Eine mutige Idee – provozierend und genial!

25 Jahre Skulpturenweg - Raus aus Galerien, hin zum Wasser

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAWasserburg – „Dieser Weg wird kein leichter sein – dieser Weg wird steinig und schwer – nicht mit vielen wirst du dir einig sein – doch dieses Leben bietet so viel mehr.“ Eben zum Beispiel Kunst – raus aus Galerien und hin zum Wasser, zum Inn! Das Lied von Xavier Naidoo hätte man singen können, als am Samstag in Wasserburg viele versammelt waren, um etwas zu feiern, was in Bayern einmalig war und ist: Einen oder besser  d e n  Skulpturenweg am Inndamm. Vor genau 25 Jahren sorgte er für großes Aufsehen – und auch Aufregung.

Von seiner schönsten Seite präsentierte sich der Inn zum Festakt am Samstag - türkis-blaues wasser in durch die Blätter bunter Herbststimmung. Und das trotz Regen ...  Fotos: Renate Drax

Von seiner schönsten Seite präsentierte sich der Inn zum Festakt am Samstag – türkis-blaues Wasser in bunter Herbststimmung. Und das trotz Regen … Fotos: Renate Drax

„Wos soi der Krampf – der macht ja den Inndamm kaputt. Und übahaupts des hätt mei Bua aa kenna.“ Ja, es war ein steiniger Weg. In der Euphorie des Jubiläums erinnerte Hans Thurner vom AK 68, der zusammen mit Ute Lechner Hauptinitiator dieser Idee damals war, eben auch daran. Wenn auch heute schmunzelnd … Unser Foto oben zeigt von links die Festredner am Inndamm: Markus Brezina, der Sprecher der AK-Künstlergemeinschaft Wasserburg, Michael Kölbl, Bürgermeister der Stadt Wasserburg, Hans Thurner am Mikro, Mitbegründer des Skulpturenweges und 1. Bürgermeister der Gemeinde Obing sowie die stellvertretende Landrätin, Marianne Loferer.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEine schöne Idee: Rechtzeitig zur Jubiläumsfeier wird die Galerie in der Natur um eine neue Skulptur erweitert. Der in Ammerland bei Münsing am Starnberger See lebende Bildhauer Ernst Grünwald installierte eigens am Freitag seinen „Sternengucker“, eine sehr schöne, poetische – um nicht zu sagen bayerische – Sehnsuchtsfigur aus Holz, die in den Himmel hineinträumt…

OLYMPUS DIGITAL CAMERAMarkus Brezina, der Sprecher der AK 68er Gemeinschaft, freute sich sehr, dass trotz des Regens so viele zur Feier gekommen waren. Dankesworte gab es viele an diesem Tag – von allen Seiten. Grundsätzlich für die Idee und den Mut, selbige auch durchzusetzen. Trotz der Widerstände. Dank aber auch für die, die seit vielen Jahren unterstützen. Besonders der städtische Bauhof wurde hier von den Festrednern immer wieder gelobt. Hans Thurner sagte, das sei alles ja nicht so selbstverständlich. Und Bürgermeister Kölbl bedankte sich vor allem auch bei den Kunstschaffenden selbst – zum einen, diesen ungewöhnlichen Ort damals – geradezu mutig und provozierend – gewählt zu haben und zum andern für die künstlerische Vielfalt und letztendlich große Bereicherung für die Stadt Wasserburg. Und die stellvertretende Landrätin Marianne Loferer sprach für die gesamte Region: „Eine großartige Idee – mögen Walker, Jogger, Spaziergänger – Jung und Alt sie hier am Inndamm genießen …“

OLYMPUS DIGITAL CAMERADer Hauptredner Hans Thurner blickte zurück, kritisch und doch augenzwinkernd und a bissal stolz. In dem Wissen, dass es immer viele Menschen brauche, um eine Idee auch Wirklichkeit werden zu lassen… Es sei unglaublich schön gewesen, zu sehen, wie der Skulpturenweg beständig gewachsen sei. Auch als Künstlergemeinschaft sei man durch ihn sehr zusammengewachsen. Mit einem Witz aus Künstler-Kreisen beendete er seine Rede: Treffen sich zwei Freunde – einer von ihnen Künstler. „Na“, sagt der eine, „du hast ja tolle Werke und Arbeiten – du hast sicher schon viel verkauft ..“ „Ja“, sagt der Künstler, „erst meine Briefmarken-Sammlung, jetzt meinen Fernseher – und demnächst wohl mein Haus …“

Sonderausstellung

Gefeiert wurde der Skulpturenweg am Samstag noch gebührend lange und ausgiebig. Johannes Englmeier aus München sorgte mit seiner „s-box“ für kulinarische Genüsse am Inndamm zur Feierlichkeit – als Spende für die Künstlergemeinschaft. Die Klangkünstlerin Limpe Fuchs gestaltete den musikalischen Teil des Festaktes. Anschließend ging es zur Sonderausstellung im Ganserhaus, die ebenfalls in feierlichem Rahmen eröffnet wurde am gestrigen Abend. Sie ist bis zum 3. November geöffnet – jeden Donnerstag bis Sonntag von 13 bis 18 Uhr.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Ein Rückblick

1988 waren damals das 20-jährige Bestehen der Künstlergemeinschaft AK 68 und die 850-Jahrfeier der Stadt Wasserburg zusammengefallen. Um beide Jubiläen zu würdigen, entstand der Weg auf Initiative von Ute Lechner und Hans Thurner in Zusammenarbeit mit der Stadt. Die beiden Künstler Thurner und Lechner hatten damals die Idee als Projekt entwickelt, Gegenwartskunst in landschaftlich reizvoller Umgebung zu präsentieren. Im Jahr 1988 wurde deshalb am Inndamm in unmittelbarer Nähe zur Altstadt der Skulpturenweg eröffnet.

skulpturenwegplan Seitdem zeigen namhafte Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland ihre Arbeiten am Weg entlang des Schutzdeiches. In der Natur sind die dreidimensionalen Skulpturen und Plastiken aus Stein, Holz oder verschiedenen Metallen der Witterung im Frühling, Sommer, Herbst und Winter ausgesetzt. Je nach Jahreszeit und Sonnenstand begegnet den Besuchern der Kulturlandschaft am Inndamm zeitgenössische Kunst in unterschiedlichster Stimmung, die zugleich jeden Tag einfach anders wirkt …

Hier weitere Eindrücke vom Festakt am gestrigen Samstag:

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