Eine Hommage an Geschichte und Heimat

Heimatverein Wasserburg feierte am Samstag 100. Geburtstag

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Heimatverein12_kWasserburg – Eine nostalgische, informative wie historische Veranstaltung – so kann der Fest- und Ehrenabend zur 100. Wiederkehr des Gründungsjahres des Heimatvereins Wasserburg beschrieben werden. Insgesamt 350 Gäste konnte der 1. Vorsitzende, Dr. Martin Geiger, am Samstagabend im historischen Rathaussaal der Stadt Wasserburg begrüßen. Als langjähriges Mitglied bekam dieser von Festredner Prof. Dr. Manfred Treml eine Ehrennadel verliehen, die „Ehrentitel und Anspruch zugleich ist“.

Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich auch die Geistlichen Dr. Paul Schinagl und Holger Möller. Das allgemeine „Mia san mia“-Gefühl sei – wie Dr. Geiger in seiner Rede verdeutlichte – nicht mehr nur definierend für die Heimat. „Insbesondere den aus anderen deutschen Staaten Zugewanderten und Migranten aus aller Welt, die bereits seit vielen Jahren in unserer Region leben, sollte die Bedeutung unserer Heimatverbundenheit näher gebracht werden“, erklärte der 1. Vorsitzende. „Der Verein muss ebenso unsere Kinder in der heutigen Zeit prägen, wie er bereits Kinder früherer Generationen geprägt hat.“

Heimatverein9_kBürgermeister Michael Kölbl bezeichnete den zeitlichen Wandel, den der Heimatverein in den letzten 100 Jahren durchlebt habe, als hochinteressant. „Vom gegründeten bayerischen Königreich über den Ersten und Zweiten Weltkrieg und die Weimarer Republik bis hin zum jetzigen vereinten Europa kann ich das Heimatbuch ,Heimat am Inn‘ uneingeschränkt empfehlen,“ so Kölbl. Eine wichtige Aufgabe des Vereins sei die Bewahrung der Gegenstände und Denkmäler der Stadt Wasserburg. Zudem vermittle er Zeitgeschichte und habe auch durchaus schwierigere Zeiten ohne Kratzer überstanden.

Raum, Zeit und Kommunikation

Heimatverein4_kDer Festvortrag von Prof. Dr. Manfred Treml über Regionalität und Geschichtsbewusstsein – Geschichte und Kulturvermittlung im 21. Jahrhundert – unterstrich die Bedeutung des Vereins, der am 5. November 1913 von 21 Männern als „historischer Verein für Wasserburg und Umgebung“ gegründet wurde. „Heimat setzt sich zusammen aus Raum, Zeit und Kommunikation“, erklärte Prof. Treml. „Heimat ist Realität, dessen Blick auf die Vergangenheit auch immer auf das Heute gerichtet ist.“ Ohne bildungsförderliches Engagement seien Kultur und Geschichtsbewusstsein farblos – der Heimatverein, der sich dieser Aufgabe intensiv annehme, daher unverzichtbar. „Der Verein ist das Zentrum der Geschichtspflege“, stellte Prof. Treml klar.

Heimatverein5_kEr deutete jedoch auch den geringen Anteil an Frauen und jungen Leuten als ein Defizit historischer Vereine an. Mit Öffentlichkeitsarbeit werde dem aber gezielt entgegengewirkt. „Für die Zukunft“, so der Professor weiter, „müssen die Geschichtsvereine die Netzwerke stärken und auf eine bessere Kommunikationsform achten. Die Historisierung beispielsweise unserer Fernsehprogramme zeigt ein zunehmendes ,Geschichts-Vergessen‘.“ Ein zentraler Punkt sei hierbei auch die Mobilisierung und Integration von Zuwanderern unterschiedlichster Länder, betonte Prof. Treml und spannte dabei den Bogen zur Aussage Dr. Geigers. „Insgesamt müssen wir alle ein altmodisches Stückchen Heimat bewahren“, so das Schlusswort des Vortrags.

Mit den Ehrungen besonderer Mitglieder des Heimatvereins für besondere Verdienste endete die 100-Jahr-Feier. Umrahmt wurde die Veranstaltung von einem Kammermusik-Ensemble des Kammerorchesters Wasserburg und einer Bläsergruppe der Stadtkapelle Wasserburg.

 

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