Ein Regenpfeifer beschäftigt den Stadtrat

Warum der Kiebitz am Donnerstag im Wasserburger Rathaus heißes Thema war

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Northern lapwing, Vanellus vanellus„Arbeitsgemeinschaft für die Entwicklung des Raumes Wasserburg a. Inn; Zustimmung zum Sitzungsprotokoll“ – so trocken las sich der Tagesordnungspunkt bei der jüngsten Sitzung des Wasserburger Stadtrates. Dann aber entwickelte sich genau zu diesem Punkt eine hitzige umweltpolitische Diskussion. Im Mittelpunkt: Ein kleiner Vogel namens Kiebitz (Foto), den Stadtrat Peter Stenger (SPD) gerne noch besser geschützt sehen will …

Eigentlich ging es um die Ausweisung von Gewerbegebieten, die Absprache mit den umliegenden Gemeinden zu deren Entwicklung und um eine schlichte Regularie, nämlich die Genehmigung eines Sitzungsprotokolls genau zu diesen Themen. Doch die Entwicklung eines dieser Gewerbegebiete ist Peter Stenger ein Dorn im Auge. Es geht um das Areal in Staudham. Dort leben zwischen Gewerbegebiet und Bahnlinie ein Paar Kiebitze.

„Schützenswert, in Bayern kaum noch anzutreffen und für Wasserburg ein absoluter Glücksfall“, so Stenger. Deshalb appelliere er an das grüne Gewissen der Stadträte. „Wir dürfen nicht immer nur an das Ausweisen neuer Gewerbeflächen denken, sondern müssen auch mal die Natur im Blick haben. Wenn wir da jetzt wieder was ausweisen, müssen wir für Ausgleichsflächen sorgen. Der Kiebitz* braucht seine Ruhe.“

Bürgermeister Michael Kölbl zeigte Verständnis für Stengers Ausführungen: „Dass dort der Kiebitz brütet, das ist uns nicht neu.“ Man sei in dieser Sache in enger Verbindung mit der Unteren Naturschutzbehörde, die in alle Planungen sehr früh eingebunden worden sei. Natürlich werde man für Ausgleichsflächen sorgen.

Das wiederum wollte Lorenz Huber (Bürgerforum) nicht unkommentiert lassen: „Der Kiebitz zieht nicht um, nur weil wir für ihn ein Schild aufstellen und ihn damit auf seine ausgewiesene Ausgleichsfläche hinweisen.“ Der Kiebitz sei sehr standorttreu und komme immer wieder auf die gleichen Äcker zum Brüten. Er sei dafür, auch die Obere Naturschutzbehörde in den Planungsprozess mit einzubinden.

Den Vogel schoss dann Josef Baumann (Freie Wähler) ab: „Ich darf hier meinem Kollegen Stenger jegliche Erfahrung in Sachen Kiebitz absprechen. Ich glaube nicht, dass er schon jemals auf diesem Acker war und dort mit einem Kiebitz in Verbindung gekommen ist. Ganz im Gegensatz zu mir. Auf meinen Äckern brüten mittlerweile schon vier Paare“, so der Landwirt. „Den Kiebitz schützen wir nicht, indem wir hier im Stadtrat sitzen und sagen, er muss bleiben, sondern nur durch aktiven Naturschutz, wie wir Landwirte ihn betreiben.“

Allgemein war man sich einig, alle Naturschutz Behörden und Experten in die weiteren Planungen einzubeziehen und den Lebensraum des Staudhamer Kiebitzes so gut wie möglich zu schützen.  Dem Protokoll zur Sitzung der Arbeitsgemeinschaft für die Entwicklung des Raumes Wasserburg a. Inn stimmten anschließend 24 Stadträte zu – nur Stenger war dagegen. HC

 

*Der Kiebitz (Vanellus vanellus) ist eine monotypische Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer (Charadriidae). Er brütet typischerweise in den Marschwiesen, auf Vordeichwiesenflächen und anderen Weidelandschaften der Niederungen. Der Watvogel mit den breiten, paddelförmigen Flügeln ist für seine spektakulären Balzflüge bekannt, die auch als gaukeln bezeichnet werden. Kiebitze kommen in Eurasien vor, außerhalb der Paarungszeit, also von Juli bis März, können sie in größeren Schwärmen im Watt und auf küstennahen Flächen auftreten. Kiebitze sind Bodenbrüter; ihre Eier galten früher als Delikatesse, dürfen heute aber nicht mehr gesammelt werden, da die Anzahl der Kiebitze mittlerweile stark zurückgegangen ist. In Bayern ist er stark gefährdet und kommt nur noch auf wenigen Flächen vor.

 

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