Ein Museum der ganz besonderen Art

Kaum einer weiß: In Gabersee wird Geschichte großgeschrieben - Ein Rundgang

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aufmacher3Wolfgang Schmid ist in Wasserburg und Gabersee bekannt wie ein bunter Hund. Immerhin ist der Stadtrat nicht nur Lehrer für Pflegeberufe am Inn-Salzach-Klinikum, sondern auch noch freigestellter, also hauptamtlicher Betriebsrat. Kaum einer aber weiß, dass er sich auch um Geschichte kümmert – um die Historie des Gaberseer Klinikums, das einstmals „Kreis-Irrenanstalt der königlichen Direktion“ hieß. 1883 wurde der Grundstein gelegt. Und bis zu diesem Zeitpunkt reichen die Exponate und Fundstücke zurück, um die sich Schmid und zwei seiner Kollegen im eigens eingerichteten Klinik-Museum kümmern. 

schmid wolfgang lehrer fuer pflegeberufeHaus 23 auf dem Gelände des KBO-Klinikums in Gabersee: Es ist eines der wenigen Gebäude, das noch in den meisten Teilen im Zustand aus den 1960-er Jahren und damit unsaniert ist und das auch bleiben soll. Schmid (Foto rechts): „Die Besucher finden dort eine Station so vor, wie sie im Wesentlichen vor über 50 Jahren ausgesehen hat. Und das ist auch gleichzeitig unser Museum.“

Wer das betritt, bekommt einen leichten Gruselfaktor gleich mitgeliefert. Denn die alten medizinischen Geräte erinnern manchmal eher an einen Folterkeller, als an ein Klinikum. Und auch die anatomischen Exponate (zum Beispiel konservierte Hirnhälfte) treiben einem ein Lächeln rasch aus dem Gesicht. „Das war früher halt so. Die medizinische Forschung hatte einen hohen Stellenwert. Wobei man aber eines sagen muss: Gabersee war immer schon ganz und gar auf den Patienten ausgerichtet und hat sich um den Menschen gekümmert. Mit Ausnahme vielleicht der dunklen Tage während des Dritten Reiches.“ Auch die werden in Gabersee nicht verschwiegen, sondern  offen dargelegt. Das Museum berichtet über das unmenschliche Euthanasie-Programm der Nazis ebenso, wie über die Entwicklung nach dem Krieg, als Gabersee zunächst Lager für so genannte Displaced Persons war, Menschen also, die der Krieg entwurzelt hatte.

aufmacher1893 bis 2015 – die Geschichte durch die Jahrzehnte hindurch, das alles präsentieren Schmid und seine Kollegen den Museumsbesuchern auch in einem ausführlichen geschichtlichen Vortrag. Den gibt’s übrigens nicht nur für angemeldete Besuchergruppen (einfach beim Klinikum nachfragen), sondern auch für die Patienten: „Wir machen das natürlich mit viel Fingerspitzengefühl“, so Wolfgang Schmid.

Warum der Wasserburger Stadtrat sich um das Klinik-Museum kümmert? „Meine Familie ist schon immer eng mit dem Klinikum verbunden. Mein Vater, meine Mutter haben hier gearbeitet. Und mich interessiert einfach Geschichte.“ HC

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Das Gut Gabersee – quasi die Keimzelle des heutigen Klinik-Areals.

 

Ein Rundgang durch’s Museum:

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