nicht flieht , kein Mittel scheut das sie dem Licht entzieht. ( William Shakespeare )

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      1. @rosa: Ich mag ihre Einstellung, aber wenn man die meisten Kommentare hier liest (zu anderen Themen, wie zb in den Rubriken letztens, das Wasserburg eben immer stiller wird), muss man leider denken das sie mit dieser Einstellung eher alleinstehen unter gleichen. Leider.

        @Weitdenker: Leider hab ich momentan wenig Zeit, um mir ein komplettes Buch zu Gemüte zu führen, und wenn wäre es eher eins der gefühlten 5 Dutzend, die ich unbedingt noch lesen will – und da zählt dieses bis jetzt nicht dazu.
        Zur Sache: Nein, Das würde mir NICHT Gefallen. Aber ich hab eben auch lange Zeit in der Altstadt gewohnt, und damit gelebt (das war vor etwa 10 Jahren, als da noch um einiges mehr los war als heute!). Und die Maßnahmen, die in der Zwischenzeit getroffen wurden, haben die Altstadt leider in sämtlicher Hinsicht ausgetrocknet, und geschwächt noch dazu (#Innkaufhaus). Aber wenn ich Ihnen etwas empfehlen darf: Machen sie doch einfach mal einen Tagesausflug nach Trostberg. Da sehen sie die zeitnahe Zukunft unserer Stadt in ihrer vollen Grausamkeit. Dafür gibts aber keine „Wildbisler“ mehr 😉 Und sonst halt auch nichts mehr. Guter Tausch?

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        1. Wasserburger Grantler

          ist schon eine bemerkenswerte Logik, Wildbisler sichern Erhalt des Innkaufhauses. Nein, diesen Tausch will ich nicht!!!

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          1. @Wasserburger Grantler: Ich tue mal für einen Moment so, als würde ich dich ernst nehmen:

            Weitdenker hat Jugendliche mit „Wildbislern“ gleichgesetzt. Nicht ich. Der Schluss, den du daraus ziehst, ergibt wie das meiste, was du hier so schreibst, leider keinen Sinn.
            Dass die ganze Zirkussache nicht durchdacht (daraus leite ich Aktionismus ab) war, kann man auch hier nachlesen: http://www.wasserburger-stimme.de/schlagzeilen/liste-der-tiere-ergibt-keinen-sinn/2016/10/08/
            Lesen, denken, schreiben. Oder einfach sinnlos rumgranteln, aber das scheint ja wie benannt, der Plan zu sein.

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      2. Darum finde ich es ja gut dass Wasserburg den Schritt macht (wie andere Gemeinden auch schon) und Zirkussen keine Fläche mehr bietet bzw Auflagen erteilt.
        Heutztage ist es dank Internet und Fernsehen leicht, die Tiere in ihrem natürlichen Umfeld anzusehen. (Wild-)Tiere gehören nicht in die Manege wo sie Sitz und Platz machen sollen.
        Die Welt können wir nicht retten, aber versuchen sie besser zu machen – genau meine Meinung. Deswegen muss das Thema Tierschutz immer wieder ins Bewusstsein der Menschen gebracht werden, dass langsam ein Umdenken statt findet

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  2. Es ist traurig, zu sehen, dass quer durch die Parteien auf den Gutmenschen-Öko-Bevormundungs-Mainstream aufgesprungen wird, da diese oder jene Ansicht eben gerade en vogue ist. Das betrifft ja nicht nur das Herummäkeln an Tierhaltung im Circus, sondern viele andere Bereiche des täglichen Lebens.

    Anstatt sich mit Einzelfällen auseinanderzusetzen und von Fall zu Fall berechtigte Verbote auszusprechen, da es selbstverständlich Unternehmen gibt, welche ihre Tiere nicht gut halten, springt man auf einen Zug auf, der ungebremst eine jahrhundertealte kulturelle Tradition zerstört. Ich erinnere mich nur zu gern an den vielfältigen Geruch der verschiedenen Tierarten und das Raunen, das durchs Zelt ging, wenn mächtige Elefanten oder elegante Raubtiere auftraten. Dies war ein echtes Live-Erlebnis, das einem in Erinnerung blieb und vielleicht sogar eine gewisse Liebe zu den Tieren vermittelte, weil man eine unmittelbare Verbindung herstellen konnte. Dies sind Erfahrungen, die vielen Kindern heute verwehrt bleiben und die nicht durch digitale Retortenlinks per Tablet o.ä. ersetzt werden können.

    Schade, dass hier nicht differenzierter vorgegangen wurde, sondern sich willfährig eine Meinung zu Eigen gemacht wird, welche ursprünglich nur die verquere Weltsicht einer uninformierten, an einer differenzierten Beurteilung überhaupt nicht interessierten, aber dafür sich dafür laut gebärenden Minderheit darstellte. Ich habe es oft genug erlebt, dass ein Mob vor Unternehmen lautstark gegen Tiere demonstriert hat, welches dann letztendlich überhaupt keine Tiere mit sich geführt hat.

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  3. ALso, das ist nun schon ein kleiner Aaufreger für mich was „die Grünen“ hier aufs Tablett bringen? OB und WAS „artgerecht“ ist, da braucht man keine Zirkusse hervorhebend bemäkeln. Da braucht man nur schauen, WER alles WIE seinen Hund, seine Katzen und Nager hält…. Ich könnte mir vorstellen, dass die Zirkusse sowieso Auflagen haben, und auch kontrolliert werden! Diese Zirkusse dann durch Pseudowissen, ( was Tierhaltung und Zirkusziere betrifft!!!) und weil man Position beziehen möchte so auszugrenzen und zu Maßregeln ist falsch. Wenn man grundsätzlich keine Wanderzirkusse haben will, dann gibt man Ihnen einfach keinen öffentlichen Raum und man kann seine Rathaus Hände in Unschuld waschen, Befürworter dieser Praxis sollten dann aber auch keine Zoos mehr besuchen und dafür durchaus mal in den nächsten Karnikelkäfig schauen, wo oft Einzeltiere ohne Zuspruch und Auslauf ihr Leben fristen – diese werden oft einmal zur Schau gestellt an Weihnachten und vergessen bis Pfingsten…. Tiere im Zirkus leiden hingegen sicher nicht an Verhaltensstörungen wie webende und koppende Pferde ( aus Langeweile) oder TIerkrankheiten wie Hunde die Übergewicht haben oder zubeißen, weil ihnen keiner Disziplin beigebracht hat. ZIrkusse mögen andere Probleme haben, aber es ist nicht fair sie so darzustellen, als würden sie die Tiere nur quälen. SIe leben von und mit ihnen! Sie Sehen vielleicht sogar noch mehr die natürliche Kreatur in ihnen als so mancher Haustierbesitzer um‘ s Eck, der seinen Vierbeiner bestenfalls noch vermenschlicht, meistens aber nicht richtig versteht oder artgerecht behandelt! Die großen Wildtiere, wie Löwen und Bären, dies wurde ja aber schon festgestellt findet man -in diesen Zirkussen eh nicht mehr. Ist mit Sicherheit auch gut so. Die restliche Diskussion sollte man sich sparen! Und ein letztes noch, als Zustimmung zum Kommentar von rosa l…..Was keinen Profit mehr für die Stadt bringt, wird nicht mehr unterstützt., ich empfinde es langsam leider genauso . Wo bleibt denn hier das Herz der Stadt???

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