„Einfach Weltklasse“: Monika Gruber im Badria!

Tosender Applaus des Publikums und die Frage „Muas ma denn immer glücklich sei?"

image_pdfimage_print

1„Liabe Monika, mia Zwoa datn di gern heiraten, weil für Oan redst einfach z’vui!“ Des ham da Sepp und da Helmut auf an Zettel gschrim für die Monika Gruber – na, ned gestern am Omnd, da hat sie es nur erzählt, dass sie des Briaferl vor kurzem einmal nach ihrem neuen Programm „Irgendwas is immer“ griagt hod. Diese Anekdote war gestern ihre Abschluss-Zugabe – nach ganz vielen vorher – und nach tosendem, frenetischem, trampelndem Applaus in der voll besetzten Wasserburger Badria-Halle. „Einfach Weltklasse“, brachte es ein junger Mann aus Soyen am Ende auf den Punkt …

Fotos: Renate Drax

2

Gefühlt war der halbe Altlandkreis gestern gegen 18 Uhr in Richtung Badria unterwegs – und tatsächlich aus Eiselfing und Babensham, aus Soyen, Griesstätt, Edling und Pfaffing, Haag oder Maitenbeth waren sie da. Jung und Alt und natürlich auch sehr viele aus Wasserburg selbst. Die Vorfreude währte lang, denn es waren die Karten schon im September verkauft worden – an einem Tag in nur einer Stunde oder zwei – und der Abend hätte dann eigentlich im November vergangenen Jahres bereits sein sollen. Doch Dreharbeiten fürs Fernsehen kamen dazwischen. Aber: Das Warten hat sich mehr als gelohnt.

3Monika Gruber ist wieder da – auf der Bühne! In ihrer Live-Pause hatte „Die Gruberin“ genügend Zeit, den wirklich wichtigen Fragen des Lebens nachzugehen. Und das spürte man von Anfang an. Viele, die sie schon mal live erlebt hatten, sagten anerkennend, „so guad wia heid war’s no nia!“

Die 44-Jährige lässt so gut wie kein Thema aus, in einem Tempo, das einem allein beim Zuhören den Atem nimmt – guad, in erster Linie vor lauter Lachen! Tränen der Freude wurden im Publikum permanent aus den Augen gewischt. Weil’s die Gruaberin einfach auf den Punkt bringt – derb zwar und scho sauba grob. Aber – und das ist neu – immer wieder auch nachdenklich und einfach eine plötzliche Stille im Publikum herausfordernd.

Samma doch mal ehrlich, mia sand doch olle nimmer belastbar. Burnout, Burnout – wenn i des scho hear, Die Einzige, die sich ein Burnout hätte erlauben können, wär mei Oma gwesen. Zwei Kriege, zig Schicksalsschläge, nur Arbat, null Dank. Aber na, de Oma, de war immer ganz still, hod nia gjammert. Unser Gesellschaft dagegen woaß bei der kleinsten Kleinigkeit glei, des is a Burnout.“

„Fifty Shades of Totaldeppert“

4Ja scho, sie selber sei auch nicht immer witzig. Vor allem nicht in der Früh beim Aufstehen. wenn sie um 6.30 Uhr weiß, dass sie da schon 58 Supergewinnspiele versäumt hat im Radio und dann mit deutschen Schlagertexten berieselt wird, die von einem warmen Sonnenstrahl singen, ois war’s a Darmspiegelung! Oder eine Helene Fischer mit ihren Bacherln und Bruckerln, da drahst doch durch … Sagt die Monika. Und überhaupts der groteske Handy-Wahnsinn. Dauernd, immer und ewig und die ganze Wischerei, die sie in den Wahnsinn treibe. Und dann aa no dieser vorgegaukelte Fifty Shades-Irrsinn. „Fifty Shades of Totaldeppert“, resümiert die Monika.

Die Monika singt und tanzt, sie lacht, weint, imitiert Sprachen (absolut genial: chinesisch!) und Menschen auf das Genaueste. Gestik, Mimik, ein Feuerwerk ohne Pause – bis auf die offizielle zur Hälfte des Programms.

Immer wieder unterhält sie sich mit einem imaginären Gott, der sich über den Lautsprecher aufgrund seines Dialekts auch noch als Österreicher outet. Ja bravo! Zudem notiert die Gruaberin  zwischendrin, wie das Wasserburger Publikum reagiert. Zum Beispiel bei vermeintlich frauenfeindlichen Witzen oder eher doch noch begeisternder bei männerfeindlichen?

5Und sie erzählt, wie sehr sie sich über den bayerischen Papst gefreut habe damals – und auf einmal „hat der einfach keinen Bock“ mehr. „Der Pole davor hat sich abgerackert und da Unser geht in Frührente“. Und auch Griechenland oder die Bundeswehr bekommen ihr Fett weg. „Da könnt die Freiwillige Feuerwehr von Österreich einmarschieren, und mia hätten dem nichts entgegen zu setzen“, sinniert die Gruberin.

Rotzfrech und derb – im nächsten Augenblick melancholisch. Das Kind sei kein Kind mehr bei uns, sondern nur mehr ein Projekt. Und ein Finn oder eine Nonchalance oder eine Chantal seien allein vom Namen her schon genug Diagnose beim Arzt. Der Bub, der höre gerne Mozart, er müsse hochbegabt sein, sage ihre Freundin Annett, der Bub müsse das Abitur machen und den Bachelor. „Und wenn’s Klo verstopft ist, ruft er die Feuerwehr!“, ereifert sich die Gruberin, warum das Handwerk nix mehr gilt und jeder sei Kind zum Akademiker hinwürgen wolle, könne sie einfach nicht verstehen.

„Irmi, schraub di locker!“

Auch die neue Perfektions-Essenskultur geht der Gruberin ordentlich auf den Senkel. „I sog oiwei zu meiner Freundin, Irmi, schraub di locker!“ Mehr Gelassenheit bitte beim Kochen. Koa Tee mehr, der die Füße massiert – koa verbotenes Wasser aus Plastikflaschen, weil’s keine Informationen mehr hat. A bissal mehr auf dem Boden bleiben, wär angebracht. Ois a bissal zruckfahrn! Am liebsten würd‘ sie sich für den Alfons Schuhbeck ein Tattoo stechen lassen – und zwar groß und deutlich „Fuck Ingwer!“

7Das Thema Glück zieht sich durch den ganzen Abend. Beginnend mit dem bayerischen Poeten Roland Hefter im Vorprogramm gestern (unser Foto links), der laut Monika noch zu haben sei – meine Damen, 1,95 Meter erotische Nutzfläche!“ Sie selbst sei zwar Single und verzweifelt, aber dann doch wieder nicht so verzweifelt, dass sie einen Silbereisen nehmen würd, so wie die Helene Fischer. Egal, die Frage was ist Glück, an der komme doch wahrlich heutzutage niemand mehr vorbei. Sie pfeife auf Glück in der Natur, wenn’s heißt am Morgen auffe aufn Berg, mittags mit de Schi obi. Umziagn zum Halbmarathon am Nachmittag und omnds Sonnenuntergänge, Sonnenuntergänge, Sonnenuntergänge. Überall nur noch Perfektionismus! „Muas ma denn immer glücklich sei“, frage sie sich schon lange.

Monika Gruber spricht langsamer, leiser, bedächtiger: „Wir müssen nicht immer perfekt sein, wir dürfen uns irren, wir dürfen Fehler machen“. Beschwörend geradezu sagt sie das.

Die Fragen im Alter werden nicht weniger, dafür aber die Zeit knapper. Monika Gruber seziert ihr vermeintlich trauriges Leben, bevor sie nicht mehr in ihrem Haus neben dem Seniorenheim wohnt, sondern gegenüber. Bei all dem sei eines gewiss: Humor, Heiterkeit rette den Menschen in jeder Beziehung. Man werde es nie allen recht machen können und es komme ohnehin alles anders, als man denke.

Was aber sowieso wurscht is‘, denn die Gruaber Monika sagt: „Irgendwas is‘ ja immer“ …

8

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.