Er starb mit König Ludwig II.

Dauerausstellung über Dr. Bernhard von Gudden im kbo-Inn-Salzach-Klinikum

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Referenten_kDer rätselhafte Tod Ludwigs II. gehört zum Grundwissen jedes bayerischen Schulabsolventen. Weniger bekannt, jedoch in direktem Zusammenhang damit, ist Dr. Bernhard von Gudden, der im Jahr 1886 ein psychiatrisches Gutachten über den König von Bayern verfasste und kurze Zeit später mit ihm im Starnberger See ums Leben kam. Eine Ausstellung über Dr. Bernhard von Gudden wurde nun in feierlichem Rahmen im kbo-Inn-Salzach-Klinikum eröffnet.

Auch für das Klinikum in Wasserburg am Inn war und ist Dr. von Gudden eine wichtige Persönlichkeit. Hat er doch maßgeblich an der Gründung der damaligen Kreis-Irrenanstalt, der zweiten psychiatrischen Heilanstalt in Oberbayern, mitgewirkt und seinen Oberarzt und Schüler Dr. Melchior Josef Bandorf im Jahr 1883 als ersten Ärztlichen Direktor nach Gabersee gesandt.

80 Tafeln Daten- und Bildmaterial zu den verschiedenen Lebens- und Wirkungsbereichen sowie eine Totenmaske des Psychiaters hat Alfons Schweiggert, Autor des Buches „Der Mann, der mit Ludwig II. starb“, zusammengetragen und ansprechend konzeptioniert. Im Rahmen der Ausstellungseröffnung in Wasserburg freute sich der Kurator, dass seine Ausstellung nach den Stationen Benediktbeuern und Prien nun in das Museum des kbo-Inn-Salzach-Klinikums als Dauerausstellung eingeht und dadurch bewahrt wird: „Mehr kann man sich als Kurator der Ausstellung wirklich nicht vorstellen.“

Mit ihm freuten sich Dr. Theodor Danzl, Geschäftsführer des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, der die Gäste als Hausherr begrüßte, und Bezirksrat Sebastian Friesinger, der die Ausstellung als Ehre für die Stadt Wasserburg, den „Gesundheitsstandort schlechthin in der Region“, bezeichnete. Prof. Dr. Hanns Hippius, emeritierter Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Ludwig-Maximilians-Universität München, stellte Bernhard von Guddens Verdienste für die Psychiatrie im zeitlichen Zusammenhang dar.  Die unterschiedlichen Perspektiven, in denen diese Verdienste standen, werden auch in der Ausstellung deutlich: Das Werk Dr. von Guddens, sein Umgang mit den Mitarbeitern und sein Engagement für die Weiterentwicklung der Psychiatrie wurden laut Prof. Dr. Hippius in der breiten Bevölkerung nicht so gewürdigt, wie man sie heute würdigen muss.

Wie beachtenswert dieses Werk im Rückblick ist, stellte Prof. Dr. Reinhard Steinberg, emeritierter Direktor am Pfalzklinikum Klingenmünster, im Festvortrag dar. Über ein Jahrzehnt musste Dr. Bernhard von Gudden für die Anerkennung des sogenannten „No restraint-Prinzips“ kämpfen, mit dem John Conolly 1856 eine Psychiatrie mit „möglichst wenig Gewalt“ begründete. Nach dem Aufbau und langjähriger Leitung der Anstalt im unterfränkischen Werneck und der Heilanstalt in Burghölzli bei Zürich folgte er dem zweiten Ruf nach München, wo er als Leiter der Kreis-Irrenanstalt in Eglfing und mit der Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München auch mit seiner wissenschaftlichen Forschung die psychiatrische Behandlung nachhaltig beeinflusst hat. „Gudden hatte eine große Ausstrahlung auf seine Umgebung.  Allein durch sein Erscheinen konnte er viele Situationen beruhigen.“, so Prof. Dr. Reinhard Steinberg. Unter anderem durch Veränderungen im Umgang mit Alkohol, in den Anstaltsordnungen, bei der Personalführung und in der Patientenzuwendung habe er sich verdient gemacht.

Auch heute seien die von Dr. von Gudden behandelten Themen aktuell und die Weiterentwicklung des Fachs Psychiatrie ein wichtiges Ziel, so Prof. Dr. Peter Zwanzger. Der Ärztliche Direktor des kbo-Inn-Salzach-Klinikums zeigte,  wie sich die Psychiatrie auch in den vergangenen Jahrzehnten, insbesondere hin zur Spezialisierung, weiterentwickelt hat. Diese Entwicklungen habe das kbo-Klinikum in großem Maße seiner Tätigkeit als Akademisches Lehrkrankenhaus der Ludwig-Maximilians-Universität zu verdanken und damit als Mitbegründer dem Einfluss Dr. Bernhard von Guddens.

Katharina Salzeder

Foto: Bezirksrat Sebastian Friesinger, Dr. Theodor Danzl, Prof. Dr. Peter Zwanzger, Prof. Dr. Hanns Hippius und Prof. Dr. Reinhard Steinberg eröffneten die Ausstellung.

Ausstellungsraum

Die Ausstellung über das Leben und Wirken Dr. Bernhards von Gudden in neun Stationen kann bis einschließlich kommenden Freitag, den 22. April, täglich von 16 bis 18 Uhr im Festsaal des kbo-Inn-Salzach-Klinikums, Haus 21, besichtigt werden.
Ab Mai 2016 ist sie im Rahmen von Führungen im Museum des kbo-Inn-Salzach-Klinikums zu sehen. Am Museum Interessierte können sich an Herrn Edmund Fabi (edmund.fabi@kbo.de), Frau Gabi Schwarz (gabriele.schwarz@kbo.de und Herrn Wolfgang Schmid (wolfgang.schmid@kbo.de) wenden.

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