Er kam spät, aber er kam – Gregor Gysi in Eiselfing!

Wasserburgs Spitzenkandidaten der Linken Liste mit sehr hohem Besuch

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Foto 0Eiselfing/Wasserburg – Ja. kaum wartest zwoa Stund, scho is a do – da Gregor. „Was habt denn ihr für ein Verkehrsaufkommen hier in Bayern – muss ich mich jetzt da auch noch drum kümmern“, stieg Gregor Gysi, Fraktionschef der Linken im Bundestag und Oppositionsführer des selbigen, in Eiselfing vorm Gasthaus Sanftl schmunzelnd aus seinem Dienstwagen, den ein Chauffeur steuerte. Kurz den Wirt begrüßt (Hans Sanftl: „Da Gysi – ja des is scho a guada Redner – aba mia is wichtig, dass i meine ganzn Weißwürscht weida bring!“), die beiden jungen Linken-Spitzenkandidaten Wasserburgs, Sophia Jokisch (24) und Christian Peiker (29) kurz begrüßt – einen Schluck Wasser gekostet und schon stand der Berliner am Rednerpult …

Foto 1In seinem Terminkalender findet man vor allem Termine in Berlin – aber doch, es stimmte dann wirklich – „er ist jetzt grad in der Nähe vo Erding, a bissal dauert’s noch …“ vertröstete Sepp Obermeier, der Kreisvorsitzende der Linken Liste aus Bruckmühl im Eiselfinger Gasthaus. Dessen Saal war für diesen Wasserburger Wahlkampf gewählt worden, „weil ma in Wasserburg ja gar koan gscheidn Saal mehr ham“, sagte Christian Peiker (2. von rechts), der sich zusammen mit Studentin Sophia Jokisch (rechts) zuvor schon am Mikro kurz vorgestellt und die größten Ziele für die Stadt Wasserburg erläutert hatte.

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Ja, a bissal spät samma ja scho dro – Gregor! Des mim Zeitmanagement miass ma dann no a bissal üben! Fotos: Renate Drax

Oben im Saal mussten sich die Genossen in Geduld üben. Die Austria Peppers spielten derweil Wiener Schrammelmusik, STS und Haindling. Und unten in der Gaststube trafen sich die Mitglieder der katholischen Landjugend Eiselfings zu einer Besprechung. Zwei Mädls fragten: „Gysi? Wer soi des sei?“

Also d e r  Gregor Gysi, der Oppositionsführer im deutschen Bundestag ist und Chef der Linken seit fast zehn Jahren. Er hatte – wohl dank Navi – dann doch gleich nach Eiselfing gefunden. Nur der Stau auf der Autobahn von Nürnberg kommend hatte ihn aufgehalten.

 

 

„Wählen Sie links“, forderte Gysi die Anwesenden auf im Eiselfinger Saal – erstens würde es ja keiner sehen – und zweitens meinte er schmunzelnd, „das können Sie mir glauben, wenn die Linken in Wasserburg besonders gut abschneiden, dann kümmert sich der Ministerpräsident um Wasserburg wie noch nie in seiner Geschichte …“

Im gut gefüllten Saal im Eiselfinger Sanftlwirt sprach Gregor Gysi zu rund 250 interessierten Gästen, flankiert von den beiden Spitzenkandidaten Sophia Jokisch und Christian Peiker.

Gysi machte dabei gleich einen Auftakt für die kommende Europawahl, in dem er herausstellte, dass Deutschland zum einen den größten Niedriglohnsektor in Europa habe und es auf der anderen Seite riesige Privatvermögen mit einem Gesamtwert von elf Billionen Euro gebe. Um diese soziale Ungleichheit abzubauen, fordere die Linke sowohl einen Mindestlohn von mindestens zehn Euro, als auch eine Vermögenssteuer sowie einen Spitzensteuersatz von 53 Prozent wie unter Kohl.

Foto 5Gysi forderte die Große Koalition, die bisher noch nichts zu Stande gebracht habe, außer sich die Diäten zu erhöhen, auf, eine große Reform der Sozialversicherungen in Angriff zu nehmen, die diese langfristig sichere. Das könne nach Vorschlägen der Linken zum Beispiel dadurch geschafft werden, dass jeder, auch Beamte und Ärzte, in eine Sozialversicherung einzahlen sollten und außerdem die Beitragsbemessungsgrenzen abgeschafft werden könnten.

Foto 11Anlässlich des Frauentags am Samstag forderte er, die große Ungleichheit bei den Gehältern von Frauen und Männer zu beenden. So Gysi: „Es kann nicht sein, dass eine Frau für die gleiche Arbeit weniger als ein Mann verdient, nur weil sie eine Frau ist.“

Foto 10Außenpolitisch schlug er vor, Gerhard Schröder mit Putin verhandeln zu lassen, weil dieser zu ihm das beste Verhältnis habe. Außerdem lehne die Linke jegliche Sanktionen oder kriegerische Handlungen ab, weil dies die Situation nur verschlimmere. Es müsse darum gehen, ein europäisches Haus immer mit Russland zu denken – um den Frieden langfristig zu sichern.

Vor Gregor Gysi sprachen die lokalen Spitzenkandidaten der Linken Liste. Christian Peiker begrüßte zunächst besonders die anwesenden Damen und ging kurz auf die Geschichte des Frauentags ein. Dann erläuterte er die Gründung der Wasserburger Linken Liste, ihre Ziele und den Nutzen einer solchen Liste im Stadtrat.

„Wir haben für die Linke Liste ein linkes, soziales, ökologisches und kulturelles Wahlprogramm ausgearbeitet, für das wir in den Wahlkampf gezogen sind und für das wir Mehrheiten im Stadtrat finden wollen.“ Die Linke Liste möchte künftig mehr Demokratie und Transparenz, zum Beispiel durch einen Bürgerhaushalt. Weiterhin stehe für die sie das Soziale, der öffentliche Personennahverkehr und der Erhalt und Ausbau kommunaler Unternehmen im Vordergrund.

Foto 12Danach sprach Sophia Jokisch, Platz 1 auf der Liste, die sich zunächst mit den heute überall in Deutschland demonstrierenden Hebammen solidarisierte und dann die Kultur und das Image Wasserburgs in den Mittelpunkt ihrer Rede stellte. „Wasserburg ist eine wunderschöne Kulturstadt, die von ihrer Kunst und Kultur, von ihrer Multikulturalität und von ihrer Subkultur lebt,“ erklärte Sophia Jokisch. Dies möchte die Linke Liste ebenfalls mit ihrer Arbeit ausbauen und fördern.

Die Linke Liste hoffte abschließend, mit diesem Programm den Nerv der Wasserburgerinnen und Wasserburgern zu treffen und bedankte sich außerdem herzlich beim Gasthaus Sanftl für die gelungene Veranstaltung und das gute Essen sowie bei Austrian Pepper für die stimmungsvolle Musik.

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Ein Gedanke zu „Er kam spät, aber er kam – Gregor Gysi in Eiselfing!

  1. Helmut Wagner

    Liebe Wasserburger GenossInnen,
    wir gratulieren euch für die gute Veranstaltung mit Gregor, den wir in Passau am Aschermittwoch besuchten und wünschen für den Wahlsonntag neidlos den gleichen Erfolg.
    MsG Helmut für den KV Altötting-Mühldorf

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