Ein erster Anlauf in Richtung Wehr

Archivalie des Monats: Ein Ratsprotokoll zur Feuerbekämpfung von 1862

image_pdfimage_print

gruendungsurkunde_kZuständig für den Feuerschutz und somit auch Träger der städtischen Feuerlöschanstalt war jahrhundertelang die Stadt allein gewesen. Jedoch kam man über den Stand einer
Grundsicherung nicht hinaus. Erst die Gründung der Wehr im Februar 1866 sollte dies ändern. Zuvor hatte sich der Rat der Stadt bereits des öfteren mit der Bedrohung durch Feuer auseinandergesetzt, wie die Archivalie des Monats Januar, ein Ratsprotokoll, belegt.

 

Größere Brände hatte Wasserburg nach dem Stadtbrand des Jahres 1339 bis 1874 nicht erlitten. So hatte sich die „Verwaltungsfeuerwehr“, normiert durch Feuerlöschordnungen der Jahre 1791 und 1823 weder bewähren, jedoch auch Mängel nicht offensichtlich zeigen können. Der Magistrat verwaltete – neben vielen anderen Aufgaben – ein auch staatlicherseits vorgeschriebenes Mindestniveau. Idealismus in der Aufgabenwahrnehmung war nicht zu erwarten. So grauste es den Bürgern bei der Vorstellung eines übergreifenden Stadtbrandes. Herrschende Meinung wurde, dass nur eine eigene Institution mit für die Sache engagierten Männern, zur tatsächlichen Einsatzfähigkeit im Brandfall führen konnte.

Doch diese Idee trat zunächst in Konkurrenz zur Tradition; der Magistrat sah selbst keinen Bedarf zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr. Das System zu bessern, wurde jedoch auch von den Bezirksämtern angemahnt, die ab 1861 zur Gründung der Wehren aufforderten. Hier war man zu der Einsicht gekommen, dass die bis dahin bestehenden, von den Gemeindeverwaltungen betreuten Feuerwehren, nicht mehr ausreichten. Entgegen bisheriger Annahmen, wurde die Idee zur Gründung der Wasserburger Wehr jedoch nicht erst im November 1865 – gegen Widerstände aus den Reihen der Magistratsräte – eingebracht.

Die Akten belegen, dass die Bürgerschaft nach einem glücklicherweise noch glimpflich abgegangenen Brand beim Schneiderbräu – es handelte sich um einen Dunstschlauchbrand oberhalb der Malzdörre, der rasch gelöscht wurde – bereits am 8. April 1862 die Bildung einer freiwilligen Feuerwehr für Wasserburg anregte. Dies wurde in einer gemeinsamen Sitzung des Magistrats mit den Gemeindebevollmächtigten am 15. April beraten.

Beschlossen wurde: „Mehrere Bürgersöhne und Einwohner der Stadt Wasserburg haben es unternommen, eine freiwillige Feuerwehr dahier zu organisieren und hiezu den Magistrat um vorläufige Genehmigung gebeten. Da dieses Unternehmen eine wichtige Gemeindeangelegenheit betrifft und um schon von vorneherein der Ansicht der Gesamtgemeinde hierüber versichert zu sein, ließ der Magistrat in der heute anberaumten gemeinschaftlichen Sitzung der beiden Gemeindekollegien die bezügliche Eingabe des Magistratsdiuraisten Höninger (= rangniedriger Kanzleischreiber) und 29 Genossen vom 5. April 1862 vorlesen, worauf der Antrag des Herrn Vorstandes der Gemeindebevollmächtigten‚ es sei das Unternehmen, dahier eine freiwillige Feuerwehr ins Leben zu rufen, als ein sehr nützliches und willkommenes zu begrüßen und mit belobender Anerkennung auf alle Weise zu fördern durch allseitigen Beifall ohne weitere Debatte zum Gesamtbeschlusse erhoben wurde.“

Obwohl 1862 befürwortet, kam es nicht unmittelbar zur Gründung. Erst eine am 29. Oktober
1865 stattgefundene Feuerlöschprobe erinnerte, „bei aller Tüchtigkeit der in Verwendung
gebrachten Geräte und bei allem Eifer einzelner dem Feuerlöschwesen zugeteilter Bürger“, an „den Mangel einer freiwilligen Feuerwehr“…

gruendungsurkunde_k

Archivalie des Monats: Protokoll der gemeinschaftlichen Sitzung des Magistrats und der
Gemeindebevollmächtigten der Stadt Wasserburg: Begründung einer freiwilligen Feuerwehr, Memorialschreibwerk, Papier, 15.4.1862. Stadtarchiv Wasserburg, Reg.Verz.Teil1-VIIID6 / Matthias Haupt

Mehr erfahren zur Geschichte der Wasserburger Feuerwehr:

Unbenannt-1Die Freiwillige Feuerwehr Wasserburg feiert dieses Jahr ihr 150-jähriges Gründungsjubiläum. Aus diesem Anlass zeigt das Museum Wasserburg eine Sonderausstellung, die sich sowohl mit der Geschichte der Wehr als auch mit den Brandursachen und der Brandbekämpfung in früherer Zeit beschäftigt. Während der Ausstellung findet ein Begleitprogramm mit Führungen und Angeboten für Erwachsene sowie Kinder- und Jugendgruppen statt.

Ausführliche Informationen über die Geschichte enthält die Publikation „150 Jahre Feuerwehr Wasserburg“. Sie erscheint begleitend zur Ausstellung und ist gleichzeitig Jubiläumsschrift der Freiwilligen Feuerwehr Wasserburg. Mitarbeiter des Stadtarchivs und des Städtischen Museums sowie Mitglieder der Feuerwehr haben einzelne Themen aus der Geschichte der Feuerbekämpfung in Wasserburg schlaglichtartig beleuchtet. Zudem enthält das Heft aktuelle Mannschafts- und Einsatzbilder der Freiwilligen Feuerwehr Wasserburg. Die Broschüre ist zum Preis von drei Euro im Museum Wasserburg erhältlich.

Weitere Informationen unter: www.museum.wasserburg.de
Veranstaltungstipp zur Archivalie des Monats,
Sonntag, 28. Februar 2016 um 15 Uhr:

Es brennt! Führung durch die Sonderausstellung
Die Teilnehmer lernen Brandursachen, bauliche Schutzmaßnahme und Löschgeräte aus früheren Zeiten kennen und verfolgen die Entwicklung der Wasserburger Feuerwehr von ihrer Gründung ausgehend. Wichtige Neuerungen in der Ausrüstungstechnik werden ebenso thematisiert wie die Aufgaben der heutigen Freiwilligen Feuerwehr. Die Führung ist kostenlos. Der Eintritt in das Museum ist zu entrichten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.