Ehemalige auf Lehrfahrt nach Sachsen

Besuch bei Jochen Böhme in Cunnersdorf - Interessante Reise in den Osten

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wp_20160908_15_36_56_proDie traditionelle Herbstlehrfahrt des Verbands für landwirtschaftliche Fachbildung Wasserburg ging heuer nach Sachsen. Unter Leitung von Geschäftsführer Rolf Oehler machten die Wasserburger auf der Hinfahrt einen Frühstückshalt in einem Hofcafe in der Oberpfalz. Drei landwirtschaftliche Betrieb, allen voran der Betrieb des VLF-Mitglieds Jochen Böhme wurden im fachlichen Programm besucht.

Das mondäne Karlsbad in Tschechien, die liebevoll wieder restaurierten Städte Bautzen und Görlitz und zum Schluß das wiederaufgebaute Dresden waren neben dem Braunkohletageabbau, dem Weltkulturerbepark Fürst-Pückler in Bad Muskau und der Sächsischen Schweiz wichtigste kulturelle Höhepunkte der Fahrt .

Um die lange Anfahrt zu verkürzen, steuerten die Wasserburger bei Rotzendorf in der Oberpfalz das Landgut Federkiel der Familie Kriechenbaumer an. Auf dem Biodirektvermarktungsbetrieb werden alle Arten von Geflügel, wie Gänse, Enten, Hähnchen, und Perlhühner gehalten und direkt vermarktet. Unter anderen auch im Hofcafe, in dem die Betriebsleiterin Astrid Kriechenbaumer für die Wasserburger schon ein reichhaltiges Frühstücksbuffet aufgebaut hatte.

Nach der Stärkung stellte sie ihr überzeugendes Konzept vor, das sie als Arbeitsprojekt zur hauswirtschaftlichen Meisterprüfung 2000 aufgestellt hatte und für den kleinen Familienbetrieb mit neun Hektar Ackerfläche und sechs Hektar Grünland zu einem wirtschaftlich gesundem Direktvermarktungsbetrieb umgesetzt hat.

Nach der Fahrt über Karlsbad mit kurzer Stadtführung besuchten die Wasserburger Jochen Böhme in Cunnersdorf am Rande des Erzgebirges. Jochen Böhme wollte nach der Wende unbedingt den elterlichen Nebenerwerbsbetrieb übernehmen und kam so über die Vermittlung eines Rosenheimer Beraterkollegen zur Weiterbildung an die Landwirtschaftsschule Wasserburg. Dort machte er von 1991 bis 1993 die Ausbildung zum staatlich geprüften Wirtschafter für Landbau.

Den 35-Hektar-Betrieb entwickelte er dann zu einem Milchvieh- und Ackerbaubetrieb mit jetzt 200 Hektar Eigentumsflächen und 125 Milchkühen. Nachdem der Stall, den er nach dem Besuch der Winterschule gebaut hatte, auch schon abgezahlt ist, hat ihm der zwischenzeitlich auf 19 Cent gesunkene Milchpreis noch keine schlaflosen Nächte bereitet, da ihn keine Schulden belasten. Für andere Betriebe ist der aktuell auf 21 Cent netto gestiegene Milchpreis nach wie vor existenzbedrohend und die Banken setzen zum Teil die Tilgungen aus, um eine Zahlungsunfähigkeit von gefährdeten Betrieben zu vermeiden.

Mittelfristig rechnet Böhme damit, dass sich die für Wasserburger Verhältnisse eh schon sehr großen Betriebe zukünftig zu noch größeren Betriebsgemeinschaften zusammenschließen werden und kleinere Betriebe aufgeben werden. Von den nach der Wende 31 landwirtschaftlichen Betrieben im Dorf gäbe es aktuell nur noch je zwei Betriebe im Haupterwerb und zwei Biobetriebe im Nebenerwerb.

Größere Probleme hätten die Wildschweine, die in der Lausitz auf dem Vormarsch sind, nicht gemacht, rund 300 hätte er pro Jahr geschossen und selbst vermarktet. Auch mit dem seit einem Jahr ansässigen Wolfsrudel könne er als Landwirt und Jäger leben, mehr Probleme machten da schon die Waschbären und Marder. Um Wildtierarten zu fördern, züchtet er Fasane und wildert pro Jahr rund 70 aus.

Einen anderen Weg hat die Familie Steinert in Diehsa nach der Wende eingeschlagen. Steinert Senior wollte als ehemaliger LPG-Mitarbeiter auf einer Schweineproduktionsgenossenschaft mit 6000 Mastplätzen wieder einen eigenen Betrieb bewirtschaften und baute die Produktion von Masthähnchen, Eiern, Mastgänsen, Enten, einigen Schweinen und schließlich noch den Handel mit Wild als sogenannter Wiedereinrichter kontinuierlich aus.

Alle Produkte werden, zum Teil bereits verarbeitet als Wurst oder Nudeln, in neun Verkaufswagen direkt vermarktet. Einkaufsmöglichkeit besteht am Wochenende auch auf dem Betrieb im eigenen Hofladen mit eigener Gaststätte, Kinderspielplatz und Streichelzoo. Ein beliebtes Ausflugsziel für die Familien der Umgebung mit Kindern. Die beiden Söhne Christian und Mario Steinert, die den Betrieb zwischenzeitlich übernommen haben, beschäftigen 50 Mitarbeiter.

Eine andere Größenordnung hatte die Budissa AG in Niederkaina bei Bautzen: Nicht nur wegen der enormen Betriebsgröße sondern wohl auch aus Angst vor Einschleppung von Krankheiten wurde die komplette Betriebsbesichtigung in eineinhalb Stunden ausschließlich per Bus gemacht. Der Nachfolgebetrieb einer LPG bewirtschaftet jetzt 9300 Hektar, hält 1900 Milchkühe, die in einem zum Laufstall umgebauten ehemaligen Anbindestall aus den 7-0er Jahren gehalten werden und in einem 48-er Außenmelkkarusell gemolken werden.

Der Personalstand allein für diesen Milchviehstall zusammen mit 1700 Stück Jungvieh ist mit 45 Arbeitskräften nicht gering: eine Arbeitskraft für 42 Milchkühe. Die Produktionskosten von 32 Cent pro kg Milch werden mit dem derzeitigen Milchpreis von 26 Cent bei weitem nicht erreicht. Gut dass die Budissa AG noch mehrere Standbeine hat: Jährlich werden 5- bis 6000 Jungsauen zum Verkauf für Ferkelerzeuger produziert, 50 Hektar Kartoffeln direkt vermarktet. Mit den Getreideerträgen von heuer 93 dt bei Wintergerste, 80 dt bei Winterweizen sowie mit 35 – 40 dt pro Hektar bei Winterraps ist der ehemalige Leiter des Großbetriebs Pietschmann zufrieden.

Insgesamt muss die AG 1000 Aktionären Rechenschaft ablegen und 1600 Pachtverträge betreuen. Auf die Frage des Geschäftsführers, ob man wegen des Bewirtschaftungsvorteils bei den Riesenflächen nicht doch eine Kürzung der Flächenprämien zu Gunsten der kleineren Betriebe akzeptieren können müsste, lehnte der ehemalige Betriebsleiter klar ab: „Fläche sei Fläche, damit gleiche Prämienhöhe“.

Neben den sehr schön restaurierten Städten Görlitz und Bautzen, war dann doch der Besuch der Felsformationen der Sächsischen Schweiz und schließlich Dresden mit Rundgang um Schloß, Semperoper, Zwinger und der neu aufgebauten Frauenkirche Höhepunkt der Fahrt. „Schade dass wir da nicht einen Tag länger bleiben konnten“, bedauerten da einige Teilnehmer auf der Heimfahrt nach Wasserburg, wo auch schon wieder Pläne für die nächste Fahrt geschmiedet wurden. ROE

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