Der Flug der „Stratonauten“

Von Wasserburg aus 22.481 Meter über die Erde hinaus

image_pdfimage_print

Ein tolles Projekt ging am Wochenende in Wasserburger über die Bühne. Der Jugendtreff „Innsekt“ hatte im Herbst zusammen mit einer Gruppe von Schülern der „Schule im Englischen Institut“ die „Stratonauten“ gegründet (wir berichteten). Zusammen wollte man einen Wetterballon in die Stratosphäre schicken, den Flug filmen, ein paar Wetterdaten sammeln und anschließend die am Fallschirm zurück zur Erde gekehrte Sonde bergen. Und tatsächlich: Der Ballon schaffte es auf 22.481 Meter.

Bei der Finanzierung bekamen die „Stratonauten“ breite Unterstützung Wasserburger Bürger und Unternehmen. Es wurden Anteilsscheine an der Unternehmung verkauft und so konnten innerhalb weniger Wochen ein Großteil des Finanzbedarf gedeckt werden.

Der Tag des Flugs

Der Wetterbericht prognostizierte ruhiges und sonniges Frühlingswetter – natürlich kam es anders! Bei bedecktem Himmel, kühlem Ostwind und Temperaturen um acht Grad begannen die Startvorbereitungen am Aussichtsturm über Wasserburg. Zum Schutz der Ausrüstung wurden Decken ausgelegt und die Sonde vorbereitet. Der Sondenbehälter wurde mit dem Fallschirm und dieser dann mit dem Ballon verbunden. Nun wurde der Ballon mit etwa 7000 Litern Ballongas befüllt – genug, um einen schellen Aufstieg zu gewährleisten um nicht nach Österreich abzutreiben.

Nun war alles vorbereitet, am Startplatz hatten sich etwa 20 Interessierte eingefunden, um den Start zu beobachten. Gegen Mittag stieg der Ballon in den grauen Himmel und war nach wenigen Minuten in den Wolken verschwunden. Nun machte sich die Verfolgergruppe auf den Weg Richtung Osten zum vorhergesehenen Landepunkt. Da mit einer Flugdauer von etwa zwei Stunden zu rechen war, war Eile geboten.

Anfangs gab es technische Probleme, die Ortungstechnik arbeitete nicht so wie erwartet, erst nach etwas mehr als einer Stunde Flugzeit konnte Kontakt zur Ballonsonde hergestellt werden. Am Fallschirm hängend befand sich die Sonde bereits im Landeanflug, um 12.58 setzte sie nur vier Kilometer vom geplanten Landepunkt auf. 20 Minuten später konnte die Verfolgergruppe unter Mithilfe eines Bauern die Ballonsonde auf einem Acker südlich von Burgkirchen an der Alz bergen.

Nach der Rückkehr wurde mit einer ersten Auswertung der Flugdaten und der Kamerabilder begonnen – gleich eine kleine Enttäuschung, eine von zwei Kameras war eingefroren! Aber dafür lief die zweite Kamera noch beim Eintreffen im „Mission Control“ im AWO-Jugendtreff „Innsekt“.

Ein erster Blick in die aufgezeichneten Daten brachte folgende Ergebnisse:

Flugdauer: 103 Minuten

Erreichte Maximalhöhe: 22.481 Meter

Durchschnittliche Steigrate: etwa 8,7 Meter pro Sekunde

Zurückgelegte Strecke (Luftlinie): 37,7 Kilometer

Tiefste gemessene Temperatur: -55,1°C in 10.748 Metern Höhe

Tiefster gemessener Luftdruck: 37 hPa in 22.481 Metern Höhe

(Normaldruck 1013 hPa auf Meereshöhe)

Das Ziel von 30.000 Metern Höhe über Bayern wurde nicht erreicht – am Flugtag wäre ein höherer Flug ohne eine Landung in Österreich nicht möglich gewesen. Es wurde erreicht was zu den herrschenden Bedingungen zu erreichen war. Und das war eine ganze Menge.

Eine Gruppe junger, begeisterter Forscher (und begeisterter MitarbeiterInnen des Jugendtreffs) haben mit viel Unterstützung aus Wasserburg und dem Landkreis Rosenheim ein ganz besonderes Projekt auf die Beine gestellt.

Nun müssen die Daten noch weiter ausgewertet, Videos geschnitten, Bilder präsentiert und – vielleicht schon Ideen für ein neues, spannendes Projekt gesammelt werden.

Ralph Hölting

22.481 Meter: Der Ballon platzt.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.