Es war einmal ein einsamer, kleiner ICE …

Eine Geschichte von Barbara Teichmann aus Wasserburg

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teichmannWas man nicht alles mit der Bahn erleben kann: Tolle Reisen, Verspätungen, Ankunftszeiten auf die Minute genau, schwer zu bedienende Kartenautomaten, nettes Personal, mürrische Zugführer, lustige Fahrgäste, nervige gegenüber auf dem Vierer-Sitz – jede Laune, die das Leben jenseits der Bahnstrecke eben auch zu bieten hat. Manchmal muss man sich aber über die Bahn doch ein wenig wundern, wie die Wasserburgerin Barbara Teichmann, die mit dem ICE von München nach Leipzig wollte. Was ihr dabei passierte: www.wasserburger-stimme.de …

Hier die Geschichte von Barbara Teichmann: Es war an einem Samstag im Dezember 2013. Die märchenhafte Fahrt ging im ICE 1608 von München nach Leipzig. Bis Nürnberg glitt der Zug gleichmäßig mäßig schnell dahin. In Nürnberg sollte er, damit er nicht so alleine unterwegs sein musste vor Weihnachten, noch einen „Bruder Zug“ dazu bekommen. Zunächst erfolgte die erste Ankopplung – nicht gelungen. Eine gute halbe Stunde später die zweite – wieder ohne Erfolg. Wie widerspenstig doch diese Züge sein können!

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Die Fahrgäste des zweiten Teils durften dann aber doch im ersten Teil mitfahren, so dass wir schließlich mit etwas mehr als einer Stunde Verspätung aus Nürnberg abfuhren. Die „Kutsche auf Schienen“ glitt weiter mit immer noch mäßigem Tempo dahin, die Autos auf der Landstraße freuten sich, dass sie auch einmal schneller waren als der ICE.

Weil Weihnachten so nah ist, durfte unser ICE an diesem Tag dann auch außerplanmäßig in dem kleinen Dörfchen Pressig-Rothenkirchen im schönen Frankenwald haltmachen, um ein bisserl zu verschnaufen. Unser braver ICE war nämlich ohne „Bruder“ leider inzwischen so geschwächt, dass er es nicht schaffen würde, die Gipfel des nahen Franken-und Thüringerwalds alleine zu erklimmen. Er musste Unterstützung bekommen durch eine schöne rote Elektrolokomotive, nennen wir sie „Emma“.

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Und Emma musste – man ahnt es schon – ANGEKOPPELT werden. Aber unser armer, einsamer ICE hat mit dem Ankoppeln so seine Probleme. Zweimal versuchte Emma ihr Glück, leider ohne Erfolg. So ein einsamer kurzer ICE kann ganz schön stur sein! Wir durften dann zwischendurch auch mal aussteigen und uns am Schneegestöber draußen erfreuen. Und wir bekamen auch alle gratis genau ein warmes Getränk ohne Alkohol, was brav auf jeder Fahrkarte vermerkt wurde. Nach einer weiteren Stunde Aufenthalt bat man uns ganz lieb, unsere Siebensachen zusammenzupacken und auf den nächsten ICE zu warten, der uns dann freundlicherweise – es ist ja kurz vor Weihnachten – mitnehmen würde.

Kaum waren wir alle fertig und bereit, hat sich unser kleiner kapriziöser ICE der dicken Emma erbarmt und das „Kopplungsmanöver“ stattfinden lassen. Emma kämpfte sich daraufhin tapfer mit uns bis fast auf sagenhafte 600 m ü.NN. hoch. Dann durfte sie wieder nach Hause, denn unser armer kleiner ICE schaffte es wieder alleine, zumindest bis Leipzig, wo für mich die Fahrt zu Ende war – nach 8 statt 5,5 Stunden.

 

Und wenn unser armer, kurzer ICE nicht zwischendurch gestorben ist, dann hat er es gestern auch noch bis Hamburg geschafft.

Zum Schluss noch eine Frage: Was bedeutet eigentlich das „E“ in „ICE“??

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2 Gedanken zu „Es war einmal ein einsamer, kleiner ICE …

  1. Bernd Meerstein

    Liebe Barbara Teichmann!
    Selten las ich ein leider häufiges Bahndrama so ergreifend und außergewöhnlich beschrieben! Wirklich amüsant!
    Über 2,5 Stunden Staustehen hab ich noch nie so schön gelesen. Aber wer hat schon gleich ein Express Auto?
    Viel Glück bei der nächsten Expressfahrt – mit welchem Vehikel auch immer!
    Bernd Meerstein
    Pro Bahn Wasserburg

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  2. Salem Burgmaier

    Warum zur Hölle lese ich sowas und wie langweilig muss mir sein das ich auf sowas gelange? LOL
    Aber gut geschrieben!

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