„Flüchtlinge in die Arbeitswelt integrieren“

Großer Informationsabend am Mittwoch in der Aula der Wasserburger Mittelschule

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Asylkrise„Wir wollen mit unserer Veranstaltung die Gewerbetreibenden und Unternehmer neugierig machen. Ich danke dem Arbeitskreis Schule-Wirtschaft für die Organisation dieses Abends.“ Bei Bürgermeister Michael Kölbl trafen sich jetzt der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, Jakob Grau, und der Chef des Rosenheimer Job-Centers, Franz Heuberger. Es ging um die große Info-Veranstaltung, die am kommenden Mittwoch in der Aula der Mittelschule stattfindet. Thema: Wie können Flüchtlinge und Asylbewerber in die Berufs- und Arbeitswelt integriert werden? Beginn ist um 19.30 Uhr.

Mit von der Partie beim Vortreffen im Rathaus waren die beiden Vorsitzenden des Arbeitskreises Wirtschaft-Schule, Wolfgang Helmdach und Peter Rink, Schulleiter des Luitpold-Gymnasiums. Rink: „Dass die Integration der anerkannten Asylbewerber in die hiesige Arbeitswelt nicht ganz einfach sein dürfte, ist wohl jedem klar. In den meisten Ländern, aus denen die Flüchtlinge kommen, ist eine berufliche Bildung gänzlich unbekannt.“ Auch gebe es naturgemäß sprachliche Hürden.

Dass die Sprache der Schlüssel zur Integration in die Arbeitswelt ist, das sieht auch Jakob Grau, Geschäftsführer der Rosenheimer Arbeitsagentur so. „Seminare und Kurse, nicht nur an der VHS, sind da enorm wichtig. Die Sprache liefert nicht nur Qualifikationsmöglichkeiten, sondern auch Motivation. Alles, was bei der Integration gefordert wird, hängt direkt mit den Sprachkenntnissen zusammen.“ Die Integration der Asylbewerber in den Arbeitsmarkt sei im Übrigen ein Mega-Thema, „das uns die nächsten Jahre begleiten wird“.

Wie schwer es manchmal ist, erste Hürden zu nehmen, schilderte Franz Heuberger vom Rosenheimer Job-Center. „Das ist in den verschiedenen Kulturkreisen natürlich ganz unterschiedlich. Aber es gibt schon nicht wenige Frauen, die nicht in Sprachkurse gehen dürfen, weil es ihre Männer das verbieten.“ Auch seien die Vorstellungen, mit denen manche Flüchtlinge nach Deutschland kämen, weit von der Realität entfernt. „Manche meine, bei uns fährt jeder einen dicken BMW und jeder hat sein Eigenheim mit Garten davor. Wenn sie merken, was man dafür alles tun muss, sind sie enttäuscht“, so Heuberger. „Viele Flüchtlinge, gerade aus Syrien, kommen aus höher gestellten Familien. Da ist es schwer, die in einfache Jobs zu bringen. Es gibt aber auch viele, die hochmotiviert und absolut willig sind, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“

Voraussetzung für Integration sei aber zunächst eine bessere Information – vor allem für die heimischen Arbeitgeber. Welche Möglichkeiten gibt es, Flüchtlinge oder Asylbewerber zu beschäftigen? Welche Regelungen gelten? Welche Fallstricke gibt es möglicherweise? Auf diese und ähnliche Fragen soll der Informationsabend am kommenden Mittwoch, 20. April, 19.30 Uhr, in der Wasserburger Mittelschule geben. Eingeladen sind alle Bürger aus Stadt und Altlandkreis – vor allem auch Selbstständige und Gewerbetreibende.

Kurze Impuls-Referate zum Thema halten Dieter Haggenmiller und Jakob Grau von der Rosenheimer Arbeitsagentur, Gerhard Heindl von der Berufsschule Wasserburg, Gerhard Schloots von der Kreishandwerkerschaft und Wolfgang Janhsen von der IHK in Rosenheim. Die Begrüßung und das Schlusswort übernimmt Bürgermeister Michael Kölbl. Moderiert wird der Abend, in dessen Mittelpunkt eine Frage- und Diskussionsrunde steht, von Peter Rink.

 

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9 Gedanken zu „„Flüchtlinge in die Arbeitswelt integrieren“

  1. Monika Rieger

    Ich bin sehr gespannt auf diese Veranstaltung. Einige Arbeitgeber in der Region haben sich ja schon getraut, Menschen, die geflüchtet sind, einzustellen.

    Ob als Azubis, Praktikanten oder in regulärer Arbeit, die Erfahrungen sind für beide Seiten von Vorteil. Es dürfen gerne noch mehr werden.

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    1. … es bleibt zu hoffen, dass sich die Arbeitgeber an das Mindestlohngesetz halten, bzw. an die tariflichen Löhne, Ausbildungsvergütungen etc., und keine „Fallstricke“ ausgelegt werden, denn ansonsten ist das Ganze nichts anderes als ein neuer „Billiglohnsektor“, der dem Arbeitsmarkt und der eh stark gebeutelten Arbeiterschaft mehr schadet, als dass er nützt …

      Ja, Monika, Erfahrungen werden wir ganz sicher machen …

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      1. So leid es mir tut, aber angesichts der Tatsache dass der Bildungsstand vieler Flüchtlinge kein westeuropäisches Niveau hat, gibt es hier genau zwei Möglichkeiten diese Mitbürger:

        1. Das Mindestlohngesetz wird aufgehoben, oder der Mindestlohn deutlich gesenkt, oder man lässt Umgehungen dieser Regelung zu. Dann können Arbeitsplätze für diese Menschen geschaffen werden sogar in Industrien, die wir vor langer Zeit schon verloren haben, weil wir international aufgrund hoher Lohn- und Lohnnebenkosten nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Dummerweise müssen diese Voraussetzungen auch noch langfristig garantiert werden, da sonst die Unternehmen nicht bereit sein werden viel Geld in die Hand zu nehmen um solche Arbeitsplätze wieder zu schaffen. Ein extremes und frei erfundenes Beispiel: Wenn der (Mindest-)Stundenlohn bei 1 – 2 € liegt, kann man eventuell die Textilindustrie wieder nach Deutschland zurückholen und – nach dem Vorbild Bangladeshs – wieder T-Shirts und Hemden schneidern bzw. Fussbälle nähen.

        2. Die Mindestlohnregelung bleibt so bestehen wie sie ist, und die meisten der betroffenen Flüchtlinge mit niedrigem Bildungsstand bleiben auf Dauer arbeitslos, mit allen dazugehörigen Konsequenzen für die Gesellschaft.

        Ich persönlich halte keine der beiden Möglichkeiten für annehmbar.

        Grundsätzlich finde ich es gut, wenn man wie mein Vorredner eine Lanze für den Mindestlohn und die Arbeiterschaft generell bricht. Allerdings haben die Ereignisse der jüngeren Vergangenheit vieles auf den Kopf gestellt.
        Es ist zwar hart, aber man muss den Tatsachen schon ins Auge sehen.

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        1. …. das ist ein großes Thema … ein zudem wichtiges Thema … der bedingungslose Konsum in unserer deutschen Gesellschaft, ja andere sind auch so aber wir reden gerade von Deutschland, führt ja erst zu den „Flüchtlingswellen“ … wir stehlen den Menschen im Nahen Osten deren Recourcen und wenn sie das nicht zulassen dann überziehen wir die Länder mit Krieg … wir kaufen T-Shirts für 2 Euro aus der Textilkette obwohl sich Kinder dort die Hände wund arbeiten und obwohl wir wissen wie menschenunwürdig diese Menschen leben, wegen unserem unersättlichen Drang nach Konsum … nur um zwei Beispiele zu nennen und diese Beispiele lassen sich beliebig fortsetzen … wir sind diejenigen die diese Krisen verursachen und zulassen … unsere Gier nach vielen billigen Produkten zerstören Menschen in anderen Ländern die Lebensgrundlage …. und irgendwann kommen sie dann halt zu uns um auch leben zu können … die weltweit aufgestellte Industrie „ertrinkt“ in Geld und Macht und wir haben nichts besseres zu tun als dem nächsten Schnäppchen nachzurennen und zu konsumieren … Aber … es muß uns klar sein daß die Menschen die jetzt zu uns kommen diejenigen sind die gesund, stark und arbeitsfähig sind … diejenigen die nicht zu uns kommen weil sie fast am verhungern sind, in Afrika, Asien und sonst wo, die bleiben zurück und schon wieder haben wir unseren Beitrag dazu geleistet den Ländern dort die Recourcen zu entziehen … nämlich die Recource der menschlichen Arbeitskraft um dort in deren Land für die Bevölkerung zu sorgen … Flüchtlingshilfe gut und schön, Lohnanpassung auch gut und schön … wir haben es in der Hand derartige Auswüchse wie derzeit in Europa passiert zu verhindern … und was tun wir? … wir freuen uns über billiges Benzin, obwohl es eigentlich gestohlene Ware ist … wir freuen uns über billige Konsumprodukte obwohl dies eigentlich Blutgeld ist das wir den Kettenhändlern“ in den Rachen werfen und wir beruhigen unser Gewissen indem wir jetzt einigen wenigen Menschen helfen und ihnen den Zugang zum Konsum ermöglichen … eine Doppelmoral wie ich meine … und am Wochenende stechen wir Unkraut in unserem Vorgarten mit einer Gartenschaufel die für 8 Eurocent in China unter menschunwürdigsten Bedingungen hergestellt wurde und haben dafür im Baumarkt 5, 50 Euro bezahlt … und wir freuen uns über den gepflegten Vorgarten, die billige Unkrautharke und die billige Limonade, deren Grundstoffe aus Diebstahl in Südamerika stammen, und am Sonntag betreiben wir Flüchtlingshilfe … mir wird schlecht wenn ich an die Kinder denke die mit aufgedunsenen Bäuchen, völlig unterernährt in Biafra in Lehrhütten hausen und wir konsumieren am Sonntagstisch den Schweinebraten für 2,99Euro das Kilo … wir sollten uns schämen … aber sowas von …

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          1. @Reiner Alois

            Also über unser Konsumverhalten und das der westlichen Welt kann man schon nachdenklich werden, ja, das stimmt. Immer mehr, immer schneller, zu immer günstigeren Preisen – Geiz ist geil – das ist moralisch/ethisch schon bedenklich. Aber: Mir ist der kausale Zusammenhang „das Konsumverhalten der Deutschen führt zu den Flüchtlingswellen“ zu einfach – viel zu einfach.

            Unser Konsumverhalten ist vermutlich kritikwürdig, ja, aber es ist nicht der direkte Grund für die Flüchtlingswellen. Und falls es ein indirekter Grund dafür sein sollte, muss man dagegen halten: Wenn wir jetzt weniger konsumieren, dann gibt es natürlich auch weniger Arbeit – und für die hier im Artikel angesprochenen, teilweise weniger qualifizierten Flüchtlinge vermutlich gar keine mehr. Das würde alles noch viel schlechter machen. Ich glaube, es verhält sich genau anders herum: Wenn wir unser Konsumverhalten ändern, also zügeln, wenn wir keine 5 € T-Shirts mehr bei KIK und H&M kaufen und die ersten Textilfabriken in Bangladesh und Indien deswegen schliessen, genau dann werden sich von dort aus neue Flüchtlingsströme in Bewegung setzen; wohin auch immer. Unsere „Gier nach vielen billigen Produkten“ zerstört eben Menschen in anderen Ländern nicht die Lebensgrundlage, sondern ganz im Gegenteil: Sie gibt ihnen erste eine, wenn auch anfangs eine bescheidene.

            Zum billigen Benzin, nur mal als Beispiel: Nein, daran sind wir nicht schuld. Wir stehlen diese Resourcen auch nicht aus z.B. Nigeria und führen Krieg dort. Gemessen am Ölpreis ist es auch überhaupt nicht billig. Der Erdölverbrauch in Deutschland sinkt seit 1971 ständig (mit Ausnahme konjunktureller Schwankungen). Wir wollen also nicht immer mehr und mehr Benzin bzw. Mineralöl, und im langfristigen Trend gesehen wird’s auch nicht billiger. Und nein, wir beuten die erdölproduzierenden Länder auch nicht aus – das tun die schon selber, dadurch, dass sie Unmengen von Barrels auf den Markt werfen um den Etat für ihre Schurkenregierungen (Saudi Arabien? Iran? Venezuela? Indonesien? … ) zu decken. Überangebot macht halt billige Preise – dafür kann die deutsche Gesellschaft aber nix! Und wenn hier was gestohlen wird, dann ist der venezolanische, iranische, …. Staat der Dieb und das betreffende Volk das Opfer. Wenn vom Geld, das z.B. Venezuela oder der Iran vom Ölverkauf einnimmt beim Volk. Und wir – warum dürfen wir uns nicht freuen, wenn der Liter Sprit mal ein bisschen billiger ist? Ist das schon ein Kapitalverbrechen? Sind wir darum schuld an der Situation der Menschen in der dritten Welt?

            Ausserdem dachte ich, die Flüchtlinge kommen zu uns, weil sie politisch oder religiös verfolgt werden, und nicht aus wirtschaftlichen Gründen – also nicht darum, weil wir so gierig nach so vielen billigen Produkten aus diesen Ländern sind, weshalb die Menschen dort so schlecht bezahlt werden.

            Ich bin es wirklich leid zu hören, wie man die deutsche Gesellschaft über ziemlich suspekte Wege immer wieder für alles mögliche Übel auf dieser Welt verantwortlich macht, und z.B. in diesem Fall unterstellt dass wir selbst dran schuld sind an den Flüchtlingswellen – durch unser Konsumverhalten. Das ist nicht wahr und wird auch dann nicht wahr, wenn man wiederholt fadenscheinige Zusammenhänge heranführt und mit der Mitleidskeule schwingt. Klar sind die Bilder von unterernährten Kindern aus Afrika schrecklich, aber in erster Linie ist ein Land doch mal für sich selbst verantwortlich!

            Die Gründe für die Flucht der Menschen heissen Assad, ISIS, al-Shabab, Taliban, korrupte Regierungen, religiöse Konflikte – und nicht das Konsumverhalten der deutschen Gesellschaft.

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          2. Ach ja, eins hab ich noch vergessen:
            Nein, wir sollten uns nicht schämen, auch da bin ich nicht Deiner Meinung, ganz im Gegenteil. Wir sollten stolz auf uns sein, dass wir so vielen Menschen eine Bleibe bieten, und dass es so viele freiwillige Helfer und so viel Unterstützung für die geflohenen Menschen in unserer Gesellschaft gibt. Also, ich zumindest bin schon stolz auf uns.

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          3. @Reiner Alois
            Sie machen es sich ein bisschen einfach. Klar, ich gebe Ihnen recht, wenn Sie sagen, dass Kinderarbeit oder unmenschliche Verhältnisse in den Fabriken z. B. von Bangladesch, Indien oder China nicht tragbar sind. Aber warum schauen Sie so weit – diese Verhältnisse gibt es auch in Italien, Spanien und Deutschland, ja man mag es nicht hören, es ist aber so. Das Ganze läuft bei uns meistens in den Medien als Hinterziehung der Sozialleistungen, irgend einen Namen muss das Kind halt haben.
            Aber noch mal zurück zu den billigen T-Shirts und Jeans. Klar die o. g. Firmen und auch einige andere bieten diese Produkte zu Spotpreisen an. Das kann ich noch nachvollziehen. Glauben Sie aber wirklich, dass hochwertige Markenhersteller wo anders produzieren lassen. Leider nein. Bei den Billigdiscountern zahlen Sie für die Jeans € 9,90, bei den Markenherstellern kostet die Jeans dann € 90,00 bis € 200,00, die Peronalkosten und meistens auch die Produktionskosten sind die selben oder unterscheiden sich nur im Centbereich.
            Jetzt Frage ich Sie, was ist perverser, der Billig-Discounter, der die Ware auch billig anbietet oder der Markenhersteller, der seinen Profit damit noch höher schraubt?
            Zudem kann ich mein Gewissen nicht damit beruhigen, dass ich teuer einkaufe und damit die Näherinnen auch richtig bezahlt werden, da es leider so nicht ist.

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      2. Monika Rieger

        Es muss nicht nur der Mindestlohn von 8,50 Euro bezahlt werden, sondern der tatsächliche Mindestlohn für diese Branche. Bei einem Malergehilfen sind das in Wasserburg z.B.10 Euro. Sonst gibt’s keine Genehmigung.

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        1. Genau Monika … so ist das auch richtig … da habt Ihr meine volle Zustimmung und Unterstützung …

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