Ein gymnasiales Happy-End

Michi Altinger mit Exklusiv-Benefizabend in seiner alten Schule, dem Gymnasium Wasserburg

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2Die Schule prägt einen, die Schulzeit begleitet einen durch das ganze Leben. Kabarettist Michi Altinger hatte viele Botschaften mitgebracht, als er gestern am Abend auf der Bühne seiner alten Schule stand – dem Luitpold-Gymnasium in Wasserburg. Und zwar vor ausverkauftem Haus. 450 Gäste gemischt durch alle Generationen waren der Einladung des Elternbeirates gerne gefolgt. Denn der „Michi“ machte aus dem Wiedersehen einen richtig guten Zweck. Er und seine „Ein-Mann-Band“ Martin Julius Faber stifteten ihre Gage zum Wohle der Kinder und Jugendlichen der Schule. Und weil es ihm so richtig „ernst“ war mit dem gymnasialen Comeback, hatte er sich …

Fotos: Renate Drax

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… eigens nur für diesen Auftritt ein völlig eigenständiges Exklusiv-Programm ausgedacht. „Bekannt und verzogen“ drehte sich – na klar – um die Schule, die Lehrer, die Eltern, die Kinder. Das Publikum lachte Tränen. Und doch war so oft eine besondere Ernsthaftigkeit beim „Lausbua“ Altinger zu spüren. Nein, keine Abrechnung mit einer Zeit, die er in der zehnten Klasse mit sechs Vierern und einem Fünfer abrupt beendete. Die Worte des fröhlichen Kabarettisten mahnten viel mehr die Gesellschaft, achtsamer zu sein.

4Die Jugendlichen forderte er zu mehr Respekt auf, Werte und Erfahrung des Alters zu schätzen – in einem „ach so coolen facegebookten Leben“. So sehr vermisse er das manchmal, wenn er mit 18-Jährigen rede. Dieses unangenehme strotzen vor Selbstbewusstsein – ohne Neuseeland, Australien, USA-Aufenthalte komme doch keiner mehr aus. Drunter geht’s nimmer, so Altinger. Er mit 18 Jahren, er sei im Vergleich ein Depp gewesen, ein Depp per Interrail unterwegs.

Die Eltern wiederum sollten acht geben, dass ihre Fabiennes und Chantals später nicht zu Monstern werden, zu denen sie sie vor lauter Hochbegabten-Begeisterung gemacht haben. Klavier, Cello, Tennis, Ballett, Reiten bilde vielleicht den Status, aber noch immer nicht zwangsläufig den Charakter.

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Stefan Hain dankte – im Namen des Elternbeirates des Gymnasiums – Michi Altinger ganz herzlich.

Ein Kabarettist hat wie kaum ein anderer die Chance, seine Wut laut in die Welt zu rufen. Lustig, versteht sich. Verschont blieben da auch nicht die Lehrer. So lapidare Sätze wie „Altinger, du schaffst die Zehnte sicher noch vor der Rente“ würden einen eben nun mal ein ganzes Leben lang begleiten, stand zwischen den Worten des 45-Jährigen aus Alteiselfing.

Es ging auch um Beckenboden und Dirty Dancing, um 50 Mark damals für einen Vierer, weil er besser war als ein Fünfer, um Poesiealben und um Klassentreffen. „Der Michi“ sang, rezitierte, tanzte und fabulierte dafür gestern am Abend, was die Schulzeit hergab.

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Der Leiter des Gymnasiums in Wasserburg, Peter Rink (stehend links im Hintergrund) freute sich über die vielen Besucher in der Aula.

„Für alle Looser dieser Welt“ bewies er, dass Leichtigkeit, Fröhlichkeit und ein gesunder Optimismus sehr zu einer Versöhnung beitragen.

„Wer hätte denn gedacht, dass ich eines Tages hier auf der Bühne steh – und meine Lehrer dafür Eintritt bezahlen müssen.“ Bei allem ernsten Hintergrund ließ er immer wieder sein Publikum spüren, dass es genau darauf ankomme im Leben – sich selbst nicht zu ernst zu nehmen.

Da der Eiselfinger nun selbst einen Sohn am Gymnasium in Wasserburg hat – kurz vor dem Abi, da müsse er sich a bissal zurückhalten heut – sei die Bildungspolitik und „ihre Katastrophen“ ein Dauerthema in seinem Familienleben. Schon in der Früh gehe es doch los, wenn entgegen jeglichem Biorhythmus eines Schülers der Gong zur ersten Schulstunde läute: „In der ersten Stunde Unterricht – da hab ich mir immer gedacht, was eigentlich macht die ganze Schule in meinem Schlafzimmer.“

Sogar ein eigenes Lied hatte Altinger für sein Luitpold-Gymnasium komponiert – du Blume an der Salzburger Straße. Das Publikum in der Aula des Gymnasiums amüsierte sich sehr und schenkte tosenden Applaus für einen Abend, der nicht zuletzt – so ganz nebenbei – auch eines war: Ein gymnasiales Happy-End für den Schüler Michael Altinger.

Renate Drax

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