Die Stadt Wasserburg im Halbdunkel

Diffuses Licht und geteiltes Interesse an der Sonnenfinsternis

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Sofi_1_k So, als wär’s ganz alltäglich. Kein Blick zum Himmel, sondern die Augen geradeaus. Die meisten Wasserburger schenkten der Sonnenfinsternis, die gegen 10.40 Uhr ihren Höhepunkt erreichte, wenig Beachtung. Doch es gab auch andere Menschen. Sie setzten sich ihre Schutzbrillen auf und richteten den Blick nach oben. Für die war das Ereignis dann doch etwas ganz Besonderes …

Sabine Westermann sitzt im Café Schranne am Marienplatz und genießt den frischen Frühlingsmorgen. Immer wieder blickt sie von ihrem Capuccino auf und schaut in die Sonne. Die Schutzbrille lässt sie die ganze Zeit auf. Die Forstingerin beobachtet jeden Moment, in dem sich der Schatten des Mondes vor die Sonne schiebt. „Des is a Naturschauspiel, des sigt ma ned jeden Dog“, sagt sie. Glückliche Fügung: Sie hat heute frei und eine Brille hat sie auch noch gehabt. Von der letzten Finsternis 1999.

Damals war die Bedeckung der Sonne totaler und lag bei nahezu 100 Prozent. Heuer sind es nur 68 Prozent in und um Wasserburg. Genug, um den Frühlingsanfang in ein diffuses Licht zu tauchen. Nicht genug, um den Tag zur Nacht zu machen. Für die Vögel reicht’s trotzdem. Die stellen kurz vor Höhepunkt der Finsternis auf Abendbetrieb um und fangen das Pfeifen an. Dann sind sie für einen kleinen Moment ruhig und begrüßen wenig später die „aufgehende“ Sonne mit dem Morgenlied.

Hans Meinl, Mitarbeiter der Stadtwerke, nimmt das Naturereignis als einen willkommener Anlass, um Beruf und persönliches Interesse zu verbinden. Er ist auf Abruf hier draußen am Gries. „Weil wir ned wissn, wie sie des mit da Photovoltaik verhoid. Do woas koana genau, wos bassiert, wenn wirklich da Strom ausfoild“, sagt er. Sein Gesichtsausdruck zeigt: So richtig kann er sich einen Ausfall nicht vorstellen. Deshalb stehen er und seine Kollegen ganz entspannt im Freien und schauen sich die Sonnenfinsternis an. Und wo keine Schutzbrille zur Hand ist, nimmt man eben die Schweißmaske her.

Fotograf Christian Hochwind legt auch bei der Sonnenfinsternis absolut professionelles Verhalten an den Tag. Er verfolgt das Ereignis durch das Display seiner Kamera und schlägt damit gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum Einen sieht er die Verdunkelung der Sonne ohne Gefahr zu laufen, seine Augen zu verletzen, und zum Anderen macht er nebenbei davon Aufnahmen. Er hat die Ausrüstung vor seinem Geschäft in der Altstadt aufgebaut, schaut kurz auf und sagt mit einem Grinsen: „So kon i mas problemlos o schaun.“

Das hat sich für ihn und die anderen „Sofi-Schauer“ auf jeden Fall gelohnt. Denn obwohl es in nördlicheren Gefilden eine größere Verdunkelung gab, waren Wasserburg und das Umland klar im Vorteil. Hier war der Blick auf den Planeten frei. Im Norden waren dagegen dicke Wolken echte Spielverderber.

id / lp

Unsere Impressionen der Sonnenfinsternis in Wasserburg:

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