Die Zukunft beginnt jetzt

Landkreis der Erste in ganz Deutschland mit der „Demografie-Simulation 2050“

image_pdfimage_print

wandelWie verändert der Demografische Wandel unsere Gemeinden? Vertreter aus zehn Kommunen im Landkreis haben sich mit dieser Frage beschäftigt. In Workshops wurden die Veränderungen simuliert und mögliche Lösungsansätze überlegt. Bürgermeister, Gemeinde- und Stadträte, Beschäftigte von Gemeindeverwaltungen, Soziale Verbände und Vereine waren beteiligt und haben dabei völlig neue Ideen entwickelt. Mit dabei: Wasserburg …

Teilgenommen haben außerdem Aschau, Bad Aibling, Bad Feilnbach, Brannenburg, Breitbrunn, Kolbermoor, Neubeuern, Prien (unser Foto) und Samerberg  Sie wurden bewusst ausgewählt, um ganz unterschiedlich große Kommunen aus verschiedenen Ecken des Landkreises mit unterschiedlichen strukturellen Voraussetzungen zu beteiligen.

Der Landkreis Rosenheim hat als erster in ganz Deutschland das Modell der „Demografie-Simulation 2050“ des Kölner Beratungsunternehmens S&N Kommunalberatung in zehn Kommunen gebracht. Bei dieser Simulation wird den Verantwortlichen in den Städten und Gemeinden verdeutlicht, wie sich unsere Gesellschaft verändert, wenn immer weniger junge Menschen unter uns leben.

Für Landrat Wolfgang Berthaler ist dies eine Herausforderung, die nicht ignoriert werden darf: Das Ziel war es, die Gemeinden im Kreis anzuregen, über neue Lösungswege nachzudenken, damit wir auch in Zukunft noch vorne mit dabei sind.

Die Teilnehmer staunten nicht schlecht, als sie zum angekündigten Workshop kamen. Statt Zahlenreihen und PowerPoint Präsentationen blickten sie auf einen großen Plan und über tausend kleine Männchen. Nicht selten wurde die Frage gestellt: „Sollen wir heute etwa Mensch-ärgere-dich-nicht spielen?“

Doch genau um das Spielen geht es bei der Simulation. Die Spielfiguren in der Simulation werden dazu genutzt, den demografischen Wandel verständlich zu machen. Durch diesen spielerischen Ansatz werde der Kopf frei für kreative Ideen, sagt Erik Flügge, Geschäftsführer der S&N Kommunalberatung und Leiter der Workshops in den zehn Kommunen im Landkreis.

Dass spielerisches Herangehen an das Thema durchaus den Kopf für neue Lösungen frei macht, zeigen die entwickelten Lösungsansätze. In der Gemeinde Prien konnten sich nach Jahren CSU und GRÜNE während der Simulation auf einen gemeinsamen Umgang mit der Herausforderung des Baulandmangels und des gleichzeitigen Landschaftsschutzes einigen.

In Samerberg entstanden neue Ansätze, um die Jugendfeuerwehr zu stärken und in Aschau erdachten die Teilnehmer gleich mehrere Vorschläge zur Fachkräftegewinnung und ein mögliches neues Kommunalmarketing.

Karola Kellner von der Kommunalen Jugendarbeit, die Verantwortliche für dieses Projekt im Rosenheimer Landratsamt war begeistert: Man habe sich erhofft, dass hier viele Ideen zusammen kommen, aber die große Kreativität in den zehn ausgewählten Kommunen habe dann doch alle überrascht.

Ganz konkret wurde in vielen Gemeinden eine Veränderung des Einheimischen-Modells bei der Grundstücksvergabe diskutiert. Statt vergünstigtes Bauland nur für Einfamilienhäuser von Einheimischen zu reservieren, könnte das Modell in unterschiedliche Richtungen weiterentwickelt werden.

Beispielsweise als Familienmodell, bei dem Menschen mit Kindern bevorzugt werden oder als Einheimischen-Eigentumswohnungsmodell, bei dem die Gemeinde ein Gebäude mit mehreren Stockwerken und Aufzug errichtet und anschließend Eigentumswohnungen zum vergünstigten Quadratmeterpreis zum Kauf anbietet. So entstünde mehr Wohnraum und dieser wäre gleichzeitig für Familien und Senioren geeignet.

Das Thema Wohnen war über sämtliche Kommunen hinweg ein akutes. Im ganzen Landkreis ist der Wohnraum knapp und das Bauland teuer. Teilweise müssen bis zu 800 Euro pro Quadratmeter bezahlt werden. Die Auswirkungen auf die Mietpreise sind entsprechend. Für junge Familien, Menschen in niedrigen Lohngruppen und Auszubildende stelle dies ein enormes Problem dar. Damit die jungen Menschen nicht abwandern müssen, sondern am Ort gehalten werden können, wurde viel über den Ausbau von Dachstühlen und die Entwicklung von bezahlbaren kleinen Wohnungen für Auszubildende beraten.

In Aschau erwägt man beim Thema Ausbildung gleich ganz neue Wege zu gehen und sich eventuell mit der Schaffung einer „Akademie des traditionellen Handwerks“ zur „Ausbildungsgemeinde Aschau“ weiter zu entwickeln. Für dieses Vorhaben wäre beispielsweise der Erwerb und Umbau eines alten Bauernhauses erforderlich, so dass dort Auszubildende wohnen könnten. Die ehemalige Scheune könnte für Gemeinschaftsaktivitäten oder als Vorlesungssaal genutzt werden.

Durch einen Ausbildungstutor in der Gemeinde könnten alle traditionellen Handwerksbetriebe zur Kooperation angeregt werden, damit unterschiedliche Disziplinen durch Praktika während der Ausbildung in anderen Betrieben am Ort eine noch umfassendere fächerübergreifende Ausbildung ermöglichen. Im Vorlesungssaal der Akademie könnten Vorträge zum Handwerk gehalten werden und das ganze Konzept könnte ein Handwerkermarkt in Aschau abrunden.

Aschaus Bürgermeister Peter Solnar sieht eine Aufbruchsstimmung: Es war schön mitzuerleben, wie engagiert die Teilnehmer mit neuen Ideen an der Zukunft der Gemeinde mitgewirkt haben, sagte er.

Im Frühjahr kommenden Jahres werden die erarbeiteten Handlungsansätze und Konzeptideen der einzelnen Kommunen in einer Broschüre veröffentlicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.