Engagement für die Ärmsten der Armen

Dr. Clemens Bitter, Chefarzt der Chirurgie an der RoMed-Klinik Wasserburg, gab tiefe Einblicke

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„Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, in Sierra Leone, einem der ärmsten Länder der Welt, das nach wie vor noch in weiten Teilen vom Bürgerkrieg gezeichnet ist und das vor wenigen Jahren in die Schlagzeilen durch die Ebola-Epidemie geriet, allen Kindern – nur die Hälfte besucht eine Schule – Zugang zu Bildung zu ermöglichen“, so fasste Dr. Clemens Bitter, Chefarzt der Chirurgie an der RoMed-Klinik Wasserburg, das Engagement der Organisation „Orthopädie für die Dritte Welt“ bei einem Vortrag zusammen.

Zielsetzung für die Mitglieder der Organisation „Orthopädie für die Dritte Welt“ (ODW) ist die konkrete Hilfe vor Ort durch regelmäßige Einsätze mit Sprechstunden, Behandlungen, Operationen und Nachsorge. So ermöglicht die Organisation, die sich nur über Spenden finanziert und für die ausschließlich ehrenamtliche Helfer tätig sind, für momentan etwa acht Wochen im Jahr eine orthopädische und chirurgische Versorgung der Bevölkerung. Hauptsächlich durch Mundpropaganda erfahren die Patienten von der Anwesenheit des Teams, das aus Operateur, Anästhesist und OP-Krankenschwester besteht.

Dr. Bitter schilderte eindrucksvoll, mit welchen zum Teil einfachen oder unkonventionellen Mitteln das ärztliche Personal im Hospital St. John of God in Sierra Leone arbeitet. Allein wegen der extremen klimatischen Bedingungen – hohe Luftfeuchtigkeit und Hitze –  komme es immer wieder zu technischen Problemen mit den medizinischen Gerätschaften. Deshalb müsse teilweise auf mechanische Geräte zurückgegriffen werden, „wie sie in dieser Art in Europa bis vor etwa 50 Jahren genutzt wurden“. Notgedrungen würden Instrumente auch einfallsreich selbst gebaut. Dr. Bitter: „Ein Hauptproblem ist, dass – ganz profan  – die Stromversorgung funktioniert und der Generator läuft, um eine Klimatisierung der OP-Räume zu ermöglichen.“

Eine Besonderheit im Hospital St. John of God sei, dass mikrobiologische Untersuchungen, zum Beispiel. auf welche Antibiotika ein Keim bereits resistent ist, durchgeführt werden könnten. Außerdem verfüge das Krankenhaus über einen sogenannten „C-Bogen“, ein Röntgengerät, das Aufnahmen während einer Operation ermöglicht.

Mit vielen Fotos gab Dr. Bitter den Zuhörern einen Einblick über die vielseitigen und zum Teil sehr kompliziert zu behandelnden Erkrankungen und Verletzungen seiner Patienten. Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die interessierten Zuhörer noch angeregt mit dem Referenten. Mit dem eindringlichen Appell, dass nur durch ein Umdenken der Menschen in den Industrienationen und durch Umverteilung des Reichtums in die armen Regionen dieser Welt ein menschenwürdiges Leben möglich sei, schloss Dr. Clemens Bitter seinen Vortrag.

Foto: Ärztliche Visite und Besuch eines Patienten.

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