Feuerwehr: Ein bisserl Frust schwingt mit

Florian Pytlik zeigte bei Stadtratssitzung die Probleme der Floriansjünger auf

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dsc_0014-800x532Sie arbeiten Tag und Nacht, sind jederzeit einsatzbereit – und das freiwillig: Die Feuerwehren Wasserburg und Attel-Reitmehring waren in letzter Zeit ständig auf Trab. Bei der jüngsten Stadtratssitzung zog jetzt im Rahmen des Jubiläumsjahres Florian Pytlik, Zweiter Vorsitzender des Wasserburger Feuerwehrvereins, im Namen seiner Kollegen Bilanz und stellte die Arbeit der Wehr vor. Ein bisschen Frust schwang dabei mit. Zu wenig Anerkennung, kaum Nachwuchs, schwindende Akzeptanz in der Gesellschaft – das sind nur einige der Probleme, die Pytlik ansprach.

Zu dem Vortrag im Sitzungssaal waren neben  Pytlik auch Georg Schmaderer und Rudi Göpfert, die Kommandanten der Feuerwehr in Wasserburg, sowie Martin Spiel, Zweiter Kommandant der Reitmehringer Feuerwehr erschienen – natürlich in Uniform, es war ja ein offizieller Auftritt. Die Drei stärkten Pytlik bei seinem Vortrag den Rücken.

320 Einsätze haben die rund 65 aktiven Wasserburger und 60 Reitmehringer Floriansjünger jedes Jahr im Stadtgebiet zu absolvieren – sie sind also fast täglich gefordert. Neben dem Löschen gehören dabei auch das Retten und Bergen von Menschen, Tieren und Sachgegenständen sowie der Schutz der Bürger zu ihren Aufgaben.

Die Einsätze bedeuten für jeden Freiwilligen in erster Linie Stress. „Schon beim Alarm schnellt der Adrenalinspiegel nach oben“, erklärt Florian Pytlik anhand seiner Präsentation. „Die Fahrt ins Feuerwehrhaus und das Umziehen muss dann schnell gehen, sonst sind die Kollegen schon weg. Auch die Einsatzfahrt, das Absetzen nötiger Funksprüche und die Angst, es könnte jemanden getroffen haben, den man kennt, bedeuten Stress pur“, so Pytlik. Spätestens der Einsatz selbst bringe eine starke psychische und physische Belastung mit sich, die von der Gesellschaft oft schlichtweg nicht gesehen wird. „Wir sind selbst für die persönliche und seelische Nachbereitung verantwortlich. Zum Glück können wir mittlerweile auf die Unterstützung im Kollegenkreis zählen. Früher wurde man mit diesen Belastungen oftmals alleine gelassen“, so der Redner.

Florian Pytlik arbeitet neben dem Ehrenamt als Berufsfeuerwehrler in München. Er wundert sich nicht darüber, dass die Freiwilligen keinen Nachwuchs mehr finden können: „Manchmal kann ich gar nicht verstehen, dass es überhaupt noch junge Männer und Frauen gibt, die sich der Freiwilligen Feuerwehr anschließen. Ohne Entgelt muss man sich schlichtweg darauf verlassen, dass einem der Arbeitgeber nicht noch aufs Dach steigt, wenn man während der Arbeitszeit zu einem Einsatz fahren muss. Und dann wird man von den Leuten belächelt, wenn wir mal wieder ein neues ,Spielzeug‘ brauchen. Oder sie reden uns sogar von der Seite an. Mit dem ,Spielzeug‘ retten wir aber Leben.“

Abschließend formuliert Pytlik im Namen seiner Kollegen den Wunsch an die Entscheidungsträger, mehr Präsenz zu zeigen: „Wir brauchen mehr öffentliche Unterstützung. Wir sind kein Gaudiverein – und das sollen die Bürger wissen!“

Bürgermeister Michael Kölbl zeigte sich bei den Worten, die einen gewissen Frust spürbar machten, durchaus verständnisvoll und lobte den Einsatz der Floriansjünger. Trotz aller Kritik und Probleme hätten die Floriansjünger die Aufgabe dennoch aus Liebe zu den Menschen gewählt. „Die Kameradschaft in der Feuerwehrgemeinschaft ist unvergleichbar. Natürlich verstehen wir, dass es schwierig ist, Nachwuchs zu gewinnen. Dennoch sind der Idealismus und die Hilfsbereitschaft noch da. Außerdem wird hervorragende Jugendarbeit geleistet“, lobte der Bürgermeister.

Abschließend lud der Vereinsvorsitzende Stadtrat und Bürgermeister zum gemeinsamen Weißwurstfrühstück ein. Dort erhofft man sich auch die Anwesenheit der Entscheidungsträger – damit der Frust der Freiwilligen Feuerwehr ein bisserl gemildert wird. HF

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