Ein Schatzkisterl in neuem Glanz

Nach Konservierungs-Maßnahmen im alten Stadt-Archiv: Führungen geplant

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archivDas alte Stadt-Archiv in Wasserburg strahlt in neuem Glanz. Wasserschäden, dicke Ruß-Schichten, Schimmelbefall und Schädlinge im Holz hatten einige „kosmetische“ Verbesserungen unumgänglich gemacht. Nachdem der gesamte Archivbestand bereits 2014 umgesiedelt worden war, konnten nun die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen werden. „Jetzt sind öffentliche Führungen durch das historische Gemäuer geplant“, so Matthias Haupt, Leiter des städtischen Archivs.

Haupt weiter: „Die Geschichte des Stadtarchivs geht zurück bis in das 13. Jahrhundert. Erste Hinweise auf eine historische Sammlung gibt es bereits für die nur noch archäologisch fassbaren Vorgängerbauten des Rathauses, den heute noch vorhandenen Kellergewölben unterhalb der Schranne.“

archiv1„Rhathauß in anno 1250 erbaut
Beschreibung, was in anno 1263 aus dem alten rhathaus
in das neue, so dermahlen stehet, überbracht worden.
Aus der stuben des alten rhathauß: 1 kastl, darin: 4 büecher
(…) altschachtel mit
briefen: 2 säckh mit briefen. 3 tisch: 2 vorpänckh: und daß
jüngst gericht.“

Die Stadt Wasserburg habe im Spätmittelalter den wirtschaftlichen Vorteil zugesagt bekommen, den Salzscheibenpfennig einnehmen zu dürfen. „Dies wurde urkundlich beglaubigt – Die zugehörigen Urkunden in Truhen aufbewahrt“, so der Leiter des Archivs.

 

Stadtbrand-1874-578x600Der große Stadtbrand habe 1339 einen Großteil des Rathauses zerstört. Dabei seien auch die meisten Dokumenten aus früheren Zeiten verloren gegangen. „Glücklicherweise ist das Archiv ab diesem Zeitpunkt dann aber von weiteren Schäden verschont geblieben. Und so befinden sich noch heute 5000 mittelalterliche Urkunden-Dokumente aus der Zeit nach 1339 im Bestand“.

 

 

 

archiv-gefaengnisMatthias Haupt weiter: „Nach dem Brand und dem Wiederaufbau des Rathauses wurden dort, wo später das Archiv sein sollte, ein Gefängnis installiert.

 

 

 

 

archiv61618 wurde das Archiv in diesem ehemaligen Gefängnis eingerichtet. Schon damals achtete man beim Bau der Schränke auf eine entsprechende Belüftung sowie eine sinnvolle Aufteilung: Das Holz war mit Löchern versehen, die Schranktüren mit einem luft-durchlässigem Material bespannt. Es gab eigene Fächer für Akten, Platz für aufgestellte, in Pergament gebundene Ratsprotokolle und Schubläden für die Aufbewahrung von Urkunden.“

Diese besonderen Schränke seien noch immer original im alten Archiv vorhanden. „Jetzt wurden sie auch entsprechend gesäubert und sind bei den geplanten Führungen zu begutachten.“

Um das 17. Jahrhundert habe der Raum ausschließlich als Schatzarchiv und für juristische Angelegenheiten gedient, weiß Haupt. „Er war geheim, also für die Öffentlichkeit nicht zugänglich und wurde hauptsächlich für die Beweissicherung von Rechnungen und Büchern genützt. Schriftgut von Verwaltungen, beispielsweise über Stiftungen und Bruderschaften, sowie Ratsprotokolle und Finanzbücher wurden in den Folgejahren dort archiviert.“

Ab dem 19. Jahrhundert habe der bekannte Stadtschreiber Josef Heiserer das Archiv komplett neugeordnet. „Er wollte es beispielsweise für Geschichtsforscher öffentlich zugänglich machen, damit Erkenntnisse über die Geschichte der Stadt gezogen werden konnten.“

Es wurde erstmals ein Buch angelegt, in welchem sich Besucher hätten eintragen müssen. „Um 1832 erweiterte Heiserer das Archiv um einen weiteren Raum.“

Haupt: „Bis Mitte des 20. Jahrhundert arbeiteten Archivare aktiv in den beiden Räumlichkeiten im Rathaus. Zuletzt fügte Josef Kirmaier einen weiteren Schrank dem Mobiliar hinzu: Ankäufe von privaten Quellen, wie beispielsweise von Zünften oder Ratsgeschlechtern, wurden dort dokumentiert.“

2002 wurde das gesamte Archivgut unter der Leitung von Stadtarchivar Matthias Haupt in die neuen Archivräume an der Kellerstraße überführt. Zwölf Jahre lang dauerte es, den gesamten Bestand von Schäden und Schimmel in Konservierungswerkstätten zu befreien und neu zu erfassen.

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Die Räumlichkeiten des alten Archivs standen ab 2014 größtenteils leer – die Konservierungsarbeiten konnten beginnen: Die Möbel, Böden und Wände wurden durch ein Team von Fachrestauratoren behandelt, gesäubert und konserviert.

„Ziel der Maßnahmen war, einen gepflegten und stimmigen Gesamteindruck der Räume mit authentischen historischen Oberflächen zu erhalten, die die Spuren der Nutzung und der Alterung nicht verleugnen, sondern die Geschichte des Archivs transportieren und atmosphärisch erfahrbar machen. Besucher sollen also das mittelalterliche und geheimnisvolle Flair direkt spüren können“, so der Leiter des Stadtarchivs.

Die ersten Führungen durch das alte Archiv finden am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 11. September, statt. Die Führung leitet Diplom-Restauratorin Petra Schwaerzel ab 11 Uhr, Treffpunkt ist im Foyer des Rathauses, Eingang Marienplatz 2. Nur mit Voranmeldung im Stadtarchiv unter der Nummer: 08071/92 03 69.

HF

 

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