Für die Bergwacht: Mit einem Südtiroler hoch hinaus

Hans Kammerlander und Bilder, die für sich sprechen - Wasserburger Publikum fasziniert

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2Sein erster Berg war mit acht Jahren der Moosstock, ein Dreitausender mit Pfiff. Er versteckte seine Schultasche und stieg heimlich hinter zwei Touristen her, um zu schauen, was ihn dort oben auf dem Gipfel wohl erwarte. Niemand – am allerwenigsten Hans Kammerlander selbst – konnte ahnen, dass an diesem Tag eine besondere, alpinistische Karriere beginnen würde, die ihn zu den höchsten Gipfeln der Welt führte. Über die Matterhörner dieser Welt berichtete der außergewöhnliche Bergsteiger aus Südtirol jetzt bei einem Benefizabend zugunsten der Wasserburger Bergwacht (Foto). Dafür dankte ihm Andi Roder recht herzlich. Vor vollem Haus im Rathaussaal …

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Das sind sie – die stillen Helden der Wasserburger Bergwacht. Bereitschaftsleiter ist Simon Bierwirth, sein Stellvertreter Felix Mühlhuber. Ausbildungsleiter ist Stefan Hannl.

1Nach dem Moosstock die heimatlichen Berge Südtirols, die Zillertaler Alpen, die Rieserferner-, die Durreck-Gruppe, die Dolomiten, später Ortler, Mont Blanc, Matterhorn und die Eiger-Nordwand – dort überall hat der Südtiroler Extrem-Alpinist Spuren hinterlassen. Schließlich sieben Achttausender zusammen mit Reinhold Messner. Dann fünf weitere.

Hans Kammerlander (Foto) gehört zu den außergewöhnlichen Bergsteigern unserer Zeit. Er hat zwölf der vierzehn Achttausender bestiegen und als erster die Seven Second Summits auf allen Kontinenten, nach einer der beiden Versionen. Er ist vom Mount Everest und vom Nanga Parbat mit Ski abgefahren. In seiner Vita stehen rund fünfzig Erstbegehungen und fast sechzig Solo-Klettereien in schwierigen Alpen-Wänden.

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Wasserburger Bereitschaftsleiter auf einen Blick: Von links Alois Schmid, Robert Pötzsch, Winfried Eß, Andreas Burlefinger, Andreas Roder und Andreas Hartl.

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Der aktuelle Bereitschaftsleiter: Simon Bierwirth.

Er gilt als einer der ganz großen Allrounder des Alpinismus, gleichermaßen souverän in Fels, Eis und in extrem großen Höhen. Mit den Vorträgen über seine vielen Erlebnisse begeistert er seit vielen Jahren ein breit gefächertes Publikum und eine große Schar von Anhängern. Fast drei Jahrzehnte war Hans Kammerlander jedoch auch Teil einer Maschinerie im Profi-Alpinismus, getrieben von immer neuen Projekten, verstrickt in einen bisweilen unheilvollen Wettlauf, in dem sich eine ganze Generation von Höhenbergsteigern zu immer neuen Höchstleistungen angetrieben hat.

matterhorn„Das war ein Weg voller Erlebnisse und teilweise sehr intensiver Erfahrungen“, sagt Hans Kammerlander, „aber es war auch oft eine stressige Zeit, zwischen Expeditionen, Bergführer-Tätigkeit, Vorträgen und den vielen Verpflichtungen“. Daran hat sich inzwischen so einiges, wenn nicht alles geändert. Nicht dass Hans Kammerlander müde geworden und es leid wäre, sich seiner Leidenschaft zu widmen. Er geht die Dinge inzwischen anders an. Entspannter.

Die Bilder und Filme des Abends sprechen für sich. Das Wasserburger Publikum ist fasziniert. Ein Benefizabend, den die Volksbank-Raiffeisenbank Wasserburg mit einer großzügigen Spende ermöglicht hat.

„Ich habe mich auf die Suche nach den schönsten Bergen gemacht“, sagt Kammerlander. Und weil Schönheit allein im Auge des Betrachters liegt, ist es natürlich eine durchaus subjektive Auswahl. „Nachdem ich die Seven Second Summits hinter mir hatte und dabei wieder nur auf die Höhe geschaut wurde, wollte ich etwas machen, dass ich allein bestimmen kann“, sagt er heute, wenn er eine Reihe von Fotos heraus zieht und sie dem staunenden Betrachter präsentiert.

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Er begrüßte und überreichte ein Geschenk an Kammerlander für den großartigen Abend: Andi Roder von der Wasserburger Bergwacht.

Kaum zu glauben, all die Berge auf den Fotografien ähneln dem Matterhorn in der Schweiz. Der Shivling in Nordindien, die Ama Dablam unweit des Mount Everest in Nepal, der Mount Assiniboin in den kanadischen Rocky Mountains, der Stetind in Norwegen, der Mount Belalakaja in Russland – allesamt kühne, steil aufragende Obelisken. So schön geformt wie ein Bergkristall und irgendwie alle mit deutlichen, teilweise frappierenden Ähnlichkeiten zum Matterhorn. Steile, scharfe Grate, grandiose Wände und wenn man oben ist, beeindruckende Tiefblicke.

„Das Matterhorn hat viele Zwillinge“, sagt Kammerlander. Dominant stehen sie da, die Schönsten der Schönen. Und endlich kann der Südtiroler einmal frei und nach Herzenslust wählen. Nicht die Zahl vierzehn steuert ihn, wie bei den Achttausendern, nicht eine skurrile Diskussion um Höhenangaben, wie bei den Seven Second Summits und auch nicht das Maß an Schwierigkeiten. „Es geht nur noch um schön, schön, schön und noch mal schön“, erklärt Kammerlander und fügt leise an, „ich brauche das Schulterklopfen nicht mehr und es fehlt mir inzwischen an Motivation, dem nachzujagen.“

Viel Abwechslung und eine Reise in schöne Länder und Gebirgsregionen bot der Abend in Wasserburg. Zwischen Fels und Eis, Landschaften und Kulturen, voller Emotionen und vieler spannender Geschichten – als schöne, finanzielle Unterstützung für die wertvolle Arbeit der Wasserburger Bergwacht.

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Die Geschichte der Wasserburger Bergwacht

1938 – Die Gründung

Im Juni 1938 gründeten 16 junge bergbegeisterte Wasserburger die Wasserburger Bergwacht. Die Gründungsversammlung fand im damaligen Cafe Heilmannseder (jetzt Palmano 1) in Wasserburg statt.

1938 bis 1942 – Mit dem Rad ins Dienstgebiet

Bergwacht Wasserburg Rettungsübung mit dem Gramminger-Sitz am Staffelstein (Kampenwand)
Abseilen mit dem Gramminger-Sitz

Zur Bereitschaft gehörte bis 1948 auch eine Ortsgruppe aus Rott am Inn. Zunächst wurde, zusammen mit anderen Bereitschaften das Sudelfeld, der Brünnstein, der Wendelstein, der Spitzstein und das Gebiet um die Oberlandhütte auf der Hochries betreut. Nach der Arbeit am Samstag schwangen sich die jungen Idealisten auf ihr Fahrrad, um in das zugeteilte Dienstgebiet zu kommen. Wenn das Geld reichte, wurde mit dem Zug gefahren. Um ein paar Pfennige zu sparen, manchmal auch auf der zugigen Plattform eines Güterwagons.

1942 – Die Kampenwand wird als Dienstgebiet zugewiesen

Winterübung

Am 11. Juni 1942 wird der BW Wasserburg das heute noch von ihr betreute Dienstgebiet, der Bereich der Kampenwand zugewiesen.

1943 – Neuer Dienstraum auf der Steinlingalm

Zunächst war man auf der Schlechtenbergalm untergebracht. 1943 zogen die Bergwachtmänner dann um, nachdem ihnen in der Steinlingalm ein Raum zur Verfügung gestellt wurde.

1945 – Dienstaufnahme nach dem 2. Weltkrieg

Obwohl der 2. Weltkrieg auch bei der Bergwacht seine Spuren hinterlassen hatte, fast alle Bergwachtler waren eingezogen und einige sind dabei auch zu Tode gekommen, konnte am 22. Juni 1945 der reguläre Dienstbetrieb wieder aufgenommen werden. Trotz Versammlungsverbot traf man sich in einer Kürschnerwerkstatt in der Schmidzeile, was den Ordnungshütern nicht verborgen blieb. Die anwesenden Bergwachtmänner wurden deshalb unweit des Versammlungsortes für den Rest der Nacht im Gefängnis auf der Burg festgehalten.

1946 bis 1948 – Neubau der Diensthütte

Das bedeutendste Datum in der Geschichte der Bereitschaft dürfte der 17. August 1946 gewesen sein, für diesen Tag findet sich im Hüttenbuch der lapidare Eintrag ‚Hüttenbau, angefangen mit Grundausheben’. Wochenende für Wochenende und Urlaub für Urlaub bis zum 26. September 1948 hin, legten sich sämtliche Mitglieder gewaltig ins Zeug, um zur Kostenersparnis in Eigenarbeit die Bergwachthütte an ihrem heutigen Standort zu errichten. Ein Großteil des Materials muß auf dem Rücken von Aschau aus hinaufgetragen werden, schwere Lasten können teilweise mit einem Pferdefuhrwerk oder mit einem Kettenkrad, welches zugleich unser erstes Dienstfahrzeug war, gefahren werden. Weder die Diensthütte noch die Bergwachtbereitschaft als solche gäbe es heute, wenn wir nicht stets von der Bevölkerung mit Geld und Sachspenden unterstützt worden wären. Die Förderung durch den Staat setzte erst wesentlich später ein.

Der Idealismus der Bergwachtmänner mußte, wie sich in einem Schreiben aus den spärlichen Aufzeichnungen, vom 24.01.1947, nachlesen läßt, soweit gehen, daß diese ihre Versicherungsprämie für Dienstunfälle von 1,70 RM selbst bezahlen mußten.

Nach der Währungsreform mußte das Bergwachtpräsidium in München alle Zahlungen einstellen. Der Hüttenbau drohte zum Erliegen zu kommen, doch schon waren wieder Förderer und Gönner zur Stelle, die uns tatkräftig mit Materialspenden unterstützten.

So fand am 26 September 1948 die Einweihung der Hütte durch den Geistlichen Rat Köstler statt, zu der die interessierten Wasserburger sogar mit 2 Bussen angereist waren.

1947 – Erstes eigenes Dienstfahrzeug

1947 erhielten die Wasserburger Bergwachtler einen Schwimmwagen (!) als Dienstfahrzeug. Schon 1952 konnten sie sich dann einen eigenen VW-Bus als Mannschaftstransporter anschaffen. Und da Bundespräsident Heuss gerade seinen Urlaub in Aschau verbrachte, trug auch er mit einer Spende zur Finanzierung des Fahrzeuges bei.

1957 – Eröffnung der Kampenwandseilbahn

Als dann 1957 die Kampenwandseilbahn eröffnet wird, erleichtert sich der Anmarsch zum Dienstgebiet etwas. Ebenso die Versorgung der Hütte mit Marterialien aller Art; z.B. mit dem Brennstoff Kohle. Aber damit nahm auch der Tourismus ins Priental und auf die Kampenwand spürbar zu. Die Abtransporte der Bergwacht vervierfachten sich innerhalt weniger Jahre.

1963 – Großes Lawinenunglück

Ein großes Lawinenunglück ereignete sich 1963, als 3 Skifahrer unterhalb der Steinlingalm aus Richtung Gederer kommend verschüttet wurden. In einer großen Rettungsaktion im Zusammenwirken mit den Nachbarbereitschaften und Einsatzkräften der Bundeswehr konnten sie leider nur noch tot geborgen werden.

1967 – Deutsche Skimeisterschaften auf der Kampenwand

Im Februar 1967 finden erstmals die Deutschen Alpinen Skimeisterschaften auf der Kampenwand statt. Einer der Starter war der damals noch sehr junge Christian Neureuther, Sohn des damaligen Landesarztes der Bayerischen Bergwacht.

1980 – Bau des Almwirtschaftsweges auf die Kampenwand

Im August 1980 wurde der Almwirtschaftsweg auf die Kampenwand fertig gestellt – und für die Wasserburger Bergwachtler, wieder mit viel Unterstützung von Institutionen, Firmen und Privatpersonen, ein Geländefahrzeug notwendig. Damit konnte eine noch schnellere Hilfeleistung erreicht werden und die Hüttenversorgung erleichterte sich erheblich. In der Nachfolge der kommunalen Gebietsreform wurde der große BRK-Kreisverband Rosenheim gegründet. Etwa zur gleichen Zeit wurden bei den Landratsämtern die Rettungsleitstellen eingerichtet. Von dort wurden nun die Rettungsdienste zwischen Berg und Tal koordiniert und es entwickelte sich seither eine nachhaltige und erfolgreiche Kooperation.

1985 – Bau des Stützpunktes in Wasserburg

Garagenbau in Wasserburg

1985 – … krempeln alle wieder ihre Ärmeln hoch, nachdem die Stadt Wasserburg im oberen Burgerfeld ein Grundstück zur Verfügung gestellt hat, welches wir zusammen mit dem BRKKreisverband Rosenheim bebauen können. Wir müssen uns unseren Gebäudeanteil selbst finanzieren. Mit Eigenmitteln von DM 20.000,- und der tatkräftigen Unterstützung der Bevölkerung schaffen wir es, das Bauvorhaben mit einer kalkulierten Bausumme von über DM 70.000,- bis zum November 1985 zu errichten, mit Ausnahme des Kellergeschoßes ist alles Eigenarbeit.

1988 – 50jähriges Gründungsfest

Die Bergwacht Bereitschaft Wasserburg am Inn feiert ihr 50 jähriges Gründungsjubiläum. Die Diensthütte auf der Kampenwand gibt es seit 40 Jahren.

1989 – Gründung der Jugendgruppe

Um die Nachwuchsarbeit kümmern sich die Wasserburger Bergwachtler seit 1989 mit einer eigenen Jugendgruppe. Damit bietet die Bergwacht jugendlichen Frauen und Männern ein abwechslungsreiches und spannendes ehrenamtliches Programm mit vielfachen Aktivitäten. Die angehenden Bergwachtler werden durch die Bereitschaft zwei Jahre intensiv für die Sommer- und Winterrettung, im Sanitätswesen und im Natur- und Umweltschutz ausgebildet und müssen am Ende drei Prüfungen absolvieren.

1995 – Flugzeugabsturz an der Kampenwand

Am 13.3.1995 stürzte ein Flugzeug der Hagelabwehr nahe der Seilbahn an der Kampenwand ab. Alle fünf Insassen überlebten den Absturz, wenn auch zum Teil schwer verletzt. Insgesamt 23 Bergwacht-Einsatzkräfte aus Wasserburg und Sachrang waren im Einsatz.

2013 – Bergwacht Wasserburg feiert 75jähriges Jubiläum

Im Jahr 2013 fanden anlässlich des 75 jährigen Bestehens der Bergwacht-Bereitschaft Wasserburg verschiedene Aktionen in Wasserburg, Aschau und auf der Kampenwand statt.

Übernächstes Jahr –  2018 – ist das 80-Jährige!

Quelle: Bergwacht Wasserburg

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