Die 20er und 30er Jahre halten Einzug

Gestern Eröffnung im Städtischen Museum - Zahlreiche Gäste

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IMG_3464Wasserburg – Die wechselnden Ausstellungen im Städtischen Museum, sie sind seit Jahren fester Bestandteil des Wasserburger Kulturlebens. Die Eröffnungen sind mittlerweile ein gesellschaftliches Highlight in der Stadt. Und so war es nicht verwunderlich, dass sich auch gestern zahlreiche Gäste im Museum einfanden, als Bürgermeister Michael Kölbl, Museumsleiterin Sonja Fehler und Musiker Walter Erpf die neue Ausstellung „Veronika, der Lenz ist da“ präsentierten. 

„Stellvertretend für alle begrüße ich unter dem Motto der neuen Ausstellung, Veronika, der Lenz ist da, Stadtrat Lenz Huber“, sagte Kölbl eingangs der Eröffnung augenzwinkernd.

Er zeigte sich hocherfreut über den Besucherandrang bei der Eröffnung: „Und das zu einem Zeitpunkt, da aus München am Nockherberg der Starkbieranstich live im Fernsehen übertragen wird.“ Der besondere Dank Kölbls ging an Walter Erpf. Der Musiker und Schlossherr zu Penzing hatte die Exponate für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.

Museumsleiterin Fehler berichtet über die Entstehung der Ausstellung und gab wie immer geschichtliche Einblicke. Wenn man sich mit den 20er und 30er Jahren beschäftige, stehe oft die politische Geschichte der Weimarer Republik im Vordergrund. Dabei sei gerade auch der gesellschaftliche Aspekt hoch interessant.

„Die Frauen errangen eine nie gekannte soziale Bewegungsfreiheit. Kinostars werden geboren, Filme nehmen den Schlager auf, aus der politischen Revue der frühen 20er wird die goldene Revue. die Menschen wollen Spaß haben am Leben. Das drückt sich auch in der Musik aus.“ Viele der Schlager von damals hätten heute noch hohen Bekanntheitsgrad – wie eben „Veronika, der Lenz ist da!“

P1040552Musiker und Sammler Walter Erpf präsentierte den Gästen dann auf einem seiner Grammophone auch gleich ein paar Schmankerl aus der guten alten Zeit: „Ich bin verrückt nach Hilde, sie küßt wie eine Wilde“ und „Benjamin, ich hab‘ nichts anzuziehen“ war da zu hören – und das ganz ohne Strom, denn das Grammophon funktioniert mechanisch. Erpf hat 22 solcher Geräte in seiner Sammlung und riet den Gästen: „Vorsicht, fangen Sie nicht an. ab dem dritten Sammlerstück wird’s gefährlich.“ BS

 

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Zur Ausstellung: Nach Ende des Ersten Weltkriegs, dem Untergang des Kaiserreichs und der Hyperinflation von 1923 brach eine Zeit an, die als die Goldenen Zwanziger Jahre, The Roaring Twenties oder les années folles beschrieben wird. Eine Zeit, in der in Kunst, Kultur und Gesellschaft all das möglich zu werden schien, was vorher unmöglich war. Die Ausstellung widmet sich vor allem der Musikkultur dieser Epoche. Die künstlerisch gestalteten Titelgrafiken der Schlagernoten zeigen die neue mondäne Frau, die von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt ist und sich in eleganten Kleidern ins Nachtleben stürzt. Ihre Texte handeln von freier Liebe, frivolen Späßen, der Sehnsucht nach dem Exotischen, von Ausflügen in die Natur und dem Rausch der Großstadt. Eingerahmt von Instrumenten, Grammophonen, Plakaten, Fotos, Kleidern, Accessoires und vielem mehr, geben sie Einblick in die Unterhaltungskultur der 20er und 30er Jahre. Stars wie Josephine Baker, Marlene Dietrich, die Comedian Harmonists, Karl Valentin und Friedrich Holländer geben ein Gastspiel und laden ein in Kabarett, Kino und Revue.

Auch die Depression nach dem großen Börsenkrach 1929 und der aufkeimende Nationalsozialismus hinterlassen ihre Spuren in der Welt des Schlagers und werden genauso in der Ausstellung thematisiert wie das Vergnügen der einfachen Leute auf dem Land.

 

Ein vielseitiges Begleitprogramm lässt die Unterhaltungskultur der 20er und 30er Jahre an den Wasserburger Kulturorten lebendig werden. Mit dabei sind neben dem Museum das Kino Utopia, das Theater Belacqua, das Café „Die Schranne“, die Bibliothek Wasserburg und die beiden Penzinger Institutionen Schloss und Seehaus.

 

 

Führungen

Herein spaziert!

Sonntag, 8. März und 31. Mai 2015, Museum Wasserburg, 14.30 Uhr

Führung durch die Ausstellung mit Walter Erpf oder Sonja Fehler

Begeben Sie sich für ein kurzweiliges Stündchen auf die Spuren von Charleston, Tango und Black Bottom. Erfahren sie warum man als Musiker 1920 unbedingt Tschetzpend spielen musste und was eine Strohgeige mit einer Schellackplatte zu tun hat.

Die öffentliche Führung ist kostenlos, der Eintritt ist zu entrichten.

Führungen buchen unter: Tel. +49 8071 92 52 90

Der Flyer

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Ein Gedanke zu „Die 20er und 30er Jahre halten Einzug

  1. Eine wunderbare Ausstellung, hab mir gleich eine CD mit den alten Liedern angehört. Es versetzt einen in Frühjahrsstimmung — Veronika der Lenz ist da- ein richtiger Ohrwurm

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