Es kann jeden treffen …

Seit zehn Jahren: Wasserburger Tafel um Elke Pawelski

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Wasserburg – Jahre lang war es am Schiffsmühlenweg in Wasserburg jeden Dienstagmorgen das gleiche Bild – nun ist es so im dritten Jahr in der Brunhuber Str 24: eine große Menschengruppe wartet auf Einlass. Von allen Seiten der Stadt kommen sie – Männer und Frauen, manche mit kleinen Kindern. Einige der Wartenden sind noch sehr junge Erwachsene – gerade mal 20 Jahre alt – die anderen schon etwas älter und manche im Rentenalter. Sie alle haben Zeit und Geduld und stehen gerne Schlange – für ein oder zwei Tüten Lebensmittel für die kommende Woche. Die „Wasserburger Tafel“ mit der unermüdlich arbeitenden Leiterin Elke Pawelski an der Spitze feiert am Donnerstag, 27. Juni, ihr zehnjähriges Bestehen.

Tafelleiterin Elke Pawelski im gespräch mit Pfaffinger Schulkindern, die jedes Jahr mit einer Weihnachts-Packerlaktion helfen. Fotos: Renate Drax

Tafelleiterin Elke Pawelski im Gespräch mit Pfaffinger Schulkindern, die jedes Jahr mit einer Weihnachts-Packerlaktion helfen. Fotos: Renate Drax

Die freiwilligen ehrenamtlichen Helfer rund um Tafelleiterin Elke Pawelski stehen immer dienstags bereit, um die Wartenden zu bedienen. Die Stimmung ist trotz der vielen Menschen in den engen Räumlichkeiten fröhlich und entspannt. Die Nummernausgabe an die Bedürftigen ist längst im Gange. Familien mit einem Baby und sehr kleinen Kindern haben Vortritt. Damit alle das Gefühl haben, dafür „bezahlt“ zu haben, wird ein Euro eingesammelt, bevor die Ausgabe erfolgt. Woche für Woche werden Obst, Gemüse, Milchprodukte, Brot und andere Waren verteilt. Es handelt sich um „Übriggebliebenes“, um Spenden von Firmen und Geschäften der Region.

Leiterin Elke Pawelski, die ehemalige Sozialpädagogin des Diakonischen Werkes Rosenheim, die auch die Idee der „Wasserburger Tafel“ hatte, ist unermüdlich in ihrer Arbeit. Ihr Engagement und vor allem ihre sichtbare Freude am Helfen spornen so manche Menschen in ihrem Umfeld einfach an, selbst mitanzupacken. Sie hat etwas von einem Engel, sagen manche. Ihr stets freundliches Lächeln rettet so vieles. Immer mehr Menschen geraten an den Rand des Existenzminimums. Einfach Freude zu verschenken und Zeit – das hält das engagierte Team nun auch an der Brunhuber Straße im dritten Jahr fest zusammen. Die Räumlichkeiten – ein ehemaliges Blumengeschäft – stellte die Stadt Wasserburg zur Verfügung. Aber schnell war klar, sie sind recht eng – wohin mit den Wartenden, wohin mit den Waren.

Tafel-Alltag an einem Dienstag. Noch schnell die restlichen Waren sortieren - die "Kunden" stehen schon Schlange.

Tafel-Alltag an einem Dienstag. Noch schnell die restlichen Waren sortieren – die „Kunden“ stehen schon Schlange.

Räume jetzt erweitert

Und doch: Immer bewahrten und bewahren alle eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit. Wer mal bei einer Ausgabe dienstags als Beobachter dabei war, weiß, von was ich schreibe. Groß ist deshalb die Freude, dass die Räumlichkeiten nun zum Jubiläum erweitert werden konnten. Es macht möglich, dass die Kunden – wie die Bedürftigen liebevoll genannt werden – nicht mehr draußen vor der Tür in der Warteschlange bei Wind und Wetter, Regen und Schnee stehen müssen. Deshalb und auch wegen der stolzen zehn Jahre wird am Donnerstag ein bisserl gefeiert. Auch Peter Selensky, Vorstandssprecher vom Träger, der Diakonie Rosenheim, hat sich angesagt. Ein Hinweis zum Jubiläum: Wer spenden oder im „Tafel-Alltag“ mithelfen möchte – Ansprechpartnerin ist Elke Pawelski dienstags zwischen 12 und 14 Uhr unter der Rufnummer 08071/510561 oder eine Email an elke-pawelski@diakonie-rosenheim.de schicken. Die Bankverbindung für Geldspenden lautet Sparkasse Wasserburg, BLZ 71152680, Kontonummer 974634.

Wenn Armut gemeint ist …

„Die Bedürftigen werden immer mehr“, sagt Elke Pawelski im Prinzip jedes Jahr seit der Eröffnung. Und die Erfahrung zeige, es könne jeden treffen. Auffallend sei beispielsweise, dass viele junge Familien kommen, bei denen der Vater zwar eine Arbeitsstelle habe – der Lohn jedoch viel zu niedrig sei. „Die Bedürftigkeit muss jeder belegen können“ heißt es in der Satzung aller „Tafeln“ deutschlandweit ganz sachlich, wenn bei uns eines gemeint ist – Armut.

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