Ein Projekt ohne Patentrezept

Ansturm von jugendlichen Flüchtlingen wurde zur Herkulesaufgabe für Jugendhilfe

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Neurosenheimer2Rosenheim/Attel – Die Ankunft von zahlreichen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen stellte die Stadt und den Landkreis Rosenheim in den vergangenen Monaten vor große Herausforderungen. Inzwischen gelang es, die notwendigen Strukturen zu schaffen um die Kinder und Jugendlichen altersgemäß zu betreuen und unterzubringen. Zeit also, den vielen hauptamtlichen Helferinnen und Helfern Danke zu sagen. Stadt und Landkreis luden in den Dorfstadl nach Prutting und 140 kamen um gemeinsam zu Essen, zu Ratschen und ein Konzert der „Neurosenheimer“ zu erleben – darunter auch Helfer aus Attel.

Landrat Wolfgang Berthaler erinnerte an die Zeit, als die ersten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in der Region ankamen. Wir hatten kein Patentrezept, aber mit ihrer Hilfe gelang es, die notwendigen Einrichtungen zu schaffen. Es gab viele Termine bei der Regierung von Oberbayern und im Sozialministerium. Da waren sehr viele Theoretiker, erinnerte sich Berthaler. Aber man kann nicht alles vom grünen Tisch aus erledigen, die Praktiker vor Ort haben das ganz toll geregelt. Ähnlich äußerte sich Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, spontan und aus der Notsituation heraus wurde etwas auf die Beine gestellt, das uns in München höchste Anerkennung einbrachte. Junge Menschen können wieder Familie, Hilfsbereitschaft und Vertrauen erleben.

 

Oberbürgermeisterin und Landrat lobten die gute Zusammenarbeit von Stadt und Landkreis sowie die hervorragende Unterstützung durch die zahlreichen Helferinnen und Helfer. Auch was die Zukunft anbelangt, waren sich beide einig. Wir müssen uns auf Flüchtlingsströme einstellen, sagte Berthaler. Was laut Bauer zur Folge hat, dass wir ein bisschen internationaler werden und  ihre Kulturen uns bereichern werden.

 

Die Größe der Aufgabe, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge altersgerecht zu betreuen und unterzubringen, wird durch die lange Liste der unterstützenden Organisationen und Personen dokumentiert. Die Leiter von Stadt- und Kreisjugendamt Gerd Rose und Johannes Fischer begrüßten unter anderem mehrere Bereitschaftspflegefamilien, Dolmetscher sowie Kinder- und Jugendpsychiater. Zudem Bildungseinrichtungen wie die Volkshochschule Wasserburg, das Berufliche Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft und das Peters Bildungs GmbH Institut Rosenheim, Träger von Einrichtungen wie das Caritas Kinderdorf Irschenberg, die Diakonie Jugendhilfe Oberbayern, die Stiftung Attl, die Junge Arbeit Rosenheim, das Bayerische Rote Kreuz, das Kinderheim Schöne Aussicht oder die Rummelsberger Dienst. Eine ambulante Betreuung übernahmen der Kinderschutzbund Rosenheim oder der Malteser Hilfsdienst. Die Jugendämter brachten sich mit ihren Bereichen Allgemeiner Sozialdienst, Wirtschaftliche Hilfen und Vormundschaften ein. Nicht vergessen wurden die Bundespolizei und die Bewachungsservice Rosenheim GmbH.

 

Im vergangenen Jahr kamen im Landkreis 498 und in der Stadt 150 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an. Für sie sind diejenigen Landkreise und kreisfreien Städte zuständig, in denen sie aufgegriffen werden. In Bayern nahmen die Landeshauptstadt München und die Landkreise Passau, Lindau und Rosenheim sowie die kreisfreie Stadt Rosenheim mit Abstand am meisten unbegleitete minderjährige Flüchtlinge auf.

Foto: Flüchtlinge und Zuagroaste: Die „Neurosenheimer“ – fast alles Zugezogene – besangen die zahlreichen Parallelen zwischen der bayerischen Lebensart und den Kulturen der Welt

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