Ein Heiliger und seine wilden Gesellen

Am Mittwoch Eröffnung der Sonderausstellung „Sankt Nikolaus" im Heimatmuseum

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PostkarteDer Heilige Nikolaus durchlief in der Kulturgeschichte eine facettenreiche Entwicklung vom wundertätigen Bischof von Myra zum Geschenke verteilenden Adventsheiligen und zum Weihnachtsmann. Das Museum Wasserburg widmet ihm vom 19. November bis 6. Januar eine Sonderausstellung, die neben den Zeugnissen seiner religiösen Verehrung auch zahlreiche Objekte aus dem weihnachtlichen Kunsthandwerk zeigt. Offiziell eröffnet wird sie am Mittwoch im Museum.

Als Nikolaos, Bischof von Myra erscheint der Heilige im 4. Jahrhundert erstmals im kleinasiatischen Lykien. Sein Todestag fiel wahrscheinlich auf den 6. Dezember, an dem heute der Nikolaustag gefeiert wird. Er wurde in der Geschichtsschreibung mit dem Abt Nikolaos von Sion verbunden, der Bischof von Pinora war und in Lykien starb. Bald entwickelten sich um die so entstandene Gestalt zahlreiche Legenden, die von einem besonders christlichen Lebenswandel sowie von zahlreichen Heilungs- und Errettungswundern berichten.

Die Legenden erzählen vom Handeln und der Wirkmächtigkeit des Heiligen und bildeten im Laufe des Mittelalters den Ausgangspunkt für seine rege Verehrung. In der Folge erkoren zahlreiche Berufsstände und Bevölkerungsgruppen den Heiligen Nikolaus zu ihrem Patron, wenn sie sich durch eine seiner Handlungen besonders mit ihm verbunden fühlten.

Beispielsweise stellten sich die Bäcker und Schiffleute, aber auch die Kinder unter den besonderen Schutz des Heiligen Nikolaus.

Im 17. Jahrhundert wuchs das Bedürfnis, das Wirken und Erscheinen des Heiligen am Nikolaustag dramatisch in Szene zu setzen. Im vollen bischöflichen Ornat erschien er nun meist mit einem wilden oder teuflischen Begleiter bei den Kindern. Der würdige Bischof examinierte die Kinder und hielt sie zur Tugend an. Anschließend verteilte er an die braven Kinder Geschenke. Sein Begleiter, der als Krampus, Pelzmärtel oder Knecht Ruprecht bekannt ist, war meist mit einer Rute ausgestattet und für die Bestrafung der unartigen Kinder zuständig.

Mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts forderten aufgeklärte Pädagogen einen weniger furchterregenden Gabenbringer. Zeitgleich galten Märchen und Mythen als geeigneter Unterhaltungsstoff für Kinder. In diese Zeit fällt die Entstehung des Weihnachtsmannes, dessen Geschichte auch in der Sonderausstellung erzählt wird. Heute sollen der Nikolaus und seine Begleiter den Kindern keine Angst mehr machen. Die Rolle des Heiligen als Kinderfreund steht nun beim gelebten Einkehrbrauch im Mittelpunkt.

Die Ausstellung

Die Sonderschau vereint Werke der Kunst und Volkskunst aus der Region mit Leihgaben der Sammlung Gudrun Wirths. Sakrale Werke der barocken Kunst aus Rosenheim, Mühldorf, Feldkirchen und Wasserburger Privatbesitz schildern die religiöse Verehrung des Heiligen. Auch die Schiffleutbruderschaften aus Wasserburg, Neubeuern und Flinstbach, deren Patron der Heilige Nikolaus ist, sind mit Leihgaben vertreten. Daneben dokumentiert die Ausstellung die von Papier über Holz bis zu Glasseide und leonischen Drähten reichende Materialfülle des prächtigen weihnachtlichen Kunsthandwerks. Das sich im Laufe der Zeit häufig wandelnde äußere Erscheinungsbild des Nikolaus, den Ursprung seiner dämonischen Begleiter sowie seine Verwandtschaftsverhältnisse zum Weihnachtsmann, Knecht Ruprecht und Väterchen Frost werden ebenfalls dargelegt.

Publikation zur Ausstellung

Begleitend zur Ausstellung gibt das Museum Wasserburg die Publikation „Sankt Nikolaus. Ein braver Heiliger und seine wilden Gesellen“ heraus, in der unter anderem die Nikolausverehrung an Inn und Salzach und die Bedeutung des Heiligen für die Stadt Wasserburg besprochen werden. Darüber hinaus wird erklärt, wo seine wilden Begleiter ihren Ursprung haben und wie der Weihnachtsmann entstanden ist.

Schulklassen und Kindergärten

Für Schulklassen und Kindergruppen wird während der Ausstellungsdauer eine spezielle Kinderführung angeboten. Dabei hören die Teilnehmer die Geschichte des Heiligen und erfahren wie Kinder früher den Nikolausabend gefeiert haben. Die Führung kann unter Telefon 08071/925290 gebucht werden.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Drauß vom Walde komm‘ ich her – Fortbildung für

ErzieherInnen, LehrerInnen und ReligionspädagogInnen

Montag, 23.11.2015, 14.30 – 16.30 Uhr

St. Nik’laus komm‘ in unser Haus – Führung für Familien mit Kindern

Sonntag, 6. Dezember 2015 und Mittwoch, 6. Januar 2016, 15:00 Uhr

Von schwarzen und weißen Nikoläusen – Führung für Erwachsenen

Sonntag, 29.11.2015 Und Sonntag 3.1.2016, 15:00 Uhr

Öffnungszeiten Museum

Di – So 13-16 Uhr,

Adventswochenenden,  Fr- So 13-18 Uhr

24., 25. und 31.12. geschlossen

Gruppen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten jederzeit willkommen.

 

Abbildungen: Postkarte, Nikolaus bei der Verteilung der Geschenke, Chromolithographie, um 1900.

 

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